Panorama

Mord an 15-Jähriger aus Kandel Staatsanwaltschaft geht in Revision

87625cf75e95ec077fe6b8a18e31213a.jpg

Das Landgericht in Landau. Dort war Abdul D. wegen des Mordes an seiner Ex-Freundin schuldig gesprochen worden.

(Foto: imago/Ulrich Roth)

Abdul D. wird im Prozess um den Mord an seiner 15-jährigen Ex-Freundin zu einer Gefängnisstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. Möglich wären zehn Jahre Haft gewesen. Nun legt die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel ein.

Im Fall des tödlichen Messerangriffs auf die 15-jährige Mia im pfälzischen Kandel hat die Staatsanwaltschaft Revision gegen das Urteil von achteinhalb Jahren Haft eingelegt. Das teilte die Anklagebehörde in Landau mit. Das Landgericht in Landau hatte den vermutlich aus Afghanistan stammenden Flüchtling Abdul D. zuvor wegen Mordes und Körperverletzung verurteilt.

Zur Anwendung kam Jugendstrafrecht, hier liegt die Höchstgrenze bei zehn Jahren Haft. Die Verteidigung hatte den Richterspruch akzeptiert. Eine mögliche Revision fände vor dem Bundesgerichtshof (BGH) statt.

Die rechtspopulistische Initiative "Kandel ist überall" kündigte unterdessen für diesen Freitag eine Protestaktion in Landau gegen das aus ihrer Sicht zu milde Urteil an. Die Gruppierung will vom Rathausplatz vor das Landgericht ziehen. Der Landauer Oberbürgermeister Thomas Hirsch kritisierte die geplante Kundgebung. Das rechtspopulistischen Spektrum versuche, die Tat von Kandel für politische Zwecke zu instrumentalisieren, teilte der CDU-Politiker mit. "Es ist traurig, wenn aus einem Verbrechen noch mehr Hass entsteht - das wurde in Chemnitz auf furchtbare Weise deutlich."

Verteidigung ist nicht überrascht

Der Verteidiger von Abdul D. zeigte sich vom Schritt der Staatsanwaltschaft, Revision einzulegen, nicht überrascht. Die Anklagebehörde könne mit dem Richterspruch zunächst nicht zufrieden sein, da sie zehn Jahre Haft gefordert habe - und das Urteil darunter liege, sagte der Anwalt Maximilian Endler. Er rechne aber damit, dass die Staatsanwaltschaft erst nach Eingang der schriftlichen Begründung endgültig über eine mögliche Revision vor dem BGH entscheiden werde.

Bei einer Revision wird das Urteil auf mögliche Rechtsfehler geprüft. Eine eigene Beweisaufnahme zur Schuld- und Straffrage findet nicht statt. Die Staatsanwaltschaft in Landau betonte in ihrem Schreiben: "Die Einlegung der Revision ermöglicht es, die schriftliche Begründung zu prüfen. Sodann wird die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob die Revision aufrechterhalten wird. Diese Entscheidung ist binnen eines Monats nach Zustellung des Urteils zu treffen."

Nach Überzeugung des Gerichts hatte Abdul D. am 27. Dezember 2017 in einem Drogeriemarkt in Kandel seine Ex-Freundin Mia erstochen. Als Motiv hatte die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Rache angenommen.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

Mehr zum Thema