Panorama

Schlag gegen Kokainkartell Kolumbien liefert berüchtigten Drogenboss aus

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Die polizei eskortiert Otoniel (Mitte) auf einem Militärflughafen in Bogota.

(Foto: dpa)

Der kolumbianische Präsident beschreibt ihn als "einen der gefährlichsten Kriminellen der Welt": Der Chef des Clan del Golfo, der für 30 Prozent der Kokainexporte verantwortlich sein soll, sitzt seit Oktober 2021 im Gefängnis. Nun wird er in die USA verlegt, wo ihn in New York ein Prozess erwartet.

Kolumbiens größter Drogenhändler ist an die USA ausgeliefert worden. Dies erklärte der kolumbianische Präsident Ivan Duque auf Twitter. Dairo Antonio Úsuga alias Otoniel ist Chef des Golf-Clans, eines der mächtigsten Drogenkartelle der Welt. Er war im Oktober 2021 nach monatelanger Fahndung im Dschungel von Panama festgenommen worden und soll sich nun vor einem Gericht in New York verantworten.

Úsuga sei "einer der gefährlichsten Kriminellen der Welt" erklärte Duque. Er verglich Otoniel mit Pablo Escobar, dem berühmtesten Drogenboss des Landes, der 1993 von der Polizei erschossen wurde. "Heute triumphieren Legalität, Rechtsstaatlichkeit, öffentliche Gewalt und Gerechtigkeit", so Duque.

Otoniel war 2009 vor einem Gericht in New York wegen Drogenhandels angeklagt worden. Die US-Regierung hatte auf seinen Kopf ein Preisgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Kolumbien ist nach wie vor der größte Kokainproduzent der Welt. Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt.

Lokale Medien verbreiteten Bilder eines Konvois aus gepanzerten Fahrzeugen, die von schwer bewaffneten Polizisten eskortiert zum Flughafen von Bogotá fuhren. Die kolumbianische Präsidentschaft veröffentlichte außerdem Fotos von Otoniel, der in Handschellen und grauer Jacke an Bord eines Jets saß.

Opfer waren gegen Auslieferung

Angehörige von Otoniels Opfern hatten eine Aussetzung der Auslieferung gefordert, da sie der Ansicht waren, dass dieses Verfahren "einen paramilitärischen Anführer, der in unserem Land Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat, der Justiz entziehen würde". Sie beriefen sich auf ihr Recht, die Wahrheit über seine Verbrechen zu erfahren und eine Entschädigung zu erhalten.

Doch die kolumbianische Justiz gab schließlich grünes Licht für seine Auslieferung, wie Úsugas Verteidigerteam mitteilte. Sobald "Otoniel" seine Strafe in den USA verbüßt hat, werde er "nach Kolumbien zurückkehren und für alle seine in unserem Land begangenen Verbrechen bezahlen", versicherte Duque.

Die kolumbianische Justiz beschuldigt ihn des Mordes, des Terrorismus, der Rekrutierung von Minderjährigen, Entführungen sowie Sexualverbrechen. Außerdem werden dem aus einer Bauernfamilie im Nordwesten Kolumbiens stammenden Úsuga noch Massaker aus seiner Zeit als Kämpfer für eine marxistische Guerilla-Gruppe und rechtsextreme Paramilitärs vorgeworfen. Otoniel wurde 2012 nach dem Tod seines Bruders Juan de Dios bei Zusammenstößen mit der Polizei zum Anführer des Clan del Golfo.

1600 Kämpfer in Kolumbien

Der Clan del Golfo wurde zuletzt für 30 Prozent - etwa 300 Tonnen - der Kokainexporte aus Kolumbien verantwortlich gemacht. Er hat rund 1600 Kämpfer und ist in rund einem Viertel der kolumbianischen Gemeinden vertreten. Nachdem die Behörden jedoch eine Reihe von Köpfen aus Otoniels innerstem Kreis ausgeschaltet haben, gilt das Kartell als geschwächt.

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Der Drogenboss war seit seiner Festnahme in Bogotá unter strengen Sicherheitsmaßnahmen festgehalten worden. Dabei kam es allerdings zu mehreren Zwischenfällen. So verschwanden Aufzeichnungen seiner Aussagen vor der Wahrheitskommission, die Menschenrechtsverletzungen während des bewaffneten Konflikts in Kolumbien bis zur Unterzeichnung des Friedensabkommens mit den FARC-Rebellen im Jahr 2016 untersucht.

Die kolumbianische Polizei hatte auch eine Anhörung von Otoniel offiziell wegen Fluchtgefahr abgebrochen. Der Drogenboss hatte jedoch Berichten zufolge ausgesagt, dass die kolumbianische Armee in einigen Teilen des Landes nach wie vor mit paramilitärischen Gruppen zusammenarbeitet. Er hatte demnach auch Anschuldigungen gegen mehrere ehemalige Regierungsmitglieder vorgebracht.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP

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