Panorama

Wiesn-Chef reagiert empört Lauterbach: Oktoberfest-Pläne wegen Varianten "gewagt"

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Nach zwei Jahren Abstinenz soll in diesem Herbst wieder die Wiesn in München stattfinden.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Die Pandemie ist noch nicht vorbei, betont Gesundheitsminister Lauterbach. Er warnt vor Ausbrüchen der Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 im Herbst. Die Pläne für das Oktoberfest hält er daher für "gewagt". Mit einem weiteren Corona-Impfstoff soll Deutschland jedoch gegen eine Herbstwelle geschützt werden.

Noch immer liegt die Inzidenz in Deutschland bei rund 400 - dennoch soll nach zwei Jahren Corona-Zwangspause in diesem Herbst erstmals wieder das Oktoberfest in München stattfinden. Aus Sicht von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sei es jedoch "gewagt" zu sagen, das Fest könne stattfinden, wie es immer stattgefunden habe, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Denn es gebe eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass man es bis dahin mit den Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 zu tun habe, warnte der SPD-Politiker.

Sollte es neue Ausbrüche der Varianten geben, könne er sich vorstellen, dass dann ein vollkommen ungeschütztes Oktoberfest wieder problematisch wäre, so Lauterbach. Allerdings könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht über eine klare Zu- oder Absage oder Regeln für das Oktoberfest entscheiden. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte Ende April verkündet, dass es beim Fest auf der Theresienwiese keine Corona-Beschränkungen geben soll.

Kritik an Lauterbachs Warnung kommt von Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner. Sich erst hinzustellen und die Pandemielage für beendet zu erklären und "jetzt zu sagen, es könne vielleicht im Herbst unter Umständen was kommen, finde ich unverantwortlich. Das ist nicht okay", sagte Baumgärtner dem Radiosender Gong 96,3. "Natürlich ist es populistisch und populär, wenn man sich als Gesundheitsminister mit dem Begriff der Wiesn ins Gespräch bringt." Allerdings gebe es im Herbst auch eine Grippe und die komme auch jedes Jahr in einer neuen Variante - dazu habe Lauterbach noch nie etwas gesagt, so Baumgärtner.

"Müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein"

Um mögliche Virusvarianten im Herbst breiter abzudecken, kündigte Lauterbach unterdessen an, dass der Bund zusätzlichen Corona-Impfstoff bestellen will. "Wir müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein", sagte er. Eine vom Bundeskabinett beschlossene Strategie sehe weitere 830 Millionen Euro vor, um ein vom Hersteller Moderna angekündigtes Präparat zu beschaffen, das bei verschiedenen Varianten zugleich wirke.

Die Pandemie sei nicht vorbei, und die Impfstoffe würden benötigt, betonte Lauterbach. "Wir wissen aber nicht, welche Varianten im Herbst uns konfrontieren werden." Über Verträge der alten Regierung sei ausreichend Impfstoff da, der gegen die Ursprungsvariante samt Delta-Variante wirke. Auch ein zweiter, rein auf die Omikron-Variante angepasster Impfstoff von Biontech sei bestellt. Zusätzlich beschafft werden solle nun ein von Moderna vorbereitetes Präparat, das bei beiden Virus-Typen wirke. Lauterbach betonte, eine Lehre aus der Pandemie sei, nie wieder zu wenig Impfstoff zu haben.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 18. Mai 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, kst/dpa

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