Panorama

Kliniken drohe Überlastung Narkose-Ärzte warnen vor "Katastrophe"

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Die Anästhesisten-Verbände vertreten laut eigenen Angaben 30.000 Ärzte.

(Foto: dpa)

Die Verbände der deutschen Anästhesisten schlagen Alarm: Sollte die Politik keine Maßnahmen zur Bekämpfung der vierten Corona-Welle einleiten, drohe die Intensivmedizin zusammenzubrechen. Sie richten sich mit Forderungen an die Gesundheitsminister.

In einem dramatischen Appell an die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben die Anästhesisten-Verbände angesichts der vierten Corona-Welle vor einem Kollaps des Gesundheitssystems gewarnt. "Das deutsche Gesundheitssystem steuert auf eine Katastrophe zu", schreiben der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) in einem Brief. Sie fordern darin wirksame Schritte zur Pandemie-Eindämmung, um noch eine realistische Chance zu wahren, die Intensivmedizin, aber auch andere Bereiche der Gesundheitsversorgung vor einem Kollaps zu bewahren.

Die Narkose-Ärzte verlangen unter anderem eine verbindliche 2G-plus-Regelung für alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Das bedeutet, dass auch Geimpfte und Genesene nur getestet Zugang bekämen. Wo dies nicht sichergestellt werden könne, müssten strikte Kontakteinschränkungen eingeführt werden.

Zudem müsse es niederschwellige und flächendeckende Impfangebote sowie Auffrischungsimpfungen für alle geben. Darüber hinaus fordern die Verbände die Politik auf, einen Lockdown nicht auszuschließen. Auch müsse geprüft werden, inwieweit eine allgemeine oder berufsbezogene Impfpflicht erforderlich sei. Die Aufhebung des Sonderstatus der epidemischen Lage zum jetzigen Zeitpunkt sei "ein völlig falsches Signal".

Versorgung anderer Patienten leidet

Die Verbände repräsentieren nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Ärztinnen und Ärzte und hatten bereits vor einer guten Woche Alarm geschlagen. Mittlerweile sei die Situation an vielen Stellen für Ärzte sowie Pflegekräfte unerträglich geworden. Die bislang getroffenen Maßnahmen genügten auch nicht ansatzweise, sodass die Zahl der schwerkranken Patienten absehbar deutlich zunehmen werde.

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Derzeit würden auf den Intensivstationen mehr als 3200 Patienten mit Corona-Infektion betreut, täglich kämen rund 100 weitere hinzu, rund 80 Prozent davon seien ungeimpft. Ärztliches wie pflegerisches Personal steuerten ungebremst in eine maximale Überlastungssituation. Eine medizinische Versorgung bei Herzinfarkten, Verkehrsunfällen oder Tumoroperationen sei nur noch eingeschränkt möglich.

Am Mittwoch erreichte Sachsen offiziell die sogenannte Corona-Überlastungsstufe der Krankenhausbelegung. Ab Freitag gelten darum neue Kontaktbeschränkungen, wie das Landessozialministerium mitteilte. Haushalte dürfen sich nur noch mit einem weiteren erwachsenen Menschen treffen, wenn dieser nicht geimpft ist. Zudem soll die 2G-Regel auch im Einzelhandel eingeführt werden, wie Sozialministerin Petra Köpping bereits am Dienstag mitteilte.

Quelle: ntv.de, mbe/dpa/AFP

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