Mutmaßliche Helferin vor GerichtZschäpe: Susann E. wusste nichts von NSU-Morden

Susann E., langjährige Vertraute der NSU-Terroristin Beate Zschäpe, steht in Dresden vor Gericht. Sie soll der Neonazi-Zelle geholfen haben, etwa mit Ausweis und Krankenkassenkarte. Von den Morden habe sie aber nichts gewusst, behauptet Zschäpe nun.
Die mutmaßliche NSU-Vertraute Susann E. soll laut Aussage der Rechtsterroristin Beate Zschäpe nicht von den Morden der Neonazi-Terrorzelle gewusst haben. Susann E. habe lediglich Kenntnis von Banküberfällen gehabt und sei davon ausgegangen, dass sich das Trio nach Ablauf der Verjährungsfrist stelle, sagte die 51-Jährige am dritten und letzten Tag ihrer Zeugenvernehmung am Oberlandesgericht (OLG) Dresden.
Die Vorsitzende Richterin Simone Herberger merkte an, dass das nicht mit der Tatsache zusammenpasse, dass das Trio auch weiter Banküberfälle durchführte. "Die Nachfragen waren nicht so groß, was für uns natürlich praktisch war", antwortete Zschäpe.
Susann E. ist die Ehefrau des bereits verurteilten NSU-Unterstützers André E. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr ebenfalls vor, dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geholfen zu haben, etwa indem sie Zschäpe ihre Krankenkassenkarte und ihre Personalien zur Verfügung gestellt haben soll. Zudem war sie laut Anklage an der Abholung eines Wohnmobils, das der NSU am 4. November 2011 bei seinem letzten Raubüberfall in Eisenach verwendete, beteiligt. Seit spätestens Anfang 2007 soll E. von den rassistisch motivierten Morden des NSU gewusst haben. Das OLG hat weitere Verhandlungstermine bis Mitte Juni angesetzt.
E.s Ausweis in den Urlaub mitgenommen
Beim Campingurlaub an der Ostsee habe sie einmal den Personalausweis von Susann E. dabei gehabt, um sich während der längeren Abwesenheit unterwegs ausweisen zu können oder auch um das Dokument als Pfand etwa beim Ausleihen eines Tandemfahrrads hinterlegen zu können, gab Zschäpe nun an. Wie es zur Übergabe kam und ob durch André oder Susann E., konnte sie nicht mehr festmachen. Auch in welchem Jahr sie den Ausweis mitnahm, wusste sie nicht mehr. Bereits an den ersten beiden Terminen ihrer Aussage hatte Zschäpe berichtet, den Ausweis der Angeklagten verwendet zu haben, etwa um sich bei der Polizei für eine Zeugenvernehmung wegen eines Nachbarschaftsstreits auszuweisen.
Gegen Ende ihrer Vernehmung genehmigte Zschäpe die Entbindung ihres Zahnarztes und dessen Arzthelferinnen von deren ärztlicher Schweigepflicht. Das Gericht will sie in der Verhandlung als Zeugen vernehmen. Zschäpe soll 2008 und 2009 für Behandlungen in der Praxis in Zwickau die Krankenkassenkarte der Angeklagten verwendet haben.
Die Neonazi-Terrorzelle NSU bestand aus Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Ab dem Jahr 2000 verübten sie jahrelang unerkannt zehn Morde in ganz Deutschland. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin. Mundlos und Böhnhardt verletzten zudem Dutzende Menschen bei zwei Bombenanschlägen in Köln. Die beiden töteten sich 2011 in Eisenach, um ihrer Festnahme zu entgehen. Erst dann flog der NSU auf. Zschäpe verurteilten die Richter des OLG München 2018 nach gut fünf Jahren Prozessdauer zu lebenslanger Haft.