Panorama

Mundhalten zur Aerosolverhütung Pro Bahn verwirft Redeverbot im Nahverkehr

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Die Stimmung im Nahverkehr ist derzeit alles andere als ausgelassen. Ein Schweigebot würde es wohl nicht besser machen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Endlich mal Bahn fahren und alle drumherum müssen den Mund halten? Was in normalen Zeiten eine unrealisierbare Sehnsucht ist, wird in der Corona-Krise ernsthaft diskutiert und in Spanien sogar umgesetzt. Obwohl stumme Fahrgäste weniger Aerosole verbreiten, sagen viele Verbände: auf keinen Fall.

Die große Stille als Pandemiejoker im Nahverkehr findet wenig Anklang: Die kommunalen Spitzenverbände haben sich deutlich gegen Überlegungen ausgesprochen, Fahrgästen in Bussen und Bahnen während der Corona-Krise das Telefonieren oder sogar das Reden mit Sitznachbarn zu verbieten, um die Verbreitung von Aerosolen einzuschränken. Das ergibt eine Abfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

"Dass Fahrgäste teilweise während der Fahrt über ihr Smartphone Musik hören oder gelegentlich auch telefonieren, stellt aus unserer Sicht bei Einhaltung der Maskenpflicht keine besonders große Gefahr dar", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg dem RND. "Ein gelegentlicher Austausch, zum Beispiel wenn Freunde gemeinsam in der Bahn sitzen, ist kein Vorgang, den man in diesen ohnehin schweren Zeiten auch noch verbieten sollte", so Landsberg weiter. Zudem sei die Durchsetzung eines "Schweigegelübdes" im Nahverkehr realistisch weder umsetzbar noch kontrollierbar. "Hier gilt wie bei allen Maßnahmen: Erfolgreich werden sie nur sein, wenn die Menschen sie einsehen und akzeptieren."

"Müssen doch nach dem Anschlusszug fragen dürfen"

Auch der Fahrgastverband "Pro Bahn" bewertet die Idee kritisch. "Man kann Fahrgästen das Wort nicht verbieten", sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann dem RND. "Entschuldigung, dürfte ich bitte durch - dieser Satz muss doch erlaubt sein", argumentierte Naumann weiter. Fahrgäste müssten auch die Möglichkeit haben, nach der Uhrzeit oder dem nächsten Anschlusszug zu fragen. "Viel problematischer als das Reden durch eine Maske sind überfüllte Waggons, weil andere Züge ausfallen."

Auch der Deutsche Städtetag lehnt die Empfehlung ab, bei Fahrten mit Bus und Bahn zu schweigen. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte dem RND: "Ich halte es für lebensfremd, wenn Menschen in Bussen und Bahnen schweigen sollen. Die Maskenpflicht im ÖPNV ist wichtig und hilft, vor Corona zu schützen. Das heißt natürlich, dass beim Sprechen und Telefonieren die Maske nicht abgenommen wird, wie man es gelegentlich sieht. Dabei sollten wir es aber dann auch bewenden lassen. Der Schutz vor Infektionen wird durch das Tragen von medizinischen Masken im ÖPNV und in Geschäften gerade verbessert. Sich mit Maske zu unterhalten, ist dann völlig in Ordnung."

Der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft, Ingo Wortmann, hatte sich im Deutschlandfunk für die Dauer der Pandemie für ein Schweigegebot im ÖPNV nach spanischem Vorbild ausgesprochen. Wortmann, der auch Vorsitzender des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen ist, sagte, dass auch ein Telefonierverbot ein wenig dabei helfen könne, die Ausbreitung infektiöser Aerosole zu begrenzen. Die Münchner Verkehrsgesellschaft will ihre Fahrgäste nun mit Aufklebern bitten, möglichst nicht zu reden. Auch auf der Balearen-Insel Mallorca sind Fahrgäste in Bussen und Bahnen aufgerufen, entweder gar nichts zu sagen oder sich nur leise zu unterhalten.

Quelle: ntv.de, mau

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