Panorama

Die meisten Toten noch über 80 Immer mehr Jüngere sterben an Covid-19

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Obwohl mehr Jüngere an Covid-19 sterben, wird die Gesamtzahl der Corona-Toten weiter sinken.

(Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Die Impfungen zeigen Wirkung, in der dritten Welle sterben wesentlich weniger über 80-Jährige an Covid-19 als in der zweiten. Trotzdem stammt noch rund die Hälfte der Corona-Toten aus dieser Altersgruppe, und die Zahl der jüngeren Opfer nimmt stetig zu. Was folgt daraus?

Die Intensivstationen sind zwar erneut sehr stark belastet und schon bald könnten dort mehr Covid-19-Patienten behandelt werden als zum Höhepunkt der zweiten Welle. Trotzdem ist die Anzahl der Corona-Toten im Vergleich zu Anfang Januar, als Deutschland täglich mehr als 1000 Opfer zählte, deutlich gesunken. Der Rückgang ist vor allem auf die inzwischen hohe Impfquote bei den über 80-Jährigen zurückzuführen, obwohl die Altersgruppe immer noch rund die Hälfte der Covid-19-Toten stellt. Gleichzeitig steigt allerdings die Anzahl der jüngeren Menschen, die dem Coronavirus erliegen.

Heute meldete das RKI 312 neue Covid-19-Tote, gestern waren es sogar 344. Angesichts der vielen geimpften über 80-Jährigen sind dies immer noch erstaunlich hohe Zahlen. Der Eindruck, es stürben wieder täglich mehr als 300 Menschen an Corona, täuscht allerdings, da es sich um gemeldete Zahlen handelt. Es können also mal mehr, mal weniger registrierte Todesfälle sein, unabhängig davon, wie viele an einem Tag tatsächlich gestorben sind. Am 26. April meldete das RKI beispielsweise nur 60 Covid-19-Tote, am Tag davor 120. Seit dem 12. April waren es insgesamt 3927, das entspricht einem Durchschnitt von 231 täglich gemeldeten Corona-Opfern.

Mehr Aufschluss geben die vom RKI registrierten wöchentlichen Todesfälle nach Alter, Geschlecht und Sterbewoche. Wegen der Melde-Unsicherheiten in den zurückliegenden drei Wochen reichen sie zwar nur bis zum 4. April, die Zahlen zeigen allerdings eindeutige Trends, die sich seitdem vermutlich eher noch verstärkt als abgeschwächt haben.

Anteil der über 80-Jährigen sinkt deutlich

In der letzten Dezemberwoche 2020 starben insgesamt 5740 Menschen an Covid-19, davon waren 4123 über 80 Jahre alt, was einem Anteil von rund 72 Prozent entspricht. In der Woche vom 15. Februar war die Zahl der Corona-Toten bereits auf rund 1960 gesunken, der Anteil der über 80-Jährigen auf knapp 65 Prozent. Zuletzt zählte das RKI in der Woche vor Ostern etwa 1200 Tote, wobei noch rund 52 Prozent von ihnen 80 Jahre oder älter waren.

Der Rückgang ist deutlich, sollte aber durch die Impfungen doch eigentlich noch stärker sein. Das ist darauf zurückzuführen, dass durchschnittlich 16 Tage von der Infektion bis zum Tod vergehen, manche Menschen also erst mehrere Wochen nach der Ansteckung versterben. In der Zeit vor dem 4. April waren außerdem vermutlich erst knapp 75 Prozent der rund 5,6 Millionen über 80-Jährigen zumindest einmal geimpft. Seit dem 31. März macht das RKI im Impfdashboard dazu keine Angaben mehr.

Vor allem Frauen profitieren von Impfungen

Da bisher überwiegend die sehr alten Menschen geimpft wurden, ist vor allem der Anteil der Frauen an den Corona-Todesfällen gesunken. 2018 waren laut Bundeszentrale für politische Bildung 4,3 Prozent der deutschen Frauen zwischen 80 und 84 Jahre alt, 3,7 Prozent 85 Jahre und älter. Bei den Männern betrugen die Anteile 3,1 und 1,8 Prozent.

In der letzten Dezemberwoche waren 2339 der 4123 Corona-19-Toten über 80 Jahren weiblich, nur 1784 männlich. In der ersten Februarwoche starben noch 1211 Frauen an Covid-19, 996 Todesopfer waren Männer. Zum ersten April waren es 288 weibliche und 331 männliche Tote.

Bei den 60- bis 79 Jahre alten Menschen starben dagegen immer deutlich mehr Männer als Frauen. Zum Jahreswechsel waren es 948 von 1443 Opfern dieser Gruppe, Anfang Februar 577 von 902 und in der Woche vor Ostern 289 von 449. Ähnlich sind die Verhältnisse in den Altersgruppen darunter, insgesamt erlagen daher bisher wesentlich mehr Männer als Frauen dem Virus.

Bereits ein Viertel der Toten 70- bis 79 Jahre alt.

Während die Anteile der über 80-Jährigen an den Todesfällen stetig abnimmt, wachsen die der jüngeren Altersgruppen. Mit 1060 Toten waren in der Woche vor dem Jahreswechsel rund 18,5 Prozent zwischen 70 und 79 Jahre alt, in der Woche vom 29. März waren es mit 296 Todesfällen fast 25 Prozent.

Der Anteil der 60- bis 69-Jährigen hat sich von 6,7 auf 12,8 Prozent fast verdoppelt, bei den Menschen zwischen 50 und 59 Jahren ist er von 2,5 auf 6,6 Prozent angewachsen. Allerdings war die Zahl hier mit insgesamt 79 Opfern noch relativ gering. In der Altersgruppe darunter hat sich der Anteil zwar versechsfacht, trotzdem waren nur 23 von 1200 Toten 40- 49 Jahre alt.

Hohe Todeszahlen nicht mehr zu erwarten

Jedes Todesopfer ist eines zu viel. Aber selbst wenn die Inzidenzen nicht sinken oder sogar noch weiter steigen, wird es kaum noch einmal so viele Covid-19-Tote wie im Januar geben. Die Anzahl der geimpften Menschen nimmt zu, bald werden auch die über 60-Jährigen an der Reihe sein. Der Zuwachs bei den Jüngeren ist zu gering, um den Trend umzukehren.

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Mit den Todesfällen kann ein strenger Lockdown also bald oder schon jetzt nicht mehr begründet werden, wohl aber mit der Belastung der Krankenhäuser. Denn wie sich gezeigt hat, gibt es bei den unter 80-Jährigen so viele schwere Verläufe mit langen Aufenthaltsdauern, dass die Intensivstationen an ihr Limit kommen könnten.

Kommende Woche hofft die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), die Belegung nach Alter beziehungsweise Durchschnittsalter angeben zu können. ntv.de wird die Zahlen analysieren.

Quelle: ntv.de

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