Panorama

Angriff des Ungeziefers Waldschäden erreichen historisches Ausmaß

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Abgestorbene Fichten nach einem Befall von Borkenkäfern.

(Foto: imago images/Jochen Eckel)

Die Wälder in Deutschland sind bedroht. Das Klima der letzten Jahre schwächt die Bäume, immer mehr leiden unter Schädlings-Befall. Die Zerstörung ist so schwer wie noch nie. Doch Agrarministerin Klöckner sieht die Verantwortung bei den Ländern.

Die Menge der durch Schädlingsbefall zerstörten Bäume in deutschen Wäldern hat sich in den vergangenen zwei Jahren nahezu um das Sechsfache erhöht. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, stieg das Volumen des aufgrund von Insektenschäden entfernten Schadholzes zwischen 2017 und 2019 von rund sechs Millionen Kubikmetern auf 32 Millionen Kubikmeter, was etwa einer Versechsfachung entspricht.

Laut Bundesamt führen die seit zwei Jahren anhaltenden Dürre- und Hitzephasen dazu, dass Bäume geschwächt und besonders anfällig für Borkenkäfer und andere Insekten wurden. So verdoppelte sich der dadurch verursachte Schadholzeinschlag zwischen 2017 und 2018 beinahe von sechs Millionen Kubikmetern auf elf Millionen Kubikmeter.

Von 2018 auf 2019 verdreifachte sich das Volumen des aus dem Wald entfernten Schadholzes als Folge von Insektenschäden nach amtlichen Daten dann noch einmal auf 32 Millionen Kubikmeter. Schadholz machte im vergangenen Jahr mehr als zwei Drittel des gesamten Holzeinschlags in den Wäldern aus, was ebenfalls außergewöhnlich viel war. Nach Angaben des Bundesamts lag der Anteil 2010 nur bei rund 20 Prozent.

"Schwerste Schäden seit 200 Jahren"

Erst kürzlich warnte Waldschutz-Professor Michael Müller von der TU Dresden: "Wir erleben gerade die schwerwiegendste Waldschaden-Situation (...) seit Beginn der geregelten nachhaltigen Waldbetreuung und Waldbewirtschaftung, das heißt also seit mehr als 200 Jahren."

Auch wiesen die Statistiker in Wiesbaden darauf hin, dass immer mehr Bäume Anzeichen von Trockenstress aufweisen würden. Hängende Blätter seien ein erstes Anzeichen für eine zu geringe Wasserversorgung. Kritisch wird es den Angaben zufolge, wenn die Bäume Blätter, Früchte oder Äste abwerfen und ihre Kronen dadurch lichter werden.

Laut der Waldzustandserhebung des Bundeslandwirtschaftsministeriums stieg der Anteil von Bäumen mit deutlichen Kronenverlichtungen im vergangenen Jahr auf 36 Prozent (2018: 29 Prozent). Bei 42 Prozent wurde demnach eine schwache Verlichtung der Baumkrone festgestellt. Lediglich 22 Prozent der Bäume zeigten keine Kronenverlichtung.

Nur Geld allein reicht nicht aus

Der forstpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Karlheinz Busen, erklärte, es sei "offensichtlich, dass das derzeitige Waldsterben schlimmer als das der 80er Jahre ist". Bundesagrarministerin Julia Klöckner dürfe jetzt nicht hohe Geldsummen "allein ins Schaufenster stellen". Die Mittel müssten "auch wirklich im Wald ankommen". Nötig seien "eine echte Bund-Länder-Strategie und auch die gesetzliche Grundlage für die Anpflanzung fremdländischer, robusterer Baumarten".

Die Christdemokratin ließ erklären, "auch Herr Busen müsste wissen, dass die Länder dafür zuständig sind, die von Bund und Ländern zur Verfügung gestellten 800 Millionen Waldhilfen auch in die Fläche zu bringen". "Wir hoffen, dass er seinen Appell auch an seine Parteifreunde richtet, die in einigen Landesregierungen vertreten sind", erklärte eine Sprecherin. Die Zahlen zeigten aber, "dass die Mittel gut abfließen".

Zudem stünden im Konjunkturpaket der Bundesregierung weitere 700 Millionen Euro für die Waldbesitzer bereit. Besonders von Waldschäden betroffen sind Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Thüringen.

Von "Alarmstufe Rot im Wald" sprach der Grünen-Forstexperte Harald Ebner. Auch er mahnte, es reiche nicht aus, jetzt "Millionen mit der Gießkanne auszuschütten". "Wir brauchen stattdessen ein klares und zielgerichtetes Waldumbaukonzept, und wir brauchen konsequenten Klimaschutz", forderte Ebner in Berlin. Es müsse "die Stärkung der Waldökosysteme oberste Priorität haben, um die Widerstandsfähigkeit der Wälder zu erhöhen - für den Naturschutz und für die Waldnutzung". Hilfsgelder müssten an entsprechende Vorgaben geknüpft werden.

Quelle: ntv.de, mdi/AFP/dpa