Ärzte vermuteten TumorMann hat jahrelang Bandwürmer am Gehirn, ohne es zu merken

Ein 60-Jähriger geht zum Arzt und erhält dort die fatale Diagnose, an fortgeschrittenem Krebs zu leiden. Das stellt sich als falsch heraus. Doch was daraufhin folgt, ist nicht unbedingt angenehmer für den Rentner.
In Spanien ist ein 60-jähriger Mann wegen Unwohlseins zu Ärzten gegangen und hat eine Schock-Diagnose erhalten, die allerdings nicht zutraf. Der Rentner wandte sich mit "seit zwei Wochen bestehenden, zunehmenden Kopfschmerzen" an das Hospital de La Plana in Vila-real, wie Dr. Elena Hernández-Sánchez in ihrem im "CDC-Journal Emerging Infectious Diseases" erschienenen Fallbericht schildert. Der Mann, der in dem Bericht anonym bleibt, sprach auch von feinen Verhaltensänderungen.
Daraufhin wurde ein CT-Scan bei dem 60-Jährigen gemacht. Die Bilder ließen den Schluss zu, dass der Patient an Metastasen leidet - einem Anzeichen für einen fortgeschrittenen Hirntumor. Es begann daraufhin eine Therapie mit dem Medikament Dexamethason. Als das Ärzteteam nach einiger Zeit einen neuen Ganzkörper-Computertomographie-Scan durchführte, entdeckte es jedoch neue Gewebeschädigungen im Kopf des Mannes.
"Bemerkenswert" findet Hernández-Sánchez, was sie noch aufspürte: zystische Läsionen, also mit Flüssigkeit gefüllte Gewebeschäden, die den Kopf eines Bandwurms enthielten. Das stellte die Ärztin jedoch vor ein neues Rätsel, da der Patient angab, niemals in ein Gebiet gereist zu sein, wo Bandwürmer verbreitet sind. Und: "Stuhluntersuchungen auf Eier und Parasiten verliefen negativ", so Hernández-Sánchez.
Wie sich herausstellte, arbeitete der inzwischen pensionierte Mann bis vor zehn Jahren auf dem Bau. "Er teilte häufig Mahlzeiten und Sanitäranlagen mit Migrantenkollegen aus Gebieten, in denen der Schweinebandwurm (Taenia solium) endemisch ist." Hernández-Sánchez spricht von einer "möglicherweise unbemerkten fäkal-oralen Übertragung". Der 60-Jährige könnte damals Bandwurmeier zu sich genommen haben, ohne es zu bemerken.
Der Verdacht auf Bandwürmer wurde offiziell durch einen Antikörpertest am spanischen Nationalen Zentrum für Mikrobiologie bestätigt. Anschließend wurde das Krebsmedikament langsam abgesetzt und der Rentner erhielt zwei spezielle Bandwurm-Mittel. "Es traten keine Komplikationen auf." Inzwischen ist der lästige Parasit bekämpft.
Bandwürmer können sehr lange im menschlichen Körper leben - oft über Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte. Nicht selten bleiben sie dabei sogar weitgehend unbemerkt, wie in diesem Fall. Meistens leben Bandwürmer im Darm. Dort sorgen sie oft nur für leichte oder gar keine Symptome. Gelegentlich treten etwa Bauchbeschwerden, Gewichtsverlust, Mangel an Vitamin B12 auf. Wenn sich Bandwürmer am Gehirn einnisten, kann es zu Entzündungen, Schwellungen und Vernarbungen kommen. Folgen sind dann beispielsweise epileptische Anfälle, Kopfschmerzen oder auch neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sehstörungen und Sprachstörungen.