Panorama

Spenden in Krisenzeiten Wie hilfsbereit sind die Deutschen?

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Hilfsorganisationen haben immer wieder mit Ressourcenmangel zu kämpfen.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Die humanitäre Lage in Afghanistan ist derzeit katastrophal. Hilfe wird an allen Enden benötigt. In Deutschland fürchten sich viele Menschen vor neuen Flüchtlingen - das zeigt eine Umfrage. Aber wie sieht es mit ihrer Hilfsbereitschaft aus?

Hunger, Gewalt, Umweltkatastrophen: Die Krisen in Ländern wie Jemen, Südsudan oder zuletzt Haiti ebben nicht ab. Mit der Machtergreifung der Taliban wird nun auch die Lage in Afghanistan dramatisch schlechter. Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen warnt angesichts der Entwicklung dort vor einer "humanitären Katastrophe". Nach Angaben von UNICEF benötigen - unabhängig von den politischen Entwicklungen - bereits fast zehn Millionen Mädchen und Jungen in Afghanistan humanitäre Hilfe.

Hierzulande kam eine Umfrage in der "Augsburger Allgemeinen" jüngst zu dem Ergebnis: Zwei Drittel der Deutschen fürchten sich davor, dass nach der Taliban-Übernahme wieder neue Flüchtlinge ins Land kommen. Sie sorgen sich vor einer ähnlichen Situation wie im Jahr 2015. Ein Zeichen für Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden in Afghanistan?

So viele Menschen spenden

Der Wille, zu helfen, scheint durchaus da zu sein. Viele Menschen spenden, das zeigt auch die Studie "Bilanz des Helfens". Selbst im Corona-Jahr 2020 waren es 5,4 Milliarden Euro, das zweithöchste Ergebnis seit Beginn der Erhebung 2005. Die meisten Spenden gingen mit 75,6 Prozent an die humanitäre Hilfe.

Juliane Klinger ist einer diese Menschen, die regelmäßig spenden. Sie hat zwei Daueraufträge, einmal für das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR und für Greenpeace. "Auch bei den kleinen Spenden, die man tätigt, hat man die Hoffnung, dass sie etwas bewirken", sagt sie. Angesichts der aktuellen Lage in Afghanistan hat sie sich nun auch dazu entschieden, an den Afghanischen Frauenverein (AFV) zu spenden. "Mir ist richtig schlecht geworden, als ich in den Nachrichten die Machtergreifung der Taliban mitverfolgt habe", erklärt sie ihre Entscheidung. "Ich musste darüber nachdenken, was das jetzt für die Frauen und Mädchen dort bedeutet."

Anderen Menschen scheint es ähnlich zu gehen. Das beweist ein Blick auf die aktuellen Spendenzahlen. Einige Hilfsorganisationen haben beschlossen, in Afghanistan zu bleiben - so auch UNICEF. Da die Lage vor Ort aktuell noch chaotisch ist, hat das Kinderwerk der Vereinten Nationen bisher noch keinen speziellen Spendenaufruf gestartet. "Trotzdem sind innerhalb von einem Tag 74.000 Euro an Online-Spenden bei uns eingegangen", sagt Rudi Tarneden, Sprecher von UNICEF. "Das zeigt, wie groß die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft innerhalb der Bevölkerung ist."

Dennis Dijkzeul, Professor für das Management humanitärer Krisen an der Ruhr-Universität Bochum, wundert das nicht. "Auch in unserer Gesellschaft gibt es große Fürsorge." Doch er sieht ein handfestes Problem. "Wenn Krisen zu lange andauern, hat man oft das Gefühl, dass die Solidarität nicht ausreicht oder eben die unterliegenden Probleme nicht löst."

Zweifel an Nutzen der Spenden

Dann ist da noch die Befürchtung, dass Hilfe politisch instrumentalisiert werden könnte. Das sei schon in der Vergangenheit ein Problem gewesen. Wie man beispielsweise Korruption vor Ort nachhaltig bekämpft, dafür hätten weder die humanitäre Hilfe noch die Geldgeberregierungen eine Lösung gefunden, sagt Dijkzeul.

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Wer Angst hat, dass seine Spenden in die falschen Hände geraten, kann sich online informieren - zum Beispiel beim Deutschen Spendenrat e.V. Der Verein vergibt Spendenzertifikate an Organisationen, die mit Geldern verantwortungsvoll und transparent umgehen. Auf der Homepage findet man außerdem Tipps zum richtigen Spenden.

Organisationen sind auf Spendengelder und Gelder aus der Politik angewiesen. Bis jetzt sei die humanitäre Hilfe stetig gewachsen, sagt Dijkzeul, aber eben nicht so stetig wie die Herausforderungen. Ressourcenmangel bereite Hilfsorganisationen immer wieder Schwierigkeiten. "Wenn die humanitäre Hilfe an ihre Grenzen gerät, dann gerät auch unsere Gesellschaft an ihre Grenzen. Denn das bedeutet, dass wir dann Menschen in Not nicht genügend helfen können."

Quelle: ntv.de

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