Panorama

Prozessbeginn gegen Bulgaren Verdächtiger gesteht Mord an Marinowa

45c2713db48916852575bd319c150c06.jpg

Der mutmaßliche Mörder der bulgarischen TV-Journalistin Viktoria Marinowa hat die Tat gestanden.

(Foto: AP)

Der Mord an der bulgarischen TV-Journalistin Marinowa löst international Entsetzen aus. Drei Tage nach der Tat wird in Deutschland ein Verdächtiger gefasst und nach Bulgarien überführt. Dem 20-Jährigen droht eine lange Gefängnisstrafe.

Knapp zwei Wochen nach dem Mord an der bulgarischen Journalistin Viktoria Marinowa hat der mutmaßliche Täter die Tat zugegeben. Das Gericht in der bulgarischen Donaustadt Russe beschuldigte den 20-Jährigen formell des Mordes und der Vergewaltigung. Die Richter ordneten an, den Mann wegen Fluchtgefahr bis zum Beginn eines Prozesses in Untersuchungshaft zu belassen.

Beim Eintreffen am Gerichtsgebäude der nordbulgarischen Stadt gestand Sewerin K., die 30-jährige Fernsehmoderatorin getötet zu haben. "Ja, ich bin schuldig. Es tut mir leid, ich kann nicht glauben, dass ich das getan habe", sagte er, bevor er von Polizisten in den Saal geführt wurde.

Er habe Marinowa angegriffen und ins Gesicht geschlagen, könne sich aber an nichts erinnern, erklärte er. Am Abend vor der Tat habe er eigenen Aussagen zufolge Alkohol und Drogen zu sich genommen. Das Opfer habe er nicht gekannt. Marinowas Leiche war am 6. Oktober in einem Park in Russe gefunden worden. Sie war offenbar beim Joggen überfallen, vergewaltigt und erschlagen worden.

20 Jahre Haft drohen

Nach Angaben von Staatsanwältin Kremena Kolizowa wurde Marinowa insgesamt sieben Mal ins Gesicht geschlagen. Dabei brach ihre Nase, sie erstickte an ihrem Blut. Nach ihrem Tod sei sie vergewaltigt worden. Es gebe keine Beweise, dass an der Vergewaltigung und am Mord an der Direktorin und Moderatorin des lokalen Senders TVN weitere Personen beteiligt gewesen seien, erläuterte der Bezirksstaatsanwalt von Russe, Georgi Georgiew.

Drei Tage nach der Tat wurde K. im niedersächsischen Stade festgenommen, wo er sich bei Verwandten aufhielt. Den deutschen Ermittlern gestand er bereits, er sei mit Marinowa in einen Streit geraten, habe sie geschlagen und in einen Busch geworfen. Eine Tötungsabsicht bestritt er ebenso wie eine Vergewaltigung.

Laut den Ermittlern fand sich Blut der jungen Frau an der Kleidung des Verdächtigen. Man gehe von einem spontanen Angriff aus sexuellen Motiven aus, hatte Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow in Sofia gesagt. K. drohen bis zu 20 Jahre Haft wegen Vergewaltigung und lebenslänglich wegen Mordes.

Der Mord an der Journalistin hatte international Entsetzen ausgelöst. Die bulgarischen Behörden gehen mittlerweile nicht mehr von einem Zusammenhang zwischen der Tat und Marinowas journalistischer Arbeit aus. Wenige Tage vor ihrer Ermordung hatte ihr Sender TVN Interviews mit zwei investigativen Journalisten ausgestrahlt. Die Reporter berichteten über Marinowas Recherchen zur mutmaßlichen Veruntreuung von EU-Geldern in Bulgarien durch Geschäftsleute und Politiker.

Quelle: n-tv.de, cri/AFP/rts

Mehr zum Thema