Panorama

Schnee ohne Ende Immer mehr Orte von Lawinen bedroht

01982e4d6c8d54cfd4144133c75b0ef0.jpg

Ein Tourist versucht im österreichischen Saalbach sein Fahrzeug vom Schnee zu befreien.

imago/Eibner Europa

Es schneit und schneit und hört nicht auf. In vielen Orten im Süden Deutschlands und in Österreich ist die Lawinengefahr mittlerweile groß, manche davon sind bereits von der Außenwelt abgeschnitten. Und ein Ende des Schneefalls ist nicht in Sicht.

Blockierte Straßen, abgeschnittene Ortsteile und eine vielerorts immense Lawinengefahr: Riesige Schneemengen beherrschen das Leben in weiten Teilen Südbayerns und Österreichs. Auch in der Slowakei und bald vermutlich auch in Italien haben die Menschen mit Schneemassen zu kämpfen.

In den bayerischen Alpen haben die Behörden bereits die zweithöchste Lawinenwarnstufe ausgerufen. Im Berchtesgadener Land verschüttete eine Lawine teilweise eine Straße. Rettungskräfte gaben Entwarnung, es sei niemand zu Schaden gekommen. Doch nun sitzen rund 350 Menschen fest, sie müssen per Lastwagen mit Lebensmitteln versorgt werden. Die einzige Straße zum Ortsteil Buchenhöhe in der Nähe des Obersalzbergs wurde bis auf weiteres gesperrt.

Ebenfalls von der Außenwelt abgeschnitten, ist damit ein Asthma-Zentrum für Jugendliche in Buchenhöhe. Da die Mitarbeiter der Reha-Einrichtung wegen des starken Schneefalls nicht mehr von und zu ihrem Arbeitsplatz kommen konnten, musste die Bundeswehr um Unterstützung gebeten werden. Sie übernimmt Versorgungsfahrten in den abgeschnittenen Ortsteil der Gemeinde Berchtesgaden.

Auch die Menschen in der oberbayerischen Gemeinde Jachenau bei Bad Tölz sind auf Lebensmittellieferungen angewiesen, weil die Zufahrtsstraße gesperrt ist. Bewohner und Rettungskräfte können das Dorf aber über eine kleine Forststraße erreichen.

Dichten Schneefall melden auch Teile von Sachsen und Thüringen. Vereinzelt fiel der Bahnverkehr aus. Immer wieder blockierten umgestürzte Bäume Gleise oder zerstörten Oberleitungen. Laut MDR sind in Sachsen mehrere Bundesstraßen abschnittsweise gesperrt. Zudem hatten sich in beiden Ländern an Anhöhen Lkw quergestellt. Im Harz steckt oberhalb von Schierke noch immer die Brockenbahn im Schnee fest.

Lawinengefahr in Österreich spitzt sich zu

In Österreich spitzte sich im Tagesverlauf die Lawinengefahr weiter zu. Sechs Schüler aus Deutschland wurden im Skigebiets Wildkogel von einer Lawine erfasst und zum Teil verschüttet. Alle überlebten den Vorfall nahezu unverletzt.

Nicht so glimpflich verlief hingegen ein Skiunfall auf der Mariazeller Bürgeralpe. Dort starb ein 62-jähriger Lehrer im Beisein seiner Schüler. Der Mann verlor aus bislang ungeklärter Ursache bei der Abfahrt einen Ski und stürzte links über den Pistenrand in einen steil abfallenden Wald. Dort blieb er im lockeren und metertiefen Schnee kopfüber stecken. Die nachkommenden neun Schüler konnten dem Mann aufgrund der Schneemassen nicht helfen. Einsatzkräfte der Bergrettung Mariazell konnten schließlich zu dem 62-Jährigen absteigen, stellten aber keine Lebenszeichen mehr fest.

Immer mehr Orte in Österreich sind nicht mehr erreichbar - darunter auch der Ort Galtür in Tirol. In dem Ort starben im Februar 1999 durch eine Lawinenkatastrophe 31 Menschen. Nun wurde die Straße zwischen Mathon und Galtür wegen Lawinengefahr in beide Richtungen gesperrt. Ebenfalls nicht mehr erreichbar sind - bis auf weiteres - die bei Skitouristen beliebten Orte Lech, Zürs und Stuben im Bundesland Vorarlberg sowie Obertauern in Salzburg. In vier österreichischen Bundesländern gilt derzeit in manchen Regionen die höchste Lawinenwarnstufe fünf, darunter auch Salzburg.

In Tirol waren zeitweise rund 1000 Haushalte ohne Strom, in Niederösterreich 270, im Bundesland Salzburg rund 350. In der Steiermark wird derweil beraten, in welchen Gebieten die Menschen ihre Häuser und Höfe verlassen müssen. Denn in dem österreichischen Bundesland sind derzeit rund 280 Gebäude von möglichen Lawinen bedroht, weil sie in sogenannten Roten Zonen liegen. Damit sind Areale gemeint, die erfahrungsgemäß von Lawinen erreicht werden können.

Erneut starker Schneefall für Sonntag erwartet

Auch in Italien wird vor starkem Schneefall gewarnt. Der Zivilschutz warnte vor Schneefällen ab Mittwochabend unter anderem in den Regionen Kalabrien, Sizilien, Abruzzen und Apulien.

Ebenfalls von starken Schneefällen betroffen ist die Slowakei. Ein 40-jähriger Skitourist wurde im Norden des Landes von einer Lawine verschüttet und getötet. Weil die Wetterverhältnisse einen Hubschraubereinsatz nicht erlaubten, konnten die Bergretter nur zu Fuß zu der Unglücksstelle gelangen. Doch alle Wiederbelebungsversuche von Begleitern und Sanitätern an dem Bewusstlosen blieben erfolglos.

Zu den Aussichten für die nächsten Tage sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander: "Am morgigen Donnerstag lassen die Schneefälle im Laufe des Tages deutlich nach, am Freitag bleibt es vorübergehend trocken mit ein paar Stunden Sonne und guter Sicht. Auch der Samstag bringt nur wenig Neuschnee." Doch ab Sonntag soll die Lage dann deutlich kritischer werden. Alexander rechnet dann wieder mit ergiebigen Schneefällen. "Schwerpunkt könnte sich mehr in Bereich Arlberg verlagern - dort werden bis Dienstag nochmal 2 Meter Neuschnee erwartet." In den übrigen Nordstaulagen werde voraussichtlich mehr als 1 Meter Schnee fallen. Es sei davon auszugehen, dass dann verbreitet die Lawinenwarnstufe 5 ausgerufen werde. "Erst zur Wochenmitte könnte sich die Wetterlage ändern", so Alexander.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

Mehr zum Thema