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Anteil von Ungeimpften gefordert Wie viel kosten Covid-19-Patienten?

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Die Behandlung sehr schwer erkrankter Covid-19-Patienten kann mehr als 77.000 Euro kosten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin möchte, dass ungeimpfte Covid-19-Patienten einen Anteil der Krankenhauskosten übernehmen. Das könnte für die Betroffenen ziemlich teuer werden, denn je nach Schwere einer Erkrankungen kommen hohe Summen zusammen, vor allem für Intensivfälle.

Der Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin nach einer Kostenbeteiligung Ungeimpfter an Krankenhausleistungen schlägt hohe Wellen. Egal, wie unrealistisch dieses Anliegen auch sein mag, ist es doch sehr interessant zu wissen, welche Kosten ein Covid-19-Patient tatsächlich verursacht. Denn auch dieser Faktor spielt beispielsweise eine Rolle, wenn man über Vor- und Nachteile einer Impfpflicht oder die Kosten einschränkender Maßnahmen wie Lockdowns diskutiert.

Durchschnittlich 10.500 Euro pro Patient

Die bisher besten Zahlen dazu stammen vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIDO), die sie ntv.de zur Verfügung gestellt hat. Das Institut hat 182.000 Fälle ausgewertet, die mit oder wegen Covid-19 zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Mai 2021 in Krankenhäusern behandelt wurden.

Für alle ausgewerteten Fälle ergaben sich Kosten von durchschnittlich 10.200 Euro. Im Median waren dies 4400 Euro. Das ist der Wert, der in der Mitte von höheren und niedrigeren Beträgen liegt.

Die individuellen Kosten für eine Behandlung unterscheiden sich sehr stark nach der Schwere der Erkrankung. So musste die Krankenkasse für einen Patienten, der keine Beatmung benötigte, im Durchschnitt 5800 Euro bezahlen, im Median 3900 Euro.

Schwere Intensivfälle kosten mehr als 77.000 Euro

War eine Beatmung erforderlich, waren die Behandlungen wesentlich teurer. Im Durchschnitt betrugen die Kosten dann 34.200 Euro, im Median 23.200 Euro. In den besonders schweren Fällen mit invasiver Beatmung schlug die Therapie bei zehn Prozent der Sauerstoff-Patienten mit über 77.000 Euro zu Buche.

Das WIDO weist darauf hin, dass die Auswertung nur die Kosten pro Fall erfasst. Pro Patient sind sie allerdings häufig deutlich höher, da Covid-19-Patienten oft zwischen Krankenhäusern verlegt werden.

Bis zu 21 Prozent werden verlegt

Einer Analyse des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums nach war das bei größeren Krankenhäusern mit mehr als 400 Betten bei 13 bis 16 Prozent der Corona-Patienten der Fall. Kleinere Kliniken verlegten sogar 18 bis 21 Prozent ihrer Covid-19-Fälle.

Ein Patient kann beispielsweise in zwei verschiedenen Krankenhäusern jeweils 10.000 Kosten verursacht haben. Bei einem anderen war nur die Behandlung in einer Klinik nötig, die ebenfalls 10.000 Euro gekostet hat. Auf Fallebene erhält man dann drei Krankenhausaufenthalte mit durchschnittlichen Kosten von 10.000 Euro. Pro Patient betragen die durchschnittlichen Kosten dagegen 15.000 Euro.

Nachdem jetzt das Kleeblatt-Konzept aktiviert wurde, finden auch überregionale Transporte statt, unter anderem mit Hubschraubern. Die Kosten dafür können ebenfalls etliche Tausend Euro betragen.

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Man kann sich ungefähr vorstellen, welche Behandlungskosten die Corona-Pandemie schon verursacht hat, wenn man bedenkt, dass bisher laut DIVI-Intensivregister in Deutschland bereits 138.000 Menschen auf Intensivstationen lagen. Selbst wenn man nur die durchschnittlichen Kosten für Behandlungen mit Beatmung zugrunde legt, ergibt sich eine Summe von mehr als 4,7 Milliarden Euro. Aktuell liegen rund 4200 Covid-19-Patienten auf deutschen Intensivstationen, 2160 von ihnen werden invasiv beatmet.

Reha verursacht weitere Kosten

Vor allem bei schweren Fällen endet die Behandlung selten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Sie benötigen eine intensive Nachsorge, oft in einer Reha-Klinik. Hinzu kommen Patienten, die einen leichten Verlauf ohne Krankenhausaufenthalt hatten, aber im Anschluss an Long Covid leiden. Die Median-Kliniken teilten ntv.de mit, bei ihnen verweilten Covid-19-Patienten durchschnittlich 26 Tage. Laut Deutscher Rentenversicherung kostet allgemein eine dreiwöchige stationäre Behandlung rund 3500 Euro, eine ambulante Reha etwa die Hälfte.

Quelle: ntv.de

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