Soft Launch, Ick, BenchingSprechen Sie noch Dating?
Von Lauren Ramoser
Wer die aktuellen Bewegungen auf dem Dating-Markt verstehen will, muss Englisch sprechen. Die Generation Z bespricht bekannte Phänomene mit neuen Namen, doch einfacher wird das Dating trotz Vereinfachungen nicht.
"Wildflowering", "Benching", "Situationship" - englische Begriffe, die Dating-Verhalten vereinfachen und in den sozialen Medien nach kurzer Zeit als Label Personen und deren Handlungen zugeschrieben werden. Klingt zunächst harmlos.
"Ich finde es unterhaltsam, dass diese Trends eigene Namen bekommen", sagt US-Therapeut Dr. Orion Taraban im Gespräch mit ntv.de. "In gewisser Weise ist das eine Fortsetzung des kindlichen Spieltriebs", erklärt Taraban die griffigen Namen der Generation Z. "Junge Erwachsene haben die Fähigkeit zu abstraktem Denken und logischen Schlussfolgerungen entwickelt. Und deshalb spielen sie mit dem fortschrittlichsten Werkzeug, das ihnen zur Verfügung steht: der Sprache."
In diesem Fall soll die Vereinfachung helfen, das komplexer gewordene Dating zu verstehen. Schubladen verschaffen einen Überblick über mögliche Partner, eine Liste an Kriterien soll die Vorauswahl erleichtern. Doch laut Taraban erzielt man damit oftmals genau das Gegenteil und verstrickt sich in Ansprüchen. "Es ist sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, all diesen widersprüchlichen Erwartungen gleichzeitig gerecht zu werden. Das kann leider zu einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und zu einer Art Verhaltensstarre führen", so der Therapeut. Bezogen auf die Dating-Trends empfiehlt er: "Es hilft, bei all dem einen gesunden Sinn für Humor zu bewahren."
"Soft Launch"
Ist man mit einer neuen Beziehung vor einigen Jahren noch "Instagram official" gegangen, gleicht die Veröffentlichung einer neuen Liebe einem Geschäftsmodell. Der "Soft Launch" meint hierbei eine subtile Ankündigung der neuen Beziehung. Ein gepostetes Bild zeigt dabei weder Gesicht noch Namen des neuen Partners, sondern maximal eine zweite Kaffeetasse auf dem Tisch, eine fremde Hand oder zwei Schatten beim Sonntagsspaziergang.
Die Absicht dahinter ist, eine neue, womöglich noch sehr frische Partnerschaft anzuteasen und gleichzeitig die Identität des Partners zu schützen. Zumindest etwas, man könnte immerhin auch gar nichts posten. Neugierige Nachfragen, um wen es sich handelt, sind erlaubt, in vielen Fällen sogar erwünscht.
"Hard Launch"
Dem gegenüber steht der "Hard Launch". Hier wird ein offizielles Pärchenfoto geteilt, möglichst verliebt und eindeutig. Nachfragen sind nicht nötig, das Foto enthält alle relevanten Informationen, wie den (Instagram-)Namen des neuen Partners, eindeutig verliebte Herz-Emojis und eine unmissverständliche Bildsprache.
"Situationship"
Die "Siuationship" ist ein Phänomen unserer Zeit. Der Begriff setzt sich aus "Relationship" für Beziehung und "Situation" zusammen und beschreibt den Zustand von Ersterer im Jetzt. Noch vollkommen ungeklärt ist, ob das Verhältnis jemals eine feste Beziehung wird oder eigentlich schon ist. Sie lebt quasi von der Ungewissheit der Beteiligten.
Die "Situationship" ist mehr als eine reine Affäre, man verbringt regelmäßig Zeit auch außerhalb des Bettes zusammen, schaut Serien oder kocht und schreibt sich oft, plant aber maximal das nächste Treffen. Zukunftsvisionen, Urlaubspläne oder Gefühlsbekundungen werden nicht geteilt. Die "Situationship" besteht solange, bis die im Raum stehende Frage "Was sind wir eigentlich?" ausgesprochen wird. Oder bis eine Person "geghostet" wird.
"Ghosten"
"Geghostet" wird, wer plötzlich nichts mehr vom anderen hört. Das Wort hat es, als Verb und Nomen erfolgreich eingedeutscht, bereits in den Duden geschafft. Was die Erfahrung für die Betroffenen nicht weniger schmerzhaft macht. Wortursprung ist der englische Geist, in den sich die andere Person verwandelt und "den Kontakt zu einer Person ohne Ankündigung (und erkennbaren Grund) einseitig abbricht", so die Erklärung des Dudens.
"Zombieing"
Schmerzhafter als das "ghosten" ist nur das "Zombieing". Zunächst bricht ein ehemaliger Partner den Kontakt, meist überraschend, ab. Man wurde also "geghostet", bekommt dann plötzlich doch wieder Nachrichten. Der Geist wird zum Zombie und erwacht von den Totgeglaubten. Die negative Assoziation ist gewollt, schließlich entsteht aus dieser erneuten Kommunikationsaufnahme selten eine glückliche Beziehung.
Eine Erklärung für den ursprünglichen Kontaktabbruch gibt es meistens nicht, ebenso wenig wie ein Unrechtsbewusstsein. Das Verhalten wird synonym auch "submarining" genannt, Personen tauchen auf wie ein U-Boot auf und verschwinden ebenso plötzlich wieder von der Bildfläche.
"Red Flag"
"Zombieing" könnte man als klare "Red Flag" bezeichnen. Dating-Verhalten wird im Netz oft und gerne mit einer roten Flagge versehen. Der Ursprung ist lobenswert, macht die Betitelung doch auf ungesunde Dynamiken aufmerksam. Grenzüberschreitungen, Kontrollwahn, Respektlosigkeiten, Eifersucht oder Unzuverlässigkeit - alles klassische "Red Flags".
"Green Flags"
Das genaue Gegenteil sind die "Green Flags". Sie loben Verhaltensweisen, wie eine ehrliche und klare Kommunikation, Taten statt leerer Worte, Respekt vor Grenzen, Selbstreflektion oder aktives Zuhören.
Kritik an beiden Bezeichnungen ist, dass sie sich im Netz zunehmend verselbstständigt haben und somit die Tür öffnen für Pauschalisierungen und Schwarz-Weiß-Denken.
"Ick"
Den "ick", englisch für Ekel oder Abneigung, kann ein einzelnes Verhalten einer anderen Person auslösen. Nachvollziehbar bei der unwirschen Behandlung eines Kellners beim ersten Date, wird der "ick" mittlerweile auch bei der unbedachten Kombination einzelner Kleidungsstücke oder einer Eigenart beim Essen ausgelöst.
Vielleicht ein Anzeichen dafür, dass die Chemie nicht passt, vielleicht ein Schutzmechanismus vor einer zu intensiven Bindung, vielleicht aber auch der Ausdruck von überzogenen Erwartungen, geschürt durch überzeichnete Social-Media-Trends.
"Benching"
Der Begriff leitet sich vom englischen Wort für Bank ab und bedeutet, jemanden sprichwörtlich auf die Reservebank zu setzen. Das Verhalten hat sich aus der "Friendzone" entwickelt, bei der man die romantischen Absichten eines anderen ignoriert, um weiterhin befreundet zu bleiben. Das "Benching" beschreibt also das klassische Warmhalten.
"Wildflowering"
Der blumige Begriff bedient sich dem Bild einer Wildblumenwiese. Eine neue Beziehung soll organisch wachsen, ohne Zeitpläne, Erwartungen oder Labels. Das Wort leitet sich von Wildblumen ab, die ohne menschliches Eingreifen dort wachsen, wo die Bedingungen gerade passen.