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Über 100.000 bestätigte Fälle RKI-Chef sieht kein Ende der Maßnahmen

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Lothar Wieler: "Wir müssen wirklich sehr, sehr vorsichtig sein".

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Anzahl der Coronavirus-Infektionen in Deutschland steigt weiter, auch wenn die Kurve etwas abflacht. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts kann sich aber keine Aufhebung der Beschränkungen vorstellen. Er mahnt die Bevölkerung weiterhin zur Vorsicht. Die Pandemie sei immer noch am Anfang.

In Deutschland ist die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen nach Daten des Robert-Koch-Instituts auf über 100.000 gestiegen. Das RKI meldete 103.228 bekannte Infektionen. Das ist ein Plus von 4003 Fällen im Vergleich zum Vortag, als ein Zuwachs um 3834 auf 99.255 Fälle verzeichnet worden war. Die Zahl der Patienten, die nachgewiesen im Zusammenhang mit der durch das Virus ausgelösten Krankheit Covid-19 starben, erhöhte sich um 254 auf 1861. Am Dienstag betrug das Plus bei den Todesfällen 173.

"Wir stehen immer noch am Anfang dieser Pandemie", sagte RKI-Chef Lothar Wieler im Deutschlandfunk. "Wir müssen wirklich sehr, sehr vorsichtig sein." Wieler verwies bei seiner Mahnung auf die immer noch wachsenden Fallzahlen. Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass "wir auch immer mehr Ausbrüche in Krankenhäusern sehen, auch in Altenheimen oder Pflegeheimen", wo es die besonders anfälligen und gefährdeten Menschen treffe. "Allerdings hat sich die Steigung etwas abgeflacht, was sicher ein schönes Ergebnis ist."

Exit höchstens schrittweise

Ein Ende sämtlicher Maßnahmen im Kampf gegen den Virusausbruch auf einmal sei dennoch derzeit nicht denkbar. "Ein Exit suggeriert vielleicht, dass man einfach die ganzen Maßnahmen aufhebt und dann so lebt wie vor dieser Epidemie. Ich persönlich kann mir das momentan nicht vorstellen", sagte Wieler. Höchstens, "dass es schrittweise bestimmte Änderungen gibt". Über das genaue Vorgehen müsse die Politik entscheiden.

Wieler appellierte zudem erneut an die Menschen, sich an die Abstandsregeln und die empfohlene Hygiene zu Halten. Die Ausbreitung des Virus hänge sehr stark vom Verhalten der Bevölkerung ab. "Darum ist es mir lieber, wenn die Menschen vorsichtiger sind, als wenn sie diese Krankheit vielleicht auf die leichte Schulter nehmen", sagte der RKI-Chef. Nötig sei es nach wie vor, die sogenannte Reproduktionszahl auf einen Wert unter eins zu senken. Das bedeutet, dass ein Infizierter statistisch weniger als einen Menschen ansteckt.

Stoffmasken "nur kleines Werkzeug"

Angesichts der starken Einschränkungen im Alltag der Menschen äußerte Wieler zugleich Verständnis für die Ungeduld und den "Wunsch nach Lösung und nach Änderung". "Aber ich kann nur noch mal sagen: Wir müssen über dieses Virus und über die Krankheit mehr lernen, und die Leute dürfen das Virus nicht unterschätzen", betonte er. Auch einfache Stoffmasken seien "nur ein kleines Werkzeug" in der Corona-Krise. Dies dürfe nicht dazu führen, "dass man denkt, mit solchen Maßnahmen hätte man ein bestimmtes Problem gelöst".

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet erklärte im ZDF, es brauche "einen Zeitplan in eine verantwortete, wachsame Normalität". "Es wird nicht gleich alles werden wie vor der Krise." In der Frage einer Maskenpflicht ging der CDU-Politiker auf Abstand zu seinem bayerischen Kollegen Markus Söder von der CSU. "Eine Maskenpflicht für ganz Deutschland sehe ich derzeit nicht", sagte Laschet. Söder hatte sich für eine schrittweise Lockerung der öffentlichen Beschränkungen unter strengen Auflagen ausgesprochen und eine Maskenpflicht als sehr wahrscheinlich bezeichnet.

Quelle: ntv.de, mdi/rts/AFP