Panorama

"Zwischen den Welten" Museum an der Glienicker Brücke

Zu Zeiten des Kalten Krieges hob sich hier dreimal der Eiserne Vorhang für den Austausch von Agenten. 20 Jahre nach dem Mauerfall ist direkt neben der Glienicker Brücke zwischen dem alten West-Berlin und Potsdam in einer hochherrschaftlichen Villa ein privates Museum zur Geschichte des symbolträchtigen Ortes entstanden.

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Von Ruine zu Schmuckstück: Die Potsdamer Villa Schöningen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet am Sonntag vor 500 Gästen das deutsch-deutsche Museum Villa Schöningen, auch der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow will kommen. Springer- Vorstandschef Mathias Döpfner, einer der beiden Besitzer der Potsdamer Villa, hat in den vergangenen Jahren aus der Ruine ein Schmuckstück mit geschichtsträchtigem Inhalt gemacht.

Jahrzehntelang kein Ort der Freiheit

Historische Fotos, kurze Filme auch mit Zeitzeugeninterviews und einige Originalexponate machen das Grauen des DDR-Regimes erfahrbar - aber auch die Freude, als die Brücke am 10. November 1989 wieder geöffnet wurde. "Es soll eine Art Freiheitsmuseum sein", sagt Döpfner bei einem Rundgang durch die Schau, Handwerker und Ausstellungsmacher wuseln noch um ihn herum und legen letzte Hand an.

Dass hier jahrzehntelang eben kein Ort der Freiheit gewesen ist, wird gleich vor dem Eingang der 1844/45 nach Plänen des Schinkel-Schülers Ludwig Persius erbauten Villa klar: Im trüben Novemberregen steht ein originales Stück der Mauer. Es soll nach der Museums- Eröffnung im Garten aufgestellt werden. In der Ausstellung selbst erinnern auch ein Stück originaler Grenzzaun und ein Warnschild, wonach "Betreten und Befahren nur mit Sonderausweis" gestattet ist, an die Zeit unter einem totalitären Regime.

Reduziert auf "Eindrückliches"

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Vor dem Eingang: ein originales Stück der Mauer.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Exponate gibt es aber nur wenige. Wichtigstes Medium sind rund zweiminütige Videos mit Material von Potsdamer Zeitzeugen sowie Dia- Shows mit historischen Fotos. In den Filmen auf den zahlreichen Computerbildschirmen an den Wänden berichten Potsdamer von ihrem Leben hinter dem Eisernen Vorhang, ist der Wiederaufbau der Brücke nach ihrer Sprengung durch die Deutsche Wehrmacht zu sehen, oder wird an die spektakuläre Flucht von drei Männern erinnert, die mit einem Lastwagen die Grenzbarrikaden durchbrachen.

"Wir wollen Geschichte durch Geschichten erzählen", erläutert Döpfner das Konzept. "Dabei haben wir bewusst reduziert auf möglichst Eindrückliches." Dies gelingt vor allem im "Agenten-Raum", wie ihn Kuratorin Lena Maculan nennt. Durch schwarze Vorhänge betritt man das abgedunkelte Zimmer. 13 Minuten Film, komponiert auf drei Bildschirmen über die drei Agenten-Austauschaktionen, auf denen sich bis heute der Mythos der Glienicker Brücke gründet. Es sind bewegende Originalaufnahmen und Interviews mit Zeitzeugen vom "Showdown an der weißen Linie", die mitten auf der Brücke die Grenze zwischen DDR und Berlin (West) markierte.

Auch zeitgenössische Kunst

"Spione. Mauer. Kinderheim - An der Brücke zwischen den Welten" heißt die Dauerschau, denn es geht auch um die Geschichte der Villa Schöningen, in der zu DDR-Zeiten ein Kinderwochenheim untergebracht war. Nach der Wende verfiel das Gebäude, bis es Döpfner und der Manager Leonhard Fischer in "ruinösem Zustand" erwarben. Wie viel Geld sie investierten, will Döpfner nicht verraten.

Neben der Ausstellung zur Glienicker Brücke wird im Obergeschoss zeitgenössische Kunst zu sehen sein. Auch Veranstaltungen wie Lesungen, ein Café und im Sommer ein Biergarten sind vorgesehen. Denn die Villa soll, so wünscht es sich jedenfalls Döpfner, "ein fröhlicher Ort der Freiheit" sein.

Quelle: ntv.de, Imke Hendrich, dpa