"Einfach nur beängstigend"Waldbrand bei Langscheid unter Kontrolle

Nicht nur in der Eifel in Nordrhein-Westfalen brennt der Wald. Auch in Rheinland-Pfalz lodert ein Waldbrand, der zwei Ortschaften bedroht. Die rund 900 Bewohner machen sich schon für eine Evakuierung bereit. Derzeit sieht es jedoch so aus, dass sie bleiben können.
Ein erstes vorsichtiges Aufatmen bei Feuerwehr und Anwohnern: Nachdem der große Wald- und Wiesenbrand bei Langscheid im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz die Kräfte stundenlang beschäftigt hat, ist er nach Einschätzung der Feuerwehr "weitestgehend unter Kontrolle".
Momentan werde weiterhin an verschiedenen Feuerfronten gearbeitet, sagte Michael Hartung von der Feuerwehr. Es sei zwar im Großen und Ganzen unter Kontrolle, doch es gebe immer wieder ein Aufflammen und Glutherde. "Wir werden sehr gut unterstützt von Leuten und Landwirten." Ihm sei derzeit kein Szenario bekannt, dass irgendetwas evakuiert werden müsse.
Der Kampf gegen das Feuer begann gegen 11 Uhr am Vormittag, wie der Pressesprecher des Landkreises Mayen-Koblenz sagte. Es folgten Stunden voller größter Anstrengung und Vorsicht. Zwischenzeitlich hieß es in einer Warnmeldung am Nachmittag: "Bereiten Sie sich auf eine Evakuierung der Ortschaften Langenfeld und Arft vor." Es handelte sich zunächst um eine vorbereitende Maßnahme, teilte der Landkreis mit. "Aktuell haben wir mit der Wetterlage zu tun, beziehungsweise müssen sie beobachten, weil die Brände immer wieder drehen", sagte Kreissprecher Damian Morcinek.
Asche und Brandgeruch machen sich breit
Die Bewohner wurden in der vorsorglichen Warnung aufgefordert, "nur das Nötigste für 2-3 Tage außer Haus" mitzunehmen und den Anweisungen der Einsatzkräfte und des Ordnungsamtes zu folgen. Außerdem baten die Einsatzkräfte, älteren und hilfsbedürftigen Personen zu helfen sowie auf Lautsprecherdurchsagen zu achten. Die beiden von möglichen Evakuierungen betroffenen Ortschaften haben zusammen rund 900 Einwohner. Timo Kanzinger, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Vordereifel, sagte am Abend, die Bereitschaft zur Evakuierung werde weiter aufrechterhalten. Es werde sich aber eventuell in der nächsten Besprechung ein neues Lagebild ergeben.
Über dem Gebiet waren auch von weiter weg Hubschrauber zu sehen und zu hören. In regelmäßigen Abständen flogen sie mit Löschbehältern über die Fläche. Die Sonne knallte und es waren kaum Wolken am Himmel. Am Abend, als die Sonne schon tiefer stand, legte sich eine Art weißer Film über die Landschaft. Die heiße und trockene Luft roch verbrannt.
Ortsbürgermeister schockiert: "Gibt keine Worte"
Nach Morcineks Angaben brannte schätzungsweise 50 Hektar Fläche. Vier Menschen wurden demnach verletzt, einer von ihnen habe Brandverletzungen erlitten. Etwa 300 Kräfte waren im Einsatz. Einer von ihnen war auch der Ortsbürgermeister von Arft, Markus Thiel. Er zeigte sich geschockt: "Es ist einfach nur beängstigend. Beängstigend - das ist die Verniedlichung von dem, was man hier sieht. Irgendwie gibt es keine Worte dafür. Nur ergreifend."
Mit dem Feuer gehe eine massive Rauchentwicklung einher, hatte der Landkreis bereits zuvor mitgeteilt. Betroffen seien insbesondere die Bereiche Langenfeld, Hohenleimbach, Arft, Netterhöfe, Hausten und Morswiesen. Das betroffene Gebiet solle gemieden werden, hieß es. Zudem war die Bevölkerung gebeten worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Lüftungen und Klimaanlagen abzuschalten.
Ein Anwohner aus Langenfeld, der gerade mit seinem Hund Gassi ging, fragte sich, ob alle seine Nachbarn schon geflohen seien. Er sei unsicher, ob er bleiben könne. Angst habe er jedoch nicht. Er sagte, er vertraue der Feuerwehr.
Viele Menschen bieten Hilfe an
Neben der Anstrengung und Sorge führt der Brand aber auch zu großer Hilfsbereitschaft. Über soziale Netzwerke wie Facebook meldeten sich zahlreiche Menschen und boten etwa an, wasserführende landwirtschaftliche Fahrzeuge zu organisieren, den Rettungskräften Getränke zu bringen oder sich anderweitig behilflich zu machen. Auch Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen mit Hunden oder für Pferde wurden angeboten.
Die Einsatzleitung bedankte sich am Abend "bei allen Spontanhelferinnen und Spontanhelfern", die ihre Unterstützung angeboten oder vor Ort geholfen haben. Aktuell würden jedoch keine weiteren Freiwilligen vor Ort benötigt. "Die Bevölkerung wird daher gebeten, nicht eigenständig in das Einsatzgebiet zu kommen. Dies hilft den Einsatzkräften dabei, die Zufahrts- und Rettungswege freizuhalten und die laufenden Maßnahmen koordiniert durchzuführen", hieß es. Die große Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung sei ein wichtiges Zeichen des Zusammenhalts.