Panorama

Doch kein Rundum-sorglos-Paket Was Mallorca-Urlauber jetzt erwartet

Die Ostersaison steht vor der Tür. Zehntausende Deutsche haben ihren Urlaub auf Mallorca bereits gebucht. Doch der dürfte angesichts neuer Test-Maßnahmen und strengerer Corona-Regeln auf der Lieblingsinsel der Deutschen nicht ganz so ausgelassen werden wie erhofft.

Unbeschwerter Osterurlaub unter Palmen? Für Mallorca-Fans klang das vor knapp zwei Wochen wie ein wahr gewordener Traum. Als am 14. März die Reisewarnung und damit auch die Quarantänepflicht für Mallorca aufgehoben wurde, gab es einen regelrechten Buchungsboom. Doch die neu beschlossene Testpflicht für Rückkehrer, abendlich geschlossene Restaurants und Kneipen plus abgeriegelte Pools vor Ort sind nur einige der Unannehmlichkeiten, die nun auf die rund 40.000 deutschsprachigen Mallorca-Reisenden zukommen. Ein Überblick:

Testpflicht für Reiserückkehrer

Für die Einreise nach Mallorca verlangen die spanischen Behörden unverändert einen negativen PCR-Corona-Test. Und inzwischen steht fest, dass Mallorca-Urlauber aus Deutschland auch einen Test für die Rückreise brauchen. Eine Testpflicht für alle Flug-Rückkehrer soll in der Nacht von Montag auf Dienstag in Kraft treten, verkündete jüngst das Bundesgesundheitsministerium. Die Betroffenen müssten "vor der Abreise im Ausland dem Beförderer einen Nachweis" vorlegen, heißt es in der entsprechenden Verordnung.

Für diesen Fall hat die Urlaubsinsel schon vorgesorgt: Am Flughafen von Mallorca eröffnete am Mittwoch ein Testzentrum. Das Ergebnis der PCR-Tests, die rund 70 Euro kosten, soll schon 30 Minuten bis eineinhalb Stunden später vorliegen. Nach der neuen Verordnung der Bundesregierung reicht für Mallorca-Rückkehrer allerdings auch ein günstigerer Schnelltest aus. Sollte ein Test aber positiv ausfallen, ist die Heimreise nicht gestattet. Touristen müssen sich dann auf eigene Kosten auf der Insel isolieren. So lange, bis sie einen negativen Corona-Test präsentieren können.

Überlegungen zu einem generellen Reiseverbot

Die Testpflicht für Flugpassagiere reicht vielen als Reisebremse jedoch nicht aus - auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht. Sie erwägt Reisen in beliebte Urlaubsregionen vorübergehend gänzlich zu unterbinden. Merkel bat die zuständigen Ministerien, Möglichkeiten dafür zu prüfen. Sie könne dem Ergebnis allerdings nicht vorgreifen, so die Kanzlerin. Eine Beschränkung gestalte sich rechtlich schwierig. "Wir können uns nicht rechtswidrig verhalten", sagte Merkel.

Der Koalitionspartner lehnt ein echtes Reiseverbot dagegen vehement ab. "Ein generelles Verbot von Reisen in beliebte Urlaubsgebiete im Ausland wird es mit der SPD-Fraktion nicht geben", sagte der parlamentarische Geschäftsführer Carsten Schneider. "Generell Reisen ins Ausland zu verbieten, geht über sinnvolle Schutzmaßnahmen hinaus, ist unverhältnismäßig und trägt zur weiteren Verunsicherung der Bevölkerung bei."

Verschärfte Corona-Regeln

Doch nicht nur vor der Abreise droht Mallorca-Urlaubern Frust. Seit einigen Tagen ist Corona auch auf der Mittelmeerinsel wieder auf dem Vormarsch. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen stieg in einer Woche von rund 20 auf 30. Auf die bedenkliche Entwicklung reagierten die Inselpolitiker prompt: Sie verschärften die Corona-Regeln bis mindestens 11. April. So müssen von heute an die Innenbereiche von Kneipen, Cafés und Restaurants wieder schließen. Die Außenterrassen und Biergärten bleiben derzeit noch geöffnet, aber wie bisher nur bis 17 Uhr.

Auch in den Hotels gelten schärfere Regeln. Gemeinschaftseinrichtungen in geschlossenen Räumen wie etwa Schwimmbäder, Spas, Jacuzzis oder Fitnessräume müssen ganz schließen. Gemeinschaftlich genutzte Außenanlagen wie Pools oder hoteleigene Restaurantterrassen sind nur noch bis 17 Uhr auf.

An der Hotelbar, an der bislang noch bis 22 Uhr am Abend getrunken werden durfte, ist künftig ebenfalls um fünf Uhr nachmittags Zapfenstreich. Nur die Hotelrestaurants dürfen in ihren Speisesälen die Hausgäste bis zehn Uhr abends bewirten. Dann beginnt übrigens auch eine nächtliche Ausgangssperre. Die Inselbehörden weisen zudem darauf hin, dass in Hotelzimmern und privaten Unterkünften lediglich Gäste aus einem Haushalt nächtigen können.

Sinneswandel auf Mallorca

"Die Infektionsdaten besorgen uns", erklärte Francina Armengol, die regionale Regierungschefin der Balearischen Inseln, zu denen Mallorca, aber auch Ibiza, Menorca und Formentera gehören. Man habe es ja gar nicht darauf angelegt, dass zu Ostern schon ausländische Touristen kommen, sagte der Wirtschaftsminister der Balearen, Iago Negueruela. Dass nun trotzdem wieder Touristen anreisen dürften, sei nicht Sache Mallorcas, sondern falle in die Verantwortung der Regierungen Spaniens und Deutschlands, betonte der Regionalpolitiker.

Wichtig sei es, die Sommersaison zu sichern, so Negueruela. "Wir können uns jetzt, da die Massenimpfung mit neuen Impfstoffen beginnen kann, keinen Anstieg von Fallzahlen leisten, der die Urlaubssaison beeinträchtigen könnte." Ein plötzlicher Sinneswandel. Denn noch vor zwei Wochen hatte Regierungschefin Armengol Deutsche ausdrücklich eingeladen, ihren Osterurlaub auf Mallorca zu verbringen.

Gefährliche Virus-Varianten im Gepäck?

Die Zahl der Corona-Infektionen auf Mallorca ist im Vergleich zu Deutschland weiterhin niedrig. Binnen eines Tages wurden 33 Menschen auf der Insel positiv auf das Virus getestet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt knapp unter 30. Dennoch mahnt die Regionalregierung Mallorcas zu großer Vorsicht. Denn bereits bei 83 Prozent aller Neuinfektionen sei die britische Variante des Coronavirus diagnostiziert worden, die ansteckender sei und zu schwereren Krankheitsverläufen führe, so das Gesundheitsministerium.

Doch nicht nur die B.1.1.7 könnte Urlaubern laut Karl Lauterbach gefährlich werden. Mallorca habe bestritten, dass es die besonders ansteckende Corona-Variante P1 auf der Insel gebe - "ich glaube das übrigens nicht, also ich glaube, dass dort P1 ist", sagte der SPD-Gesundheitspolitiker in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Die Uni-Klinik Son Espases der Insel dementierte vor wenigen Tagen die auch in Deutschland kursierenden Berichte, es sei P1 auf Mallorca diagnostiziert worden. "Wir haben die Variante B.1.1.28 gefunden. Die gefährliche Variante (aus Brasilien) ist die B.1.1.28.1, auch als P1 bezeichnet", sagte der Sprecher der Klinik, Juan Carlos González.

"Da wird auch noch getrickst, ich glaube da kein Wort. Ich glaube, dass die mittlerweile längst P.1 haben", sagte Lauterbach nun. Und auch die niedrigen Fallzahlen hält er für geschönt. Daher ist Lauterbachs Einstellung zu Mallorca-Reisen eindeutig: "Das kann ich niemandem erklären, dass auf Mallorca gefeiert wird mit einer möglicherweise nicht zutreffenden Inzidenz, und dort gelten die Regeln nicht. Und hier (in Deutschland) können die Leute nicht weg."

Quelle: ntv.de, mit dpa

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