Panorama

"Fledermaus aus der Hölle" Wunder um 90-jährige Corona-Geheilte

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Geneva Wood schwört auf Kartoffelsuppe.

(Foto: Familie von Geneva Wood)

Erst Schlaganfall mit Hüftbruch, dann sucht sie das Coronavirus heim. Trotzdem überlebt die US-Amerikanerin Geneva Wood. Familie, Ärzte und Pfleger halfen, "dass sie die erste 90-Jährige ist, die das Covid-Virus in den Arsch tritt". Beigetragen hat auch ein besonderes Elixier: Kartoffelsuppe.

Wenn Geneva Wood Geburtstag hat, meldet sich jeweils eine Heerschar von Gratulanten. Sie hat vier lebende Kinder, elf Enkelkinder, zwölf Urenkelkinder und drei Ururenkelkinder. Zuletzt feierte die alte Dame ihren Neunzigsten. Kein Wunder also, dass Familienmitglieder sie wahlweise "Fledermaus aus der Hölle", "harten Vogel", "altes Blässhuhn" oder "Biest von Frau" nennen. Woods Tochter Cami Neidigh sagt: "Wenn jemand einem Killervirus den Mittelfinger zeigt, ist sie es." Und tatsächlich kam es so.

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Die 90-Jährige kämpfte sich bereits nach einem Schlaganfall zurück.

(Foto: Familie von Geneva Wood)

Die 90-Jährige gehörte zu den mindestens 81 - von insgesamt 120 - Einwohnern eines Seniorenheims in Kirkland, einer Kleinstadt nahe Seattle im US-Bundesstaat Washington, die am Coronavirus erkrankten. Mindestens 35 Betroffene starben bereits. Nicht aber Geneva Woods. Die Frau, die sich Ururoma nennen darf, überlebte und befindet sich konstant auf dem Weg der Besserung. Die Familie beschloss, ihre Geschichte über verschiedene soziale Kanäle zu veröffentlichen, um anderen, vor allem hochbetagten Menschen Mut zu machen. "Sie werden überrascht sein, zu erfahren, dass es sich nicht um eine Geschichte von Untergang und Finsternis handelt", schrieb Kate Neidigh, die mit einem Enkel von Woods verheiratet ist, zu Beginn ihres Berichts im Online-Magazin "Seattle Refined".

Die Happy-End-Story, die mehrere Familienmitglieder und auch das behandelnde Krankenhaus bestätigten, nahm im Januar ihren Lauf. Nach einem Schlaganfall samt Splitterbruch in der Hüfte wurde die 90-Jährige in die Langzeitpflegeeinrichtung des Heims verlegt. Schon hier dokumentierte sie ihren scheinbar unbändigen Lebenswillen. "Sie wollte uns zeigen, wie sie sich wehren kann und wir stolz auf sie sein sollten", erzählte ihre Tochter. Wood schaffte es, mit Unterstützung einer Gehhilfe wieder zu laufen, die gelähmte rechte Hand zu bewegen, und auch das Sprachvermögen kehrte weitgehend zurück.

Ab Mitte Februar aber wütete das Coronavirus in Woods Heim. "Als sie mit Fieber daniederlag, gerieten wir sofort in Panik", gab Kate Neidigh die Stimmung in der Familie wieder. Die schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Am 5. März wurde Wood ins Harborview-Krankenhaus in Seattle gebracht und positiv auf das Coronavirus getestet. Nach der Erzählung von Kate Neidigh war die Familie schwer geschockt, dass das "Monster" die alte Dame heimgesucht hatte. Denn sämtliche Nachrichten und Behördenangaben über das Virus "ließen uns glauben, dass dies ein Todesurteil war".

"Unsere Kriegerin ist müde"

Doch nur drei Tage später verkündete Cami Neidigh: "Dieses unbeugsame alte Blässhuhn geht nicht kampflos unter!" Denn: "COVID ist sehr ernst, aber seien wir Realisten, es ist nicht die Pest." Am 9. März hatte die Patientin starken Husten und Fieber. Allerdings war sie in der Lage, mit Gehilfe ins Bad zu laufen. "Es tut weh, aber sie sagt, dass es ist, wie es nun mal ist", erzählte ihre Tochter. Ihrer Familie versprach sie, stark zu bleiben. Am Abend schien der Kampf dennoch verloren. Der Arzt bat die engsten Angehörigen, ins Krankenhaus zu kommen: "Sieht nicht gut aus."

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Am nächsten Morgen teilte Cami Neidigh der Familie mit: "Das alte Blässhuhn kämpft immer noch wie verrückt." Der behandelnde Arzt dämpfte die Hoffnung, die Tochter warnte ihn, ihre "sture und starke" Mutter zu unterschätzen. Noch am selben Tag besserte sich der Zustand der Hochbetagten. "Ihre Stimmung ist positiv." Trotzdem war klar: "Die Chancen stehen nicht zu ihren Gunsten." So ging die emotionale Achterbahnfahrt weiter. Wieder ein paar Stunden später konnte die Tochter verkünden, dass ihre Mutter maximalen Sauerstoffgehalt in der Lunge hat. Außerdem: "Sie hat ihren Morgenkaffee getrunken."

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Am 11. März notierte Cami Neidigh: "Unsere Kriegerin ist müde." Sie bat darum, ihre engsten Verwandten sehen zu dürfen, die Klinik erlaubte es unter scharfen Schutzmaßnahmen. "Sie wollte uns sagen, wie sehr sie uns liebte, wie stolz sie auf uns war und von jedem von uns Abschied nehmen." Später erzählte Woods Tochter: "Wir konnten ihre Hand durch Latexhandschuhe halten, durften uns aber nicht umarmen." In der Lokalzeitung "Kirkland Reporter" sagte sie: "Es war ein Geschenk und gleichzeitig grausam." Der Zustand besserte sich weiter. Am 12. März ließ Cami Neidigh ihr Umfeld wissen: "Mama hat sich letzte Nacht gut ausgeruht und hatte heute einen wirklich guten Tag." Der Arzt zeigte sich erstmals vorsichtig optimistisch. "Er hofft, dass sie uns alle zum Narren hält."

Die Genesung schritt weiter voran. "Alle Krankenschwestern und Ärzte lieben sie und kämpfen für sie. Sie wollen, dass sie die erste 90-Jährige ist, die das Covid-Virus in den Arsch tritt!!" Schon am 13. März freute sich die Tochter: "Dieses harte alte Blässhuhn aus Texas hat alle schockiert!" Ihre Mutter wurde ab sofort wie ein gewöhnlicher Patient behandelt. Einmal wünschte sich die alte Frau eine Sprite. Dazu sagte sie laut den Berichten: "Ich bin noch nicht tot! Ich werde verdursten, bevor ich an diesem Coronavirus sterbe!" Der Appetit kam zurück, vor allem hatte sie Heißhunger auf Kartoffelsuppe nach Art der Familie, die scheinbar so etwas wie ein Lebenselixier ist.

Der Husten wird wohl bleiben

Wood fühlte sich jeden Tag ein bisschen stärker. "Das einzige Schmerzmittel, das sie bekommt, ist für ihre Hüfte", berichtete die Tochter und ahnte, womit es auch zu tun hatte: "Es ist die Kartoffelsuppe!!! Sie wusste, dass sie sie brauchte, damit es ihr besser geht. Es funktioniert und der Arzt und die Krankenschwestern wollen das Rezept!" Die Mediziner reduzierten nach und nach die Sauerstoffzufuhr. Der "Kirkland Reporter" berichtete unter Berufung auf die Familie: "Am 17. März kam Wood vollständig ohne Sauerstoffgerät aus und sie hatte nur noch wenige Symptome. Am selben Tag wurde sie negativ auf Coronavirus getestet."

Der Husten hält an, weshalb die Ärzte die Patientin nicht für beschwerdefrei erklären können, wie Kate Neidigh ntv.de in der Nacht zum Sonntag berichtete. "Der Arzt glaubt jedoch, dass der Husten den Rest ihres Lebens als Folge der Viruserkrankung bleiben wird. Es scheint nicht so, dass sie Sauerstoff braucht, was prima ist." Sie sagte: "Ein Problem ist, ein Reha-Zentrum zu finden, das das Risiko eingeht, Geneva aufzunehmen. Denn wie es aussieht, könnte sie nächste Woche entlassen werden."

Cami Neidigh betonte: "Dieses Virus zu bekommen, ist nicht zwangsläufig ein Todesurteil für ältere Menschen oder irgendjemanden." Und Kate Neidigh sagte zu dem glücklichen Ende des Dramas: "Jetzt ist es eine Geschichte des Überlebens."

Quelle: ntv.de