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Tödlicher Behandlungsfehler Hausarzt muss 500.000 Euro zahlen

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Vermutlich verabreichte der Hausarzt seinem Patienten eine verunreinigte Spritze.

(Foto: picture alliance/dpa)

Als er starke Rückenschmerzen hat, geht ein 50-Jähriger zu seinem Arzt. Dieser verabreicht ihm Spritzen. Wenig später wird der Patient mit einer Sepsis ins Krankenhaus eingeliefert - und stirbt. Seinem Hausarzt ist ein schwerer Fehler unterlaufen, für den er nun bezahlen muss.

Ein Hausarzt muss wegen eines Behandlungsfehlers 500.000 Euro Schmerzensgeld an die Witwe eines Patienten und ihre drei Kinder zahlen. Ein entsprechendes Urteil des Landgerichts Lüneburg ist rechtskräftig geworden, wie das Oberlandesgericht Celle mitteilte. Der Bundesgerichtshof habe eine Beschwerde des Arztes gegen die Nichtzulassung der Revision durch die Richter in Celle zurückgewiesen.

Der damals 50 Jahre alte Patient war wegen akuter Rückenschmerzen zu seinem Hausarzt gegangen. Dieser verabreichte dem Mann mehrere Spritzen. Wenige Stunden nach der Behandlung brach der Patient zusammen und wurde mit Schüttelfrost und Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert. Dort diagnostizierten die Ärzte schließlich eine Blutvergiftung. Kurz darauf erlitt der Patient multiples Organversagen sowie eine dauerhafte Lähmung.

Ursache der Sepsis war ein sogenannter Spritzenabszess, bei dem Bakterien auch in tiefere Gewebeschichten eindringen. Eine Sepsis entsteht beispielsweise, wenn die Haut des Patienten vor der Injektion nicht ordnungsgemäß desinfiziert wird.

Patient entschied sich für Freitod

Mehr als ein Jahr musste der Patient ohne Aussicht auf Besserung dauerhaft künstlich beatmet werden. Nach langem Leidensprozess entschied sich der Vater von drei minderjährigen Kindern nach Angaben des Sprechers des Oberlandesgerichts für einen ärztlich begleiteten Freitod.

Danach verklagten die Witwe und ihre Kinder den Hausarzt als Erbengemeinschaft vor dem Landgericht Lüneburg auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 500.000 Euro - mit Erfolg. Das Gericht folgte dem medizinischen Sachverständigen und wertete die Behandlung im August 2017 als grob fehlerhaft. Danach widersprach die Injektion der zwei verabreichten Präparate in die Muskulatur dem fachlichen medizinischen Standard und gängigen Leitempfehlungen. Die Berufung wies das Oberlandesgericht im vergangenen August zurück. Angesichts der extremen Leiden des Patienten sei auch die Höhe gerechtfertigt.

In Deutschland erkranken jedes Jahr circa 150.000 Menschen an einer Sepsis. Die Sterberate der Patienten beträgt 36 Prozent. Symptome sind unter anderem Unwohlsein, Atemschwierigkeiten, hohes Fieber, Verwirrtheit und Hautverfärbungen, sowie Müdigkeit und Schüttelfrost.

Rat und Nothilfe

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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