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Ansteckend wie SarsWas über das Coronavirus bekannt ist

28.01.2020, 12:16 Uhr
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2019-nCoV ist der Name, den Wissenschaftler für das grassierende Coronavirus verwenden. Inzwischen wird klarer, wie die Ansteckung verläuft und welche Therapie helfen kann. Doch andere Fragen sind noch offen.

2019-nCoV ist der Name, den Wissenschaftler für das grassierende Coronavirus verwenden. Inzwischen wird klarer, wie die Ansteckung verläuft und welche Therapie helfen kann. Doch andere Fragen sind noch offen.

Wie hat sich der Patient in Deutschland angesteckt?

Der Mann aus dem Landkreis Starnberg, der der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland ist, hat sich bei einem chinesischen Gast seiner Firma angesteckt. Die Frau aus China war zu einer Fortbildung bei der Firma Webasto in Oberbayern, bestätigt die Firma. Bei ihr wurde die Krankheit erst nach ihrer Rückkehr diagnostiziert.

Wie geht es dem Erkrankten?

Nach Angaben seines behandelnden Arztes geht es dem 33-jährigen Patienten "sehr gut". Er wird im Münchner Klinikum Schwabing behandelt, allerdings nicht auf der Sonderisolierstation des Krankenhauses, sondern auf der normalen Isolierstation in einem Zimmer mit Schleuse. "Er ist fieberfrei, hat auch derzeit keine Atemwegssymptomatik mehr", sagte Chefarzt Clemens Wendtner.

Welche Symptome löst das Virus überhaupt aus?

Die Lungenerkrankung äußert sich durch Fieber, trockenen Husten, Abgeschlagenheit und Atemnot. Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt 2 bis 14 Tage. Weil das Virus die unteren Atemwege infiziert, haben Betroffene keinen Schnupfen. Letztlich ähneln die Symptome denen einer Sars-Infektion, das neue Virus dockt am gleichen Rezeptor an.

Wie wird das Virus nachgewiesen?

Der Test auf das Virus basiert meist auf der Analyse von Sputum (Auswurf) und dauert etwa zwei Stunden.

Was ist das für ein Virus?

Der Erreger 2019-nCoV zählt zu den Coronaviren, die nach den zackenartigen Strukturen benannt sind, die sie umgeben und die einer Krone ähneln. Nach Angaben chinesischer Wissenschaftler ist der Erreger zu etwa 79 Prozent identisch mit dem Sars-Virus. Beim ebenfalls aus China stammenden Sars-Virus (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) wurden 2002/2003 rund 8000 Fälle bekannt. Etwa 800 Menschen starben. 2012 tauchte in Vorderasien das Mers-Virus auf. Von rund 2500 Infizierten bis November 2019 starben knapp 860. Ingesamt verursachen sieben Corona-Vertreter beim Menschen Atemwegserkrankungen.

Wo ist der Ursprung?

Das steht noch nicht fest. Als wahrscheinlich gilt, dass sich das Virus zunächst über Wildtiere verbreitet hat. Als Ausgangspunkt gilt eine Markthalle in der Stadt Wuhan, in der lebende Fische, Muscheln und Krebse, aber auch Schlangen und diverse Vogel- und Säugetierarten verkauft wurden. Sie ist inzwischen geschlossen. Außerdem ist in ganz China der Handel mit Wildtieren derzeit untersagt.

Wie ansteckend ist der Erreger?

Das lässt sich bisher noch nicht beurteilen. Die chinesischen Behörden gehen davon aus, dass ein Infizierter durchschnittlich 1,4 bis 3,5 Menschen ansteckt - das wäre ähnlich wie bei Sars und etwas niedriger als bei Mers. Allerdings sind das keine zuverlässigen Angaben.

Wie überträgt sich das Virus?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Erreger vor allem per Kontakt- oder Tröpfcheninfektion weitergegeben werden. Eine reine Übertragung über die Luft ist bisher nicht nachgewiesen. Ob eine Übertragung über Fäkalien, Blut oder Urin infrage kommt, muss noch geklärt werden. Die Übertragungsrate hängt von sehr vielen Faktoren ab - etwa ob Menschen sozial aktiv sind oder eher zu Hause bleiben. Genau darauf zielen vermutlich die Maßnahmen in China ab.

Wie sieht die Behandlung aus?

Eine spezielle Therapie für die Lungenerkrankung gibt es nicht. Es werden jetzt Kombinationstherapien getestet, die schon bei Sars angewendet wurden. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung. Zur Genesung von leichten Coronavirus-Symptomen ist nach Expertenangaben eine Woche ausreichend. Milde Verläufe der Infektion würden sich nicht als Lungenentzündung, sondern nur leichtes Fieber darstellen, sagte der chinesische Experte der Gesundheitskommission (NHC), Li Xingwang.

Wie tödlich ist das Virus?

Bis Dienstagmorgen starben mehr als 100 von rund 4500 Infizierten - das entspräche einer Sterberate von etwa 2 Prozent. Allerdings dürfte diese Zahl täuschen, denn gerade am Anfang eines Ausbruchs werden eher die schweren Fälle bekannt. Der Leiter der Spezialeinheit für hochansteckende lebensbedrohliche Infektionen an der München Klinik Schwabing, Clemens Wendtner, geht inzwischen davon aus, dass die Sterblichkeitsrate geringer ist, als zunächst befürchtet.

Wird sich das Virus weiter ausbreiten?

Das Robert-Koch-Institut und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gehen davon aus, dass sich das Virus weiter global verbreiten wird. Allerdings ist das nur problematisch, wenn die betroffenen Länder keine angemessenen Kontroll- und Präventionsmaßnahmen treffen. Das könnte beispielweise in afrikanischen Ländern problematisch sein. Außerhalb von China gibt es bisher insgesamt rund 50 Krankheitsfälle in etwa einem Dutzend Ländern. Bisher sieht die Weltgesundheitsorgansiation keine "gesundheitliche Notlage von internationaler Trageweite".

Ist Deutschland auf eine mögliche Epidemie vorbereitet?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht Deutschland gut vorbereitet. "Es war zu erwarten, dass das Virus auch Deutschland erreicht. Der Fall aus Bayern zeigt aber, dass wir gut vorbereitet sind", erklärte der CDU-Politiker. Der Patient sei isoliert worden und werde behandelt. Zudem würden die Menschen untersucht, mit denen der Patient engen Kontakt hatte. Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland bleibt aber weiterhin gering.

Welche Schutzmaßnahmen sind aus Sicht der Experten sinnvoll?

Um die Ausbreitung einzudämmen, ist es vor allem wichtig die Infektionsquelle zu kontrollieren. Die Erkrankten müssen schnell diagnostiziert und isoliert werden. Immer wieder betonen die Experten auch die Notwendigkeit transparenter Information, um unnötige Panik zu vermeiden. Für den Einzelnen gilt: Auf gute persönliche Hygiene achten, vor allem Händewaschen und bei Hustenreiz in die Armbeuge schnäuzen, außerdem gut lüften und überfüllte Räume und Menschenansammlungen meiden.

Quelle: mit dpa

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