Vorfall auf Münchner OktoberfestPalästina-Unterstützerin verpasst FDP-Politiker eine Watschn

Eine Gruppe junger Menschen zieht beim Oktoberfest mit propalästinensischen Gesängen den Unmut eines FDP-Politikers auf sich. Er verlangt von den Mitgliedern der Linken-Jugend, dass sie aufhören. Daraufhin sollen sie ihn als "Völkermörder" beschimpft haben - eine Begleiterin wird sogar handgreiflich.
Auf dem Münchner Oktoberfest ist in der sogenannten Ratsboxe des Stadtrats ein Streit zwischen Palästinenser-Unterstützern und Kommunalpolitikern handgreiflich eskaliert. Die FDP-Stadträtin Patricia Riekel berichtete der "Bild"-Zeitung, dass in dem eigenen Bereich für Parteien und Mitarbeiter des Rathauses im Schottenhammel-Festzelt zum Lied "Sweet Caroline" umgedichtet "Free Palastine" gesungen worden sei.
FDP-Fraktionssprecher Jörg Hoffmann berichtete dem Blatt, wie er daraufhin auf die zum Teil aus Mitgliedern der Linken-Jugend bestehende Gruppe zugegangen sei und sie zum Aufhören aufgefordert habe. Einige Frauen der Gruppe seien später an seinen Tisch gekommen und hätten ihn "Völkermörder" genannt. Außerdem habe eine Frau ihm eine Ohrfeige verpasst.
Der Fraktionschef der Linken im Münchner Rathaus, Stefan Jagel, entschuldigte sich über verschiedene Medien für den Vorfall. "Was mir geschildert wurde, ist ein No-Go. Ich bin auch persönlich sehr angefasst. Ich habe mich sofort dafür bei Herrn Hoffmann entschuldigt", teilte Jagel selbst auf Anfrage mit.
"Die Frau war eine Freundin eines Mitglieds und zufällig am Tisch mit dabei. Sie ist kein Mitglied der Linken oder der Linksjugend. Das Ganze wird Konsequenzen haben. Die Betreffenden werden keinen Tisch mehr über unsere Fraktion bekommen." Der Vorfall werde auch auf der Kreisvorstandssitzung besprochen - und er habe selbst noch ein persönliches Gespräch mit der Frau.
FDP will auf Anzeige verzichten
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause von den Grünen entzog den Linken der "Süddeutschen Zeitung" zufolge als Konsequenz des Zwischenfalls bis zum Ende des Oktoberfests am kommenden Sonntag den Anspruch auf einen Wiesntisch.
"Die Wiesn ist kein Ort für politische Agitation. Vollkommen inakzeptabel ist der körperliche Angriff auf unseren Stadtratskollegen Jörg Hoffmann, dem meine volle Solidarität gilt", begründete Krause die Entscheidung. "Gewalt darf nie ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein." Es sei aber ein gutes Zeichen, dass sich der Fraktionsvorsitzende der Linken, Jagel, bei Hoffmann entschuldigt habe.
Die FDP will auf eine Anzeige verzichten. Mitglieder des Münchner Stadtrats und ihre Mitarbeiter und Gäste haben einen eigenen Bereich auf dem Volksfest mit reservierten Plätzen.
