Vor Brand am ObersalzbergKehlsteinhaus-Verdächtiger zeigt sich wenige Tage vorher selbst an

Der mutmaßliche Brandstifter des Kehlsteinhauses meldet sich laut einem Medienbericht wenige Tage vor dem Feuer bei der Polizei. Dort räumt er eine schwere Attacke mit einer Bierflasche im Jahr 2013 ein, um reinen Tisch zu machen. Doch die Tat könnte bereits verjährt sein.
Der mutmaßliche Brandstifter des Kehlsteinhauses am Obersalzberg hat sich wenige Tage vor dem Feuer bei der Polizei selbst angezeigt. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Rainer Vietze von der Staatsanwaltschaft Traunstein der "Bild"-Zeitung. Der 33-jährige Verdächtige gab demnach an, im Dezember 2013 einen Mann mit einer Bierflasche verletzt zu haben.
Die Selbstanzeige ging laut dem Bericht Mitte Oktober ein. Sie betraf einen Angriff vor rund drei Jahren während des sogenannten Buttnmandllaufs, ein traditioneller Advents- und Einkehrbrauch im Berchtesgadener Land. Das Opfer erlitt nach Angaben der Staatsanwaltschaft damals schwerste Verletzungen am rechten Auge. Ein Verfahren gegen Unbekannt blieb jedoch ohne Ergebnis.
Gegen den 33-Jährigen wird nun wegen schwerer Körperverletzung ermittelt. Die Tat dürfte allerdings verjährt sein. "Sollte die Verjährungsfrist nicht unterbrochen gewesen sein, so wäre bereits im Dezember 2023 Verfolgungsverjährung eingetreten", sagte Vietze. Das Verfahren müsste dann eingestellt werden. Der mutmaßliche Brandstifter habe angegeben, die Tat habe ihn psychisch belastet und er wolle reinen Tisch machen.
Das Kehlsteinhaus war am Freitagabend in Brand geraten und wurde weitgehend zerstört. Einsatzkräfte stoppten einen ihnen entgegen kommenden Motorradfahrer und nahmen ihn fest. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Deutsche psychisch krank. Er soll in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden. Die Ermittler prüfen auch ein politisches Motiv.
Nach Informationen der "Bild"-Zeitung fanden Ermittler bei einer Wohnungsdurchsuchung Antifa-Material. Oberstaatsanwalt Vietze äußerte sich dazu nicht konkret. "Die bei der Durchsuchung sichergestellten Beweismittel müssen zunächst gesichtet und ausgewertet werden", sagte er der Boulevard-Zeitung. In der Nacht zu Sonntag flammte das Feuer erneut auf. Die Feuerwehr rückte erneut aus und löschte die Flammen.
Das mehr als 1800 Meter hoch gelegene Kehlsteinhaus war in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten als Teil des von Adolf Hitler genutzten Komplexes am Obersalzberg erbaut worden und wurde zuletzt als frei zugängliche Berggaststätte genutzt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann von der CSU geht von einem Wiederaufbau aus.
