Panorama

Dombaumeisterin zu Pariser Brand "Man kann nur erschüttert sein"

Regine Hartkopf ist Dombaumeisterin von Merseburg und Naumburg. Der Brand in der berühmten Kathedrale in Paris entsetzt sie. Grundsätzlich gehen alte Dachstühle nicht einfach in Flammen auf, erklärt die Kirchenbauexpertin im Interview bei n-tv.

n-tv: Frau Hartkopf, wie betroffen sind Sie?

Regine Hartkopf: Nach den Bildern der Nacht kann man natürlich nur erschüttert sein. Die Frage, wie betroffen man ist, ist nicht zu beantworten. Es ist die Frage, welche Beziehung man zu so einem Gebäude hat, was man damit verbindet und entsprechend, wie tief einen das Feuer getroffen hat.

Über Stunden schien die Feuerwehr gestern ja regelrecht machtlos. Hat Sie das erstaunt?

Nein, überhaupt nicht. Wenn man in einem solchen Dachstuhl gestanden hat, sieht man die Dimensionen vor sich. Da sind Menschen, die gegen das Feuer ankämpfen. Die Feuerwehrleute sind eingespielte Teams, die wissen, wo sie lang müssen und wie man einen solchen Brand bekämpft. Aber dennoch: Wenn solche Unmengen Holz einmal Feuer gefangen haben, da muss man sehr lange daran arbeiten, das einzudämmen. Das haben wir ja gesehen.

Viele machen sich jetzt Sorgen, dass so etwas auch bei uns in Deutschland bei ähnlichen Bauwerken passieren kann.

Über die Jahrhunderte hat es immer wieder Brände gegeben. Großbrände kann man versuchen einzudämmen, aber nie ganz verhindern. Da muss man zunächst auch versuchen, sich darüber klarzuwerden, was die Brandursache war. Grundsätzlich ist es so, dass alte Dachstühle nicht einfach so in Flammen aufgehen. Das heißt: Irgendwo muss eine Zündquelle gewesen sein. Es gab ein Problem, welcher Natur auch immer. Was dann dazu geführt hat, dass an einer oder mehreren Stellen ein Feuer entstanden ist, was sich rasant ausgebreitet hat.

Sie haben diesen Dachstuhl angesprochen, der ist aus Holz. Beim Kölner Dom beispielsweise ist er aus Stahl. Macht das die Sache sicherer?

In einem Stahldachstuhl wie in Köln ist natürlich der Vorteil, dass brennbares Holz nicht vorhanden ist. Allerdings gibt es dennoch Zündquellen und auch brennbare Stoffe, weil es am Ende irgendwo ja doch Dämmstoffe oder Holz gibt. Stahl verformt sich unter Hitze sehr schnell und kann entsprechend auch nachgeben. Man ist also nicht "auf der sicheren Seite", wenn der Dachstuhl aus Stahl besteht.

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Quelle: n-tv.de, nen

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