Panorama

Urlaubsziel vieler Deutscher Spanien gilt ab sofort als Risikogebiet

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Tests bei der Rückkehr sind für Flugreisende sowieso schon Pflicht, da können deutsche Urlauber die Einstufung als Risikogebiet erst einmal gelassen sehen.

(Foto: dpa)

Neben Urlaubszielen im Inland ist Spanien das Reiseland Nummer eins der Deutschen. Wegen stark steigender Corona-Zahlen gilt das Sonnenparadies wieder als Risikogebiet. Konkret bedeutet das zunächst wenig. Doch die nächste Hochstufung könnte vielen den Urlaub und der Branche die Saison verhageln.

Ganz Spanien mit Mallorca als liebster Urlaubsinsel der Deutschen ist wieder Corona-Risikogebiet. Die Bundesregierung reagierte mit dieser Einstufung, die ab Sonntag gilt, auf die stark gestiegene Zahl der Corona-Neuinfektionen. Reisen werden zwar faktisch nicht erschwert, weil schon bisher mit dem Flugzeug zurückkehrende Urlauber einen negativen Test vorlegen mussten. Aber für das stark vom Tourismus abhängige Spanien könnte es sich als Imageschaden herausstellen, dass das Auswärtige Amt mitten in den Sommerferien wieder von touristischen Reisen in das Land abrät. Das löst Sorgen in der Tourismusbranche aus, der jedoch ein weit schlimmeres Szenario schlaflose Nächte bereitet.

Derzeit beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz in Spanien 199. Sollte die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen für längere Zeit auf über 200 steigen, droht Spanien dasselbe Schicksal wie Zypern. Die ebenfalls sehr beliebte Urlaubsinsel wurde wegen besonders hoher Infektionszahlen als Hochinzidenzgebiet eingestuft. Wer dort Urlaub macht und nicht geimpft oder genesen ist, muss künftig bei der Rückkehr für fünf bis zehn Tage in Quarantäne - auch wenn ein negativer Test vorliegt. Sollte das auch Spanien widerfahren, wäre es ein harter Schlag für die Tourismusbranche.

Aber erstmal bleibt es beim Risikogebiet, zu dem Länder und Regionen erklärt werden, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz über 50 liegt. Auf den Balearen, zu denen neben Mallorca auch Menorca, Ibiza und Formentera gehören, ist die Inzidenz mit 153 schon dreimal so hoch. Größere landesweite Eingriffe in das öffentliche Leben gab es nur wenige. Der Corona-Hotspot Barcelona etwa schränkte zunächst über das Wochenende das Nachtleben stark ein. Zugleich aber fand in der Touristenmetropole ein Musikfestival mit bis zu 18.000 Zuschauern statt - mit Test und Maske, aber ohne Abstand. Deutsche Urlauber auf Mallorca sagten, sie würden sich auf der Insel mindestens so sicher wie zu Hause fühlen.

Spaniens Tourismusministerin María Reyes Maroto warf unterdessen die Frage auf, ob die Orientierung an den Infektionszahlen überhaupt noch der richtige Weg sei. Die Inzidenz als Gradmesser für das Risiko verliere angesichts der hohen Impfrate und der niedrigen Zahl von Corona-Patienten in den Krankenhäusern an Bedeutung, erklärte die Ministerin. Hohe Infektionszahlen würden vor allem bei jungen Menschen registriert, die entweder gar keine oder nur milde Krankheitssymptome entwickelten. Die Behörden beobachteten die Lage genau. Urlaub in Spanien sei auf jeden Fall sicher.

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Auch die Regionalregierungschefin der Balearen, Francina Armengol, verwies auf den guten Fortschritt der Impfkampagne. "Wir müssen lernen, mit der Krankheit zu leben. Es ist der Moment, an andere Dinge zu denken als nur an die Inzidenz", betonte sie. Der Deutsche Reiseverband (DRV), der die Reiseveranstalter vertritt, reagierte ebenfalls noch gelassen. "Für Flugreisende ändert sich mit der Einstufung von Spanien als einfaches Risikogebiet faktisch nichts. Reisende können ihren Urlaub wie geplant fortsetzen", sagte die DRV-Sprecherin Kerstin Heinen der Deutschen Presse-Agentur. Sie appellierte an alle Reisenden, sich auch während ihres Urlaubs an Hygiene- und Abstandsregeln zu halten. "So ist verantwortungsvolle Mobilität auch in Zeiten von Corona möglich." Ähnlich äußerte sich auch die Präsidentin des Verbandes der Hoteldirektoren auf den Balearen (AEDH), Alicia Reina.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß von der CDU, wertet die Einstufung von Spanien als Corona-Risikogebiet auch als Sicherheitsmaßnahme für den gesamten Reiseverkehr. "Mir scheint das eine angemessene Maßnahme, damit Reisen weiterhin sicher bleibt", sagte Bareiß der "Augsburger Allgemeinen" vom Samstag. Die Bestimmungen der Einreiseverordnung dienten auch dazu, Menschen in der Pandemie das Reisen zu ermöglichen. Die Menschen könnten unter den gegebenen Bedingungen entscheiden, "wie und wo sie ihren Urlaub verbringen", sagte er. "Vieles ist möglich und ich bin überzeugt, dass die Menschen diesen Sommer Erholung finden." Wichtig seien einheitliche Regelungen in Europa. "Wir sollten gemeinsam Vertrauen schaffen und auf gute Test- und Hygienekonzepte setzen", forderte Bareiß.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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