Panorama

"Begrenzte Cluster" denkbar Versteckt sich Coronavirus in Deutschland?

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In Deutschland wurden bisher 16 Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 festgestellt .

(Foto: imago images/Science Photo Library)

Die Zahl der mit dem Covid-19-Erreger infizierten Menschen in China schnellt zuletzt in die Höhe. Eine neue Zählweise offenbart eine wesentlich größere Dimension der Epidemie. Auch in Deutschland könnte es bereits weitere, unentdeckte Fälle geben, befürchtet ein Experte.

In China haben Behörden immer noch mit der korrekten Erfassung der tatsächlichen Corona-Fälle zu kämpfen. Nach einer Änderung der Zählweise schnellte die Zahl der Infizierten um etwa 15.000 nach oben. Die Vorgabe in China ist nun, auch klinische Diagnosen von Covid-19 zu erfassen und nicht mehr nur über Labortests bestätigte.

Möglicherweise spiegeln auch die Zahlen für Deutschland nicht den wirklichen Stand der Infizierten wider: "Es wäre denkbar, dass unter dem Radar des Gesundheitssystems auch in Deutschland kleinere, begrenzte Cluster existieren, die nicht weiter auffallen", warnte der Epidemiologe Gérard Krause im "Spiegel". In Deutschland wurden bisher 16 Infektionen festgestellt.

In China wurden mit der neuen Zählweise bisher knapp 64.000 Infektionen mit Sars-CoV-2 erfasst, knapp 1400 Menschen starben demnach. Außerhalb von Festland-China sind in mehr als zwei Dutzend Ländern rund 580 Fälle bestätigt. Zuletzt ist das Virus auch in Afrika nachgewiesen worden. Auch außerhalb Chinas gehen viele Experten von zahlreichen nicht erfassten Infektionen aus.

Der Berliner Virologe Christian Drosten erklärte am Donnerstag, dass sich der Erreger Sars-CoV-2 wie das Influenzavirus im Rachen vermehre, was es ansteckender mache als anfangs vermutet. Drosten wies auf begrenzte Möglichkeiten der Eindämmung hin: "Irgendwann wird es wahrscheinlich dazu kommen, dass unbemerkte Infektionen plötzlich bemerkt werden."

Verbreitung durch öffentlichen Verkehr befürchtet

Eine Befürchtung in vielen Ländern ist, dass vor allem unwissentlich mit dem Virus infizierte Menschen etwa bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln andere anstecken könnten. In London hatte sich kürzlich eine Frau entgegen den Anweisungen direkt in einer Notaufnahme vorgestellt, wie das Krankenhaus im Stadtteil Lewisham mitteilte. Bei ihr wurde das Virus nachgewiesen. Angereist war sie mit einem Uber-Taxi. Ein weiterer Betroffener soll an einer Konferenz in London teilgenommen haben. Rund 200 Teilnehmer des Treffens wurden aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, sollten sie Symptome wie Fieber oder Husten entwickeln.

In China wurde bei einem Mitglied der Reinigungskräfte in einem Hochgeschwindigkeitszug eine Infektion festgestellt, was Befürchtungen über Ansteckungen auslöste. Zur Registrierung solcher Vorkommnisse fährt das Land inzwischen seine ganze Überwachungstechnologie auf. So sollen Bürger mit einer Handy-App feststellen können, ob sie in engem Kontakt mit jemandem waren, der mit dem Virus infiziert ist oder als Verdachtsfall gilt. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, lässt sich damit sogar feststellen, ob man in einem Flugzeug in derselben Reihe mit einem Infizierten oder drei Reihen davor oder dahinter gesessen hat.

In Japan war am Donnerstag erstmals ein mit Sars-CoV-2 infizierter Mensch gestorben: eine Frau in ihren 80ern in der Provinz Kanagawa nahe Tokio. Zudem wurde ein Arzt in der 400 Kilometer entfernten Präfektur Wakayama positiv auf das Virus getestet. Das Krankenhaus Saiseikai Arida, in dem er arbeite, nehme vorerst keine Patienten mehr auf, hieß es.

Aufatmen auf Kreuzfahrtschiffen

Aufatmen konnten die Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff "Westerdam": Nach tagelanger Irrfahrt durch asiatische Gewässer konnten die ersten von knapp 2300 Gästen und Crewmitgliedern am Freitag in Kambodscha das Schiff verlassen. Die erste Gruppe der Deutschen an Bord sollte am Abend Richtung Frankfurt reisen. In Thailand sollte noch am Freitag die "Aidavita" im Hafen von Laem Chabang ankommen. Das Kreuzfahrtschiff mit rund 1100 Passagieren zumeist aus Deutschland hatte nicht in Vietnam anlegen dürfen.

Aida Cruises teilte mit, die Asienfahrten der "Aidavita" und "Aidabella" wegen der Epidemie und zunehmender Reiseeinschränkungen für diese Saison einzustellen. Regulär hätte das Programm bis April gedauert, für jedes Schiff seien bis dahin noch vier Reisen geplant gewesen. "Die Schiffe werden in andere Fahrtgebiete überführt." Weder auf der "Westerdam" noch auf der "Aidavita" waren Infektionen mit dem Covid-19-Virus bekannt. Asiatische Länder zögern aber nach dem Nachweis von inzwischen mehr als 200 Infektionen auf der vor Yokohama in Quarantäne liegenden "Diamond Princess", Kreuzfahrtschiffe überhaupt noch in ihre Häfen einlaufen zu lassen.

Quelle: ntv.de, kst/dpa