Panorama

Warmer April rekordverdächtig Wird 2020 ein neues Dürrejahr?

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Ungerhausen bei Memmingen: Ein Landwirt beim Eggen seines staubtrockenen Ackers.

(Foto: imago images/MiS)

Viel Sonnenschein, zu wenig Regen - das Wetter der vergangenen Wochen lässt schon jetzt erste Felder austrocknen. Das Dürrejahr 2018 begann ähnlich. Dieser April könnte der sonnigste und trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Für den Sommer muss das aber nichts heißen.

Nachdem es vor einigen Wochen vielerorts in Sachen Wasserbilanz noch alles gut aussah, hat sich das Blatt inzwischen massiv gewendet. Nach dem zweitnassesten Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und einem zu Beginn noch ausreichend nassen März haben die Wetterlagen der vergangenen fünf Wochen die Probleme mit der Trockenheit rasant bis dramatisch verschärft. Erste Waldbrände, ausgetrocknete Felder und Wiesen lassen uns unweigerlich an das Dürrejahr 2018 zurückdenken. Und tatsächlich: Ähnlichkeiten sind leider vorhanden.

Unabhängig davon hat der April aber auch noch ein anderes Problem. Kein anderer Monat hat so sehr unter den Klimaveränderungen gelitten wie das einstige Paradebeispiel für wechselhaftes Wetter. Inzwischen hat der Klassenprimus in Sachen Schauerwetter nämlich dem Mai seinen Rang als Wonnemonat mehr als einmal abgelaufen.

Wie viel Angst müssen wir vor einem neuen Dürrejahr haben?

Grundsätzlich gesehen haben wir in den vergangenen Jahrzehnten eher zu nasse als zu trockene Jahre erlebt. Aber gerade in der jüngeren Vergangenheit haben uns stabile Hochdrucklagen fast schon das Fürchten gelehrt. Dabei sind diese Lagen im Sommer ja durchaus normal und erwünscht. Das sieht im Frühjahr anders aus. Natürlich ist es toll, wenn wir Sonne, Wärme und länger werdende Tage sowie laue Nächte genießen können. Auf der anderen Seite braucht die Natur gerade jetzt reichlich Regen. Denn auf dem Stundenplan der Pflanzen steht jetzt nur ein Fach: Wachsen. Und da ist das Wasser eben ein limitierender Faktor. Ist nicht genügend vorhanden, dann ist das Wachstum eingeschränkt oder die Pflanze stirbt im schlimmsten Fall den Trockentod. Ganz besonders fällt das derzeit in den Wäldern auf.

Höchste Waldbrandgefahr und Dauerstress durch Trockenheit

Das Jahr 2018 hat massive Trockenschäden beim Wald hinterlassen, unter denen die Bäume immer noch leiden. Gleichzeitig haben die Stürme der vergangenen Monate - allen voran "Sabine" - einen zum Teil enormen Windbruch bis Kahlschlag in vielen Wäldern verursacht. Die Folgen: trockenes Totholz, die inzwischen ausgedörrte Laubschicht auf dem Waldböden sowie teilweise dramatische Ausmaße von Schädlingen wie dem Borkenkäfer.

Zudem noch strukturelle Probleme: fehlende Waldarbeiter, die den Frühjahrsputz in den Wäldern übernehmen sowie ein einbrechender Holzabsatz durch die Corona-Krise. Eine unbeschreiblich schlechte Gemengelage, wenn man auf die aktuelle Trockenheit blickt und die mit einer hohen Waldbrandgefahr einhergeht. Verbreitet mit Stufe 3 bis 5 (von 5). Jede weggeworfene Zigarettenkippe oder offenes Feuer im Wald kann dort kleine oder auch größere Katastrophen auslösen.

Analogien zu 2018

Björn Alexander

Der ntv-Wetterexperte Björn Alexander.

Momentan ist die Großwetterlage ähnlich wie zu Beginn des Dürrejahres 2018. Das begann damals nämlich ebenfalls im April, nachdem der März zuvor mal ein zu kalter Ausreißer war, der dem Aprilbeginn sogar ein weißes Schneedeckchen hinterlassen hatte. Doch dann kam die große Umstellung. Die Serie an stabilen Hochs nahm ihren Lauf und quasi kein Ende. Und auch momentan haben wir einfach mal eine Aneinanderreihung von Hochs, die tendenziell oft knapp nördlich oder westlichen von uns lagen und liegen. Also im Bereich Britische Inseln, Nordsee und Südskandinavien.

Immerhin: In diesem Jahr sieht es so aus, als dürfte diese Lage gegen Monatsende ein Ende finden oder zumindest eine Unterbrechung bekommen. Das eröffnet die Chance auf häufigere Schauer und wäre ein Segen für die Landwirtschaft. Ob die Forstwirtschaft ebenfalls davor profitieren kann, hängt mit der Nachhaltigkeit und damit mit der Menge der Niederschläge zusammen. Im Gegensatz zu Acker- und Feldfrüchten benötigen die Bäume das Wasser eher in den tieferen Bodenschichten und dafür muss es dann einfach mal mehr und länger regnen.

Rekordjagd des Aprils 2020

Retten wird das die Gesamtbilanz des Aprils 2020 aber natürlich nicht. Es bleibt bei einer Häufung der extrem sonnigen und sehr warmen Aprilmonate in den Jahren 2007, 2009, 2011, 2013, 2018 sowie 2019. Außerdem wackeln in diesem Jahr noch zwei Rekorde, die von 2007 stammen. Einerseits für den sonnigsten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Hier sind im deutschlandweiten Mittel knapp 290 Stunden zu schlagen. Bis gestern einschließlich haben wir fast 220 Stunden im April 2020 zusammenbekommen. Und auch bei der Trockenheit dürfte es - je nachdem, wie die Wetterlage sich in der nächsten Woche tatsächlich entwickelt - für einen der vorderen Plätze reichen. Der trockenste April brachte 2007 knapp sieben Prozent des ansonsten üblich Regensolls. Momentan sind wir bei gut fünf Prozent des Monatssolls. Das entspricht rund drei bis vier Liter pro Quadratmeter.

Deutschland wird zur Wüste, Spanien bekommt Regen satt

Wenn bei uns ein Dauerhoch für das europäische Regenloch sorgt, dann müssen natürlich die Tiefdruckgebiete ebenfalls irgendwo sein. In diesem Fall vor allem am westlichen und am zentralen Mittelmeer. Und während bei uns erste Stauseen im Osten schon über Wasserknappheit klagen könnten, sieht es in Spanien ganz anders aus. Wir blicken nach Katalonien in die Regionen rund um Barcelona bis in den Süden Frankreichs. Hier sind in den letzten drei Tagen teilweise über 200 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das entspricht gut einem Drittel des Berliner Jahresniederschlags.

Kommt nach der Trockenheit der Mairegen?

Wenn man in die Klimastatistik blickt, dann fällt nach dem Rekord-April 2007 auf, dass es danach bis zum September durchweg zu nass weiterging. Das zeigt zumindest, dass es in Sachen Trockenheit nicht automatisch so kommen muss wie im Dürrejahr 2018. Allerdings müssen damit die Sommerfreunde - nach einem sonnigen April - auch nicht automatisch in die verregnete Röhre blicken. Beides hat es in der Vergangenheit reichlich gegeben. Am April lässt sich somit definitiv nichts über die Qualität des Sommers aussagen. Das ist schon alleine der Tatsache geschuldet, dass der April überdurchschnittlich häufig zu trocken, zu warm und zu sonnig ausfällt.

So sehen es derzeit die Wettercomputer

Zumindest aber deuten manche Wettermodelle in den letzten Apriltagen mal ein paar mehr Schauer an. Und auch die experimentellen Langfristprognosen des US-amerikanischen Wetterdienstes machen in manchen Regionen durchaus Hoffnung auf mehr Regen. Dies betrifft insbesondere die Südosthälfte, während demnach der Norden im Mai deutlich zu trocken bleiben soll. Schaut man anschließend mal auf den Juni, den Juli und den August, dann zeigt sich, dass der Sommer 2020 tatsächlich eher durchschnittlich bis etwas zu nass ausfallen soll.

Quelle: ntv.de