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Großfeuer in Pariser Kathedrale Was zum Brand in Notre-Dame bekannt ist

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An der Fassade sind deutlich die Brandspuren zu erkennen.

(Foto: REUTERS)

Stundenlang lodern Flammen aus der Kathedrale Notre-Dame im Herzen von Paris. Am Morgen ist der Brand unter Kontrolle, aber was hat ihn ausgelöst und kann das Bauwerk gerettet werden?

Was hat den Brand ausgelöst?

Das ist derzeit noch unklar. In Notre-Dame finden derzeit aufwendige Reinigungsarbeiten statt. Der Brand könnte nach Einschätzung der Feuerwehr mit den Arbeiten zusammenhängen. Demnach brach der Brand gegen 18.50 Uhr auf dem Dachboden der Kathedrale aus und breitete sich rasend schnell aus. Das Feuer könnte nach ersten Einschätzungen von den Baugerüsten ausgegangen sein, die auf dem Dach installiert waren. Bei den Arbeiten war bewusst aus Brandschutzgründen auf Schweißgeräte verzichtet worden. Möglicherweise war ein anderes technisches Gerät Auslöser. Genannt werden elektrische Schraubmaschinen. Ein terroristischer Hintergrund wird derzeit ebenso ausgeschlossen wie Brandstiftung. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen unbeabsichtigter Zerstörung durch Feuer ein und befragte Arbeiter der Baustelle.

Warum hat sich das Feuer so schnell ausgebreitet?

Die Dachkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert bestand aus 1300 Eichen, die die Restauratoren "den Wald auf Notre-Dame" nannten. Dieses Holz fing sofort Feuer und brannte dann lichterloh.

Hat die Pariser Feuerwehr richtig reagiert?

US-Präsident Donald Trump hatte bei Twitter empfohlen, von Löschflugzeugen aus Wasser von oben einzusetzen. Dazu hieß es von der Pariser Feuerwehr, für diese Maßnahmen sei die Kirchenkonstruktion zu fragil. Das hätte die Kirche zerstört. Deshalb habe man sich von den Seiten genähert. Priorität der Arbeiten sei es gewesen, die Struktur der beiden Türme zu schützen, sagte Feuerwehrsprecher Gabriel Plus. Die Befürchtung sei gewesen, dass die Konstruktion der Türme geschwächt würde und die tonnenschweren Glocken abstürzen könnten. Nach dem Einsturz des Spitzturms, der sich im Zentrum des Mittelschiffs befand, mussten zudem Feuerwehrleute aus dem Inneren der Kirche zurückgezogen worden. Dort sei dann ein Roboter eingesetzt worden. Aus ganz Paris wurden Löschwagen zusammengezogen. Die Ile de la Cité, die Insel inmitten der Seine, auf der Notre-Dame steht, wurde komplett abgeriegelt.

Sind Menschen zu Schaden gekommen?

Bei dem Brand wurden der bisherigen Bilanz zufolge lediglich drei Menschen verletzt. Dabei handele es sich um zwei Polizisten und einen Feuerwehrmann, teilte die Pariser Feuerwehr mit.

Welche Schäden hat das Feuer hinterlassen?

Das lässt sich noch nicht genau sagen. Die Kathedrale ist von dem Feuer komplett verwüstet, vor allem der historische Dachstuhl hat massiv Schaden genommen. Zwei Drittel des Dachgestühls seien verbrannt, wird geschätzt. Ein Spitzturm ist eingestürzt. Das Chorgestühl im Inneren und der Hauptaltar sind ebenfalls verbrannt. Nach Angaben des französischen Innenministeriums besteht weiter Einsturzgefahr. Beide Türme haben dem Brand widerstanden, die Grundsubstanz des Gebäudes sei aber intakt, heißt es.

Ist der Brand unter Kontrolle?

Seit dem frühen Morgen ist der Brand nach Angaben der Feuerwehr unter Kontrolle. Es gab zunächst aber noch Brandherde, die nach und nach gelöscht wurden. Inzwischen teilte die Feuerwehr mit, der Brand sei komplett gelöscht.

Welche Kunstschätze konnten gerettet werden?

Auf Bildern, die nach dem Brand im Inneren der Kathedrale entstanden, ist zu sehen, dass das goldene Kreuz von Notre-Dame unversehrt ist. Auch der Hochaltar steht noch. Frankreichs Kulturminister Franck Riester sagte dem Sender LCI, der größte Teil der religiösen und künstlerischen Schätze konnte gerettet werden. Dazu gehört auch eine der wichtigsten Reliquien, die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht, sagte Patrick Chauvet, der Direktor des Gotteshauses. Die Dornenkrone und andere Gegenstände seien vorläufig im Pariser Rathaus untergebracht worden. Erst kürzlich waren für die Restaurierungsarbeiten 16 Kupferstatuen der zwölf Apostel und der vier Evangelisten des Neuen Testaments vom Turm entfernt worden. So konnten auch sie gerettet werden.

Wird schon über einen Wiederaufbau nachgedacht?

"Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen", sagte Staatschef Emmanuel Macron bereits am späten Montagabend. Zunächst sollen sich Architekten und Statiker einen Überblick verschaffen. Dabei soll auch Lasertechnik zum Einsatz kommen. Schon vor der Renovierung schätzten Experten, dass für die Arbeiten etwa 150 Millionen Euro nötig sein würden. Eingeplant waren bisher aber lediglich 40 Millionen Euro. Die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine startete eine Spendensammlung für den Wiederaufbau. Diese "nationale Sammelaktion" war bereits in der Nacht zum Dienstag auf der Internetseite der Stiftung zugänglich. "Damit Notre-Dame aus der Asche wiedergeboren werden kann, starten wir einen internationalen Aufruf", schrieb die Stiftung auf Twitter.

Zwei französische Milliardärsfamilien sagten bereits 300 Millionen Euro für den Wiederaufbau zu. Die Familie Pinault, die hinter dem Luxuskonzern Kering mit Marken wie Gucci steht, will 100 Millionen Euro spenden. Von der Familie von Bernard Arnault, der die LVMH-Gruppe gehört, sollen 200 Millionen Euro kommen. Die Region Ile-de-France, die größtenteils dem Großraum Paris entspricht, kündigte eine Soforthilfe von zehn Millionen Euro an. Der Wiederaufbau werde die besten Architekten und Handwerker "Frankreichs, vielleicht der ganzen Welt" auf den Plan rufen, sagte die Präsidentin des Regionalrats von Ile-de-France, Valérie Pécresse.

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Quelle: n-tv.de

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