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Bremen startet Pilotprojekt KI-Start-up will Straßenbahnen sicherer machen

19.02.2026, 17:48 Uhr
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"Für uns ist erst mal wichtig: Was passiert im Fahrzeug?", betont Thorsten Harder vom BSAG-Vorstand. (Foto: picture alliance/dpa)

Immer wieder kommt es zu körperlichen und verbalen Angriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Nun soll Künstliche Intelligenz bei einem Pilotprojekt bei aggressiven Fahrgästen Alarm schlagen. Ein Start-up aus Bremen will das möglich machen.

Mit Künstlicher Intelligenz (KI) soll die Sicherheit in Bremens Straßenbahn erhöht werden. Sobald das System aggressives und gefährliches Verhalten erkennt, werden Fahrer und Leitstelle der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) informiert. "Das ist wirklich bundesweit einmalig", sagte Bremens Verkehrssenatorin Özlem Ünsal bei der Vorstellung des Projekts.

Die Technik entwickelte ein Bremer Start-up: Die Aufnahmen der Kameras in der Straßenbahn werden in Echtzeit an einen eingebauten Rechner weitergeleitet. Mit KI werden zunächst die Gesichter der Fahrgäste verpixelt. "Uns ist ja erst mal egal, wer da irgendwas tut", betont Thorsten Harder vom BSAG-Vorstand. "Für uns ist erst mal wichtig: Was passiert im Fahrzeug?" KI wertet die Aufnahmen dann aus und meldet Konflikte - etwa Streit unter Fahrgästen oder Randalierer. Der Fahrer und die Leitstellen könnten anhand der Bilder sofort reagieren und im Zweifel Einsatzkräfte alarmieren, sagte Harder.

Das bundesweite Pilotprojekt startete im April. Laut BSAG sind bisher 15 Straßenbahnen mit KI ausgestattet, bis Jahresende soll die Technologie bei einem Drittel der Fahrzeuge eingebaut werden. Perspektivisch sollen alle Bremer Straßenbahnen und Busse entsprechend ausgestattet werden, kündigte Harder an. Die Technik sei mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz abgestimmt, teilte die BSAG mit. So werden Fahrgäste verpixelt, die Aufnahmen nur innerhalb des Fahrzeugs verarbeitet und nicht gespeichert.

Immer wieder kommt es in Bahn und Bus zu verbalen und körperlichen Angriffen. Jedes Jahr geraten in etwa 150 Fällen Bremer Fahrgäste in Streit, wie Harder ausführte. Die BSAG registriert nach eigenen Angaben jährlich etwa 90 verbale Übergriffe sowie 30 bis 40 körperliche Übergriffe - etwa wenn ein Fahrgast mit der Faust auf die Fahrzeugkabine einschlägt oder Personal bespuckt wird.

Die tödliche Attacke auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz habe das Thema Sicherheit im Bahnverkehr auf tragische Weise in den Fokus gerückt, sagte Bremens Verkehrssenatorin. Die neue Technologie solle dazu beitragen, das Risiko solcher Angriffe zu minimieren und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu verstärken.

Quelle: ntv.de, mwa/dpa

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