Panorama

Virologe über Covid-19 Habe ich es? Drosten erklärt Symptome

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Den Verlauf ohne Symptome gibt es womöglich gar nicht, sagte Drosten im täglichen NDR-Podcast.

(Foto: imago images/photothek)

Bei jedem Husten fragen sich nun viele der seit Tagen in den eigenen vier Wänden ausharrenden Menschen im Lande: Ist das jetzt Covid-19? Im täglichen NDR-Podcast präzisiert Virologe Drosten die Symptome, spricht über mögliche bleibende Schäden und Fälle ohne Symptome. 

Vielerorts fragen sich die Menschen beim leisesten Anzeichen eines Kratzens im Hals, einem unerwarteten Niesen oder einer überhand nehmenden Müdigkeit, was noch gleich die Symptome der Lungenkrankheit Covid-19 sind. Die Merkmale des neuartigen Leidens sind oft übersichtlich in Tabellen zusammengefasst - aber es bleiben dann doch wieder Fragen offen, weil die Symptome teils denen der Grippe oder der Erkältung gleichen. Und was ist mit jenen Fällen, die gar keine Symptome haben? Immer wieder heißt es in den Berichten der Medien, man könne die Krankheit bereits gehabt haben, ohne sie zu bermerken. Im täglichen NDR-Podcast hat der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité die Symptome noch einmal erklärt.

Fieber und trockener Husten, auf die gilt es zu achten - dabei bleibt es auch nach mehreren Wochen mit hinzugewonnenen Covid-19-Erfahrung. Der trockene Husten stehe dabei im Vordergrund, sagt Drosten, das Fieber könne sich auch als ein Frösteln zeigen. Diese beiden Symptome seien die "Leitsymptomatik", also die Merkmale, die am deutlichsten auf die Erkrankung hinweisen. Halsschmerzen könnten hinzukommen, ein Fließschnupfen sei dagegen seltener.

Wo der Schnupfen herkommen könnte

Drosten hat auch eine mögliche Erklärung dafür, dass manche Patienten dennoch einen Fließschnupfen haben. Dieser sei eigentlich untypisch für Covid-19. Es sei aber vorstellbar, dass eine mit Sars-Cov-2 infizierte Person sich auch noch mit anderen Erkältungsviren angesteckt haben könnte. Das sei bei den hierzulande üblichen Viren ganz normal. Es könne Parallelinfektion mit zwei oder drei verschiedenen Viren geben. Insofern sei es denkbar, dass der manchmal beschrieben Schnupfen von einem anderen Erreger ausgelöst wird und gar nicht zum Krankheitsbild von Covid-19 gehört.

Zu den etwas unheimlichen Eigenschaften der Lungenkrankheit gehört es, dass sie scheinbar unbemerkt verlaufen kann. Zumindest deuten darauf zahlreiche Berichte hin. Drosten ist hier aber skeptisch. Von der Häufigkeit dieses "asymptomalen Verlauf" hätten die Mediziner weiterhin nur "ganz beschränkte Vorstellungen". "Wir können nur erahnen, dass es so etwas gibt." Der Virologe verweist auf ein Problem in der Datenerfassung: Wenn man eine Person positiv teste und diese keine Symptome habe, gehe das so in die Studien ein. Es könne aber sein, dass die Person nach drei Tagen doch noch Merkmale der Krankheit feststelle. "Da hat man dann nicht noch einmal nachgefragt", so Drosten. Daher würden die Ärzte dann davon nicht erfahren.

Bei Fällen in und um München sei es so gewesen, dass Patienten bei späterer Nachfrage einräumten, doch noch leichte Symptome gehabt zu haben, diese aber nicht ernst genommen hätten. Es könne sein, so Drosten, dass "asymptomatisch" in den allermeisten Fällen gar nicht existiere und tatsächlich "mild-symptomatisch" bedeute. Aber auch hier gilt: Es handelt sich hier um Überlegungen, denen erst mit wissenschaftlicher Forschung auf den Grund gegangen werden müsste.

Hinweise auf bleibende Schäden

Drosten zufolge gibt es auch Hinweise auf bleibende Schäden durch die Covid-19-Erkrankung. Gerade bei schweren Verläufen sei es so, dass die Patienten sehr lange bräuchten, um sich zu erholen. Auch einen Monat nach der Entlassung aus dem Krankenhaus seien diese noch allgemein geschwächt. Die Lungenfunktion scheine nach schwerer überstandener Infektion ebenfalls nicht gut zu sein. Inwieweit bleibende Schäden dauerhaft zu erwarten sind, sagte Drosten nicht - da es sich aber um eine ganz neue Krankheit handelt, dürften definitive Aussagen darüber auch noch gar nicht möglich sein.

Ein positiver Nebeneffekt des derzeit praktizierten "Social Distancing" könnte sein, dass auch die Grippeviren sich nicht weiter verbreiten. Die Saison neige sich zwar schon dem Ende zu, es würde ihn aber "nicht wundern", wenn das Ende in diesem Jahr besonders "abrupt" verlaufe, meint der Virologe. Drosten zufolge ist auch davon auszugehen, dass das neuartige Coronavirus heimisch in unseren Breiten wird. "Es sieht sehr danach aus." Auch nachdem die für das Ende der Pandemie kritischen 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert sei, werde sich das Virus weiter ausbreiten, bis alle es gehabt hätten, so der Experte. Die anderen Coronaviren schafften es ebenfalls, immer wieder neue Personengruppen zu infizieren.

Quelle: ntv.de, vpe