Panorama

Zwei Menschen sterben Unwetter zieht übers Land - Bahnverkehr gestört

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Gewitter über Annaberg-Buchholz in Sachsen.

(Foto: picture alliance / Andre März/An)

Mit Starkregen und Gewittern ziehen Unwetter über Teile Deutschlands. Zwei Menschen kommen ums Leben. Viele Bahnstrecken sind unterbrochen, auch der Flugverkehr ist betroffen. Zudem gibt es etliche Blitzeinschläge und umgestürzte Bäume.

Heftige Unwetter sind in der Nacht über Deutschland hinweggezogen. Betroffen waren vor allem die östlichen Bundesländer und Berlin. In den meisten Regionen kam es hauptsächlich zu kleineren Schäden durch umgestürzte Bäume, Starkregen oder Blitzeinschläge. Der Bahnverkehr ist noch immer gestört.

In Hamburg erreichten die Windböen laut n-tv Meteorologe Björn Alexander Spitzenwerte von 106 Kilometern pro Stunde. In Uelzen und Faßberg in Niedersachsen wurden 107 km/h gemessen. In Sachsen-Anhalt gab es Werte bis zu 104 Stundenkilometern in Dessau und 113 Kilometern pro Stunde in Barleben. Einen Orkan erlebte Neu Ulrichstein in Hessen mit 128 Kilometern pro Stunde.

Heute und am Wochenende geht es laut Alexander ruhiger weiter. Auch die große Hitze ist demnach vorbei. Nur im Osten gebe es noch letzte Schauer- und Gewitterreste aus der Nacht, die aber rasch ostwärts abziehen, so der Meteorologe. Dahinter werde es von Westen her freundlicher bei einem trockenen Mix aus Sonne und Wolken. Hartnäckiger seien die Wolken mit etwas Regen allerdings im Norden und in Richtung Alpen.

Flug- und Zugverkehr betroffen

Am Donnerstag hatte schwerer Sturm vor allem in Norden und Osten Deutschlands schwere Verwüstungen angerichtet. Auch in Süddeutschland gewitterte es heftig, das große Chaos blieb dort aber aus. Am Donnerstagabend tobte das Unwetter besonders in Niedersachsen. Mindestens zwei Menschen kamen hier ums Leben: Ein 50-Jähriger wurde in der Nähe von Uelzen in einem Auto von einem umstürzenden Baum erschlagen. Im Kreis Gifhorn starb eine 83 Jahre alte Frau, nachdem sie mit ihrem Auto durch das Geäst eines umgestürzten Baumes gefahren war.

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Im Stadtteil Ricklingen in Hannover stand das Wasser auf den Straßen.

(Foto: picture alliance / Peter Steffen)

Allein in Hamburg rückte die Feuerwehr laut Sprecher bis zum Morgen rund 240 Mal aus. Bei den Einsätzen waren demnach meist Bäume auf Straßen, Häuser oder Bahngleise gefallen. Am Bahnhof Altona richteten Hilfsorganisationen am Donnerstagabend eine Notunterkunft für gestrandete Bahnreisende ein, wie ein Feuerwehr-Sprecher sagte. Weitere 300 Schlafplätze standen den Festsitzenden in einer Schule zur Verfügung. Die Bahn stellte zudem vier Schlafwagenzüge bereit.

In Thüringen schlugen Blitze in drei Wohngebäude ein, wie die Landeseinsatzzentrale in Erfurt mitteilte. Wegen eines Erdrutschs musste eine Landstraße im Landkreis Nordhausen gesperrt werden. Zudem beschädigten umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste Autos und Stromleitungen. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt.

In Berlin wurde ein Flüchtlingsheim mit 200 Bewohnern geräumt, weil ein Blitz in ein Nachbargebäude eingeschlagen war. Nach Angaben der Feuerwehr fing der Garagenkomplex gegen 4.45 Uhr Feuer, insgesamt brannten etwa 170 Quadratmeter. Wegen der starken Rauchentwicklung räumten die Einsatzkräfte die nahe Flüchtlingsunterkunft. In der Hauptstadt gab es 300 wetterbedingte Feuerwehreinsätze. Im Berliner Olympiastadion gab die Popgruppe Depeche Mode trotz heftiger Gewitterschauer vor Tausenden durchnässten Fans ein Konzert.

Unwetter stören Konzerte

An den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel fielen in der Nacht erneut Flüge aus oder starteten verspätet, wie die Flughafengesellschaft über Twitter mitteilte. An gestrandete Reisende wurden nach Angaben eines Sprechers Decken und Wasser verteilt, Feldbetten wurden aufgestellt. Erst am Morgen lief der Flugverkehr wieder an. "In Tegel erwarten wir, dass bis 9.00 Uhr alles wieder planmäßig läuft, in Schönefeld im Laufe des Vormittags", sagte ein Sprecher. Dennoch könne es weiterhin zu Verspätungen kommen.

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Vielfach brachen Äste ab oder stürzten Bäumen um - hier in Havighorst in Schleswig-Holstein.

(Foto: picture alliance / Daniel Bockwo)

Die ICE-Strecke Berlin-Düsseldorf war wegen eines Oberleitungsschadens zwischen Bielefeld und Gütersloh seit dem frühen Morgen unterbrochen, der Verkehr wurde über Osnabrück umgeleitet. Erst gegen Mittag war die Strecke wieder in beide Richtungen frei. Auch die Strecke Hamburg-Hannover bleibt voraussichtlich bis zum Mittag gesperrt, teilte die Deutsche Bahn in Berlin mit. Auch hier wird der Fernverkehr umgeleitet. Das bedeutet aber Verspätungen - das trifft viele Reisende ausgerechnet vor dem Wochenende. Der Zugverkehr auf der Strecke Hamburg-Bremen rollt hingegen wieder. Im Großraum Magdeburg wurden mehrere Bahnstrecken gesperrt. In Ostdeutschland sind viele Regionalstrecken betroffen.

In Hannover musste ein Guns-N'-Roses-Konzert unterbrochen werden. Rund 70.000 Fans mussten den Zuschauerraum verlassen und wurden in einer angrenzenden Messehalle untergebracht. Die Band spielte die Show später zu Ende. Die Feuerwehr der Stadt rückte zu mehr als 500 Einsätzen aus. Zahlreiche Bäume stürzten um und blockierten Straßen. Viele Keller liefen unter Wasser, auf den Straßen stand bis zu 20 Zentimeter Wasser. In einen Versorgungsschacht des Hauptbahnhofs drangen mehr als 60.000 Liter Wasser ein, woraufhin Teile des Gebäudes von der Stromversorgung getrennt werden mussten. Auch die Gänge des Bahnhofs waren über große Flächen vom Regen überspült. Zudem brach das Wasser in die Oper und in Kliniken ein, wie der NDR berichtet. In der Nacht hatten 800 gestrandete Reisende in Hannover zwei von der Bahn bereitgestellte Hotelzüge genutzt.

Besucher beim "Hurricane"-Festival in Scheeßel bei Bremen flohen am Abend kurzzeitig vor dem Regen in ihre Autos. Der Veranstalter bat anreisende Gäste, möglichst erst am Freitag zu kommen. In Hamburg wurde das Konzert von Schlagerstar Andreas Gabalier abgesagt. In der Hansestadt war zudem ein Tornado gesichtet worden.

Im Wörlitzer Gartenreich, das zum Unesco-Welterbe gehört, richteten die Unwetter schwere Schäden an. Die berühmten Parkanlagen in Sachsen-Anhalt bleiben bis auf weiteres geschlossen, wie die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz mitteilte. Es seien nicht nur Äste abgebrochen, sondern auch zahlreiche Bäume umgestürzt. Eine Gefahr für die Besucher sei nicht auszuschließen. Die Internationale Gartenausstellung in Berlin kam dagegen glimpflich davon. Blumen und Pflanzen seien verschont geblieben, hieß es.

Schlammlawine im Harz

Der MDR berichtet von einer Schlammlawine im Harz. In Magdeburg beschädigte ein umgestürzter Baum Teile des Raubtiergeheges im Zoo, der nun für ein paar Tage geschlossen bleibt. Bei Gardelegen stürzte ein Lkw um - der Fahrer wurde schwer verletzt. In der Altmark seien Hagelkörner groß wie Tischtennisbälle gewesen. In Chemnitz standen laut dem Sender einzelne Straßen unter Wasser.

Am späten Donnerstagnachmittag erwischte es auch Hessen. Vor allem die Mitte und der Norden des Landes waren betroffen. In Kassel schlug der Blitz in einen Schornstein ein. Eine 67-jährige Bewohnerin wurde von herabfallenden Trümmerteilen getroffen und leicht verletzt. Es entstand ein Sachschaden von rund 50.000 Euro. In Gießen rückte die Polizei zu insgesamt 95 Einsätzen aus. Der Zugverkehr im Gießener Großraum war unterbrochen.

Der Süden Deutschlands war nach Hitzerekorden am Tag bis zum Abend verschont geblieben. Dann zogen auch hier in manchen Regionen Bayerns heftige Unwetter durch. Polizeisprecher berichteten von umgestürzten Bäumen, abgedeckten Dächern und vollgelaufenen Kellern. Verletzte oder höhere Sachschäden gab es aber nicht.

Am Donnerstag hatten mindestens 20 Wetterstationen neue Juni-Temperaturrekorde gemeldet. Laut n-tv Meteorologe Alexander galt das etwa für die Flughäfen Münster/Osnabrück mit 35,6 Grad, Hannover mit 33,1 Grad, Köln/Bonn mit 36,7 Grad und Düsseldorf, wo 35,2 Grad gemessen wurden. Am Freitag soll das Wetter demnach südlich der Mainlinie oft noch hochsommerlich mit 28 bis 34 Grad werden. Im großen Rest sorgt der teilweise kräftige Westwind für frischere Temperaturen, zwischen 18 Grad in Schleswig-Holstein und 27 Grad im Rheinland.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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