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Das Textilteilchen kam erst mit der Polizei an den Fundort von Peggys Leiche.
Das Textilteilchen kam erst mit der Polizei an den Fundort von Peggys Leiche.(Foto: dpa)
Mittwoch, 08. März 2017

Weitergetragene DNA-Spuren : NSU hatte mit Peggys Tod nichts zu tun

Von Solveig Bach

An der Leiche der Schülerin Peggy werden DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden. Doch es gibt erhebliche Bedenken gegen mögliche Verbindungen zwischen den beiden Fällen. Nun steht fest: Die Spur brachte die Polizei an ihren Geräten mit.

Im Fall Peggy scheint nach all den Jahren alles möglich. Seit das Mädchen 2001 spurlos verschwand, gibt es in dem Fall mehr Fragen als Antworten. Als im Juni 2016 schließlich Peggys Leiche entdeckt wird, erhoffen sich die Ermittler endlich den Durchbruch. Kurz darauf heißt es, am Leichenfundort sei DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden.

Sofort wurden Bedenken laut. Nun steht fest: Böhnhardt hatte mit Peggys Verschwinden und Tod nichts zu tun. Seine DNA-Spuren trug die Polizei mit verunreinigtem Spurensicherungsgerät an den Fundort der Leiche des Mädchens. Dieses Ermittlungsergebnis teilten die Staatsanwaltschaft Bayreuth und die Soko Peggy in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit.

Die DNA-Spur war auf einem Textilteilchen von 12 mal 4 Millimeter Größe entdeckt worden. Das Baumwoll-Kunststoffteil wog den Angaben zufolge lediglich 0,019 Gramm. Nach umfangreichen Ermittlungen und mehreren Gutachten konnte dieses winzige Teilchen zunächst eindeutig einem Kopfhörer Böhnhardts zugeordnet werden. Dieser war im November 2011 in dem abgebrannten Wohnmobil gefunden worden, in dem Böhnhardt und Uwe Mundlos im thüringischen Eisenach ums Leben gekommen waren.

Das Wie ist noch unklar

Die akribischen Untersuchungen ergaben, dass das Textilteilchen jedoch nicht monate- oder gar jahrelang an Peggys sterblichen Überresten gelegen hatte. Vielmehr sei man zu dem zweifelsfreien Ergebnis gekommen, dass es am 3. Juli 2016 bei der Spurensicherung am Fundort der Leiche in Rodacherbrunn übertragen wurde. Nicht bestätigen wollte Soko-Chef Uwe Ebner, dass die Spur mit einem von Ermittlern sowohl in Eisenach als auch in Rodacherbrunn benutzten Zollstock an Peggys Fundort kam. Verschiedene Spurensicherungsgeräte würden derzeit noch untersucht, erst dann könne man dazu etwas sagen. Möglicherweise habe die statische Aufladbarkeit des Stoffes eine Rolle gespielt, das werde untersucht.

Auch wer die Verunreinigung bewirkte, ist noch nicht klar. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von einem Zeitfenster von wenigen Stunden aus, in dem lediglich Einsatzkräfte der Spurensicherung in Rodacherbrunn im Einsatz waren. Ebner betonte jedoch: "Das darf nicht passieren." Der Kriminaloberrat erläuterte auch, dass dies zeige, wie wichtig es sei, die Tatortarbeit und die dabei gewonnenen Spuren zu hinterfragen. Selbst eine DNA-Spur sei eben kein Beweis.

Zum aktuellen Stand der Ermittlungen im Fall Peggy sagte Ebner lediglich, dass die Untersuchungen an Peggys Skelettteilen noch immer nicht abgeschlossen seien. Die Ermittlungen gingen "voran". Nähere Angaben dazu wollte er nicht machen. Auch die Frage, ob es einen konkreten Tatverdächtigen gebe, wollte der Soko-Chef nicht beantworten.

Quelle: n-tv.de