Panorama

Fernverkehr rollt wieder an "Sabine" stürmt über Deutschlands Süden

129586816.jpg

Das Sturmtief zieht durchs ganze Land. Im Süden ist es allerdings noch nicht vorbei.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Norden und Westen Deutschlands räumen Feuerwehrleute bereits die Schäden des Orkans auf - doch in Süddeutschland erwarten die Meteorologen weitere, heftige Böen. Bei der Bahn läuft unterdessen der Fernverkehr langsam wieder an.

Nach dem Durchzug von Orkantief "Sabine" kehrt die Deutsche Bahn im Fernverkehr langsam wieder zum normalen Betriebsablauf zurück. Im Laufe des Tages sollen die Züge in weiten Teilen Deutschlands wieder fahren, teilte das Unternehmen mit. Eine Ausnahme sei Bayern, hieß es. Dort herrschen weiter stürmische Bedingungen. Bahnkunden müssen demnach noch den ganzen Tag über mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen.

Langsam kommt auch der regionale Bahnverkehr in vielen Gegenden wieder ins Rollen. So nahm etwa die Bahn den Betrieb auf der wichtigen Regionalzuglinie RE1 von Hamm über Düsseldorf und Köln nach Aachen wieder auf. Die Bahnen seien allerdings langsamer als sonst unterwegs, dadurch komme es zu Verspätungen. Auch Ausfälle seien hier weiter möglich.

Auf seinem Weg über Deutschland löste der Orkan seit Sonntagabend massive Behinderungen im Schienen-, Straßen- und Luftverkehr aus. Insgesamt jedoch richtete der Wintersturm nur vergleichsweise leichte Schäden an. Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurden Menschen von umstürzenden Bäumen oder herumfliegenden Gegenständen verletzt. In Frankfurt am Main knickte ein Baukran ab, sein Ausleger krachte in das Dach des Doms. In Bayern waren Zehntausende Menschen über Stunden ohne Strom. Vor allem für weite Teile Bayerns und Baden-Württembergs galt am Vormittag noch die zweithöchste Unwetterwarnstufe.

Massive Verkehrsbehinderungen

An den Flughäfen fielen Hunderte Starts und Landungen aus, hier war vor allem der Münchner Airport betroffen. Die Fluggesellschaft Eurowings konnte den Flugbetrieb eigenen Angaben zufolge ab 10.00 Uhr schrittweise wieder aufnehmen.

Vergleichsweise entspannt war die Lage auf den Autobahnen: Der WDR meldete zum Höhepunkt des Pendlerverkehrs um 7.50 Uhr in ganz Nordrhein-Westfalen knapp 140 Kilometer Stau - eher wenig für einen Montagmorgen. "Vielleicht arbeiten heute einige von zu Hause aus oder nehmen Urlaub", spekulierte ein Sprecher der Polizei.

Vor großen Problemen standen Eltern von Schul- und Kindergartenkindern: Etliche Städte ließen den Unterricht an ihren Schulen ausfallen - darunter die Großstädte Köln, Düsseldorf, Dortmund und Bremen, auch Teile von Bayern, Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg waren betroffen. Etliche Kitas blieben ebenfalls ganz geschlossen oder boten nur eine Notbetreuung an. Viele Eltern mussten kurzfristig Alternativen organisieren oder freinehmen.

In nahezu ganz Deutschland berichteten die Leitstellen der Polizei von einer Vielzahl an umgestürzten Bäumen, die zum Teil auf geparkte Autos gestürzt waren. Bauzäune wurden umgerissen, Werbetafeln umgeweht. In vielen Regionen hielten sich die Schäden aber in Grenzen.

In Solingen klang das Aufatmen in einer Pressemitteilung der Stadt so: "'Sabine' war wohl doch nur ein Sabinchen." In Mülheim an der Ruhr dagegen entkamen zwei Insassen eines Autos nur mit viel Glück der Gefahr für Leib und Leben: Ein 25 Meter hoher Baum erwischte ihren fahrenden Wagen im hinteren Bereich. Nur leicht verletzt kamen sie in ein Krankenhaus. "Wäre das Fahrzeug nur eine Sekunde eher an der Stelle gewesen, hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können", erklärte die Feuerwehr.

In Paderborn wurde ein 16-Jähriger durch einen herabstürzenden Ast schwer am Kopf verletzt. Berichte über Verletzte, Straßensperrungen, umgestürzte Bäume, Zugausfälle kamen vor allem aus dem Westen des Landes: In Rheinland-Pfalz und im Saarland richtete "Sabine" teils erhebliche Schäden an.

Mehrere Verletzte

In Saarbrücken wurden am Sonntagabend drei Menschen verletzt. Eine Frau schwebte laut Polizei am Montagmorgen noch in Lebensgefahr: Die Frau war dem Sprecher zufolge zusammen mit einer Kollegin aus dem Klinikum in Saarbrücken auf dem Weg zu ihrem geparkten Auto, als ein Baum umstürzte und die Beiden traf. Die Kollegin sei nur leicht verletzt worden. Ein Mann wurde an einem Bahnhof von einem herabfallenden Schild getroffen.

In Bayern waren am Morgen rund 50.000 Haushalte ohne Strom. Ursache seien meistens Bäume oder Äste, "die Stromleitungen berühren oder beschädigen", teilte die Bayernwerk AG mit. Der Sturm kommt - was die Windgeschwindigkeiten angeht - nahe an "Kyrill" (2007) heran: Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden zur Spitzenzeit um 7.00 Uhr morgens Orkanböen mit bis zu 177 Stundenkilometern registriert.

Quelle: ntv.de, sgu/dpa