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Marine beendet Leichenbergung 845 Menschen ertranken vor Libyens Küste

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Das Wrack des gesunkenen Bootes im Nato-Marinestützpunkt im italienischen Augusta.

(Foto: REUTERS)

Im April 2015 stößt vor Libyen ein Flüchtlingsboot mit einem Frachter zusammen. Inzwischen hat die Marine 845 Leichen geborgen. Begreift man das Mittelmeer als europäisches Gewässer, wäre es die zweitschlimmste Schiffskatastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die italienische Marine hat insgesamt 675 Leichen aus dem Wrack des Flüchtlingsbootes geborgen, das im April vergangenen Jahres im Mittelmeer gekentert war. Allein 458 Tote entdeckten die Einsatzkräfte im Frachtraum des Schiffes, wie die Marine zum Abschluss des Einsatzes bekanntgab. Das Wrack war Anfang Juli vom Meeresgrund gehoben worden, nachdem es am 18. April 2015 vor der Küste Libyens gesunken war. 170 Leichen waren bereits direkt nach der Katastrophe geborgen worden, 28 Menschen überlebten.

Italiens Regierungschef Matteo Renzi hatte nach dem Unglück angekündigt, das Wrack bergen zu lassen, um der ganzen Welt das Elend der Flüchtlinge vor Augen zu führen. Nun ist klar, dass mindestens 845 Menschen ums Leben kamen; damit ist das Kentern des Bootes eines der schlimmsten Schiffsunglücke im Mittelmeer nach dem Zweiten Weltkrieg. Die opferreichste europäische Schiffskatastrophe der Nachkriegszeit war der Untergang der Estonia mit 852 Toten. Die Fähre sank 1994 in der Ostsee.

Möglichst viele Opfer sollen identifiziert werden

Der als Flüchtlingsboot dienende Fischkutter war in der Nacht zum 19. April 2015 im Mittelmeer beim Zusammenstoß mit einem Frachter gesunken, dessen Besatzung den Flüchtlingen eigentlich helfen wollte. Von den knapp 900 Flüchtlingen, die bei der Abfahrt in Libyen an Bord waren, überlebten nur 28.

Die Leichen, die mehr als ein Jahr in dem Schiff gelegen hatten, werden in Sizilien obduziert. Dort sollen möglichst viele der toten Flüchtlinge identifiziert werden. Anhand persönlicher Gegenstände und Dokumente konnte bereits festgestellt werden, dass Menschen aus Äthiopien, Eritrea, Bangladesch, dem Sudan, Somalia, Mali, Gambia, dem Senegal, der Elfenbeinküste und Guinea an Bord waren. Unter den Toten waren nach Angaben der Marine auch einige Kinder.

Die italienische Marine hatte das Boot mit den verbliebenen Toten aus 370 Metern Tiefe gehoben und vor zwei Wochen nach Sizilien geschleppt. Feuerwehrleute brachten die Toten in ein 600 Quadratmeter großes Kühlzelt neben einem Nato-Marinestützpunkt bei Augusta. Nach Klärung der Identität der Toten mit Hilfe von Gerichtsmedizinern sollten sie auf Friedhöfen in Sizilien beigesetzt werden.

Seit 2014 sind bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen, die meisten zwischen Libyen und Italien. Allein seit Jahresbeginn waren es mehr als 2800. Viele Flüchtlingsboote sind nicht seetauglich. Häufig werden sie von skrupellosen Schleppern völlig überladen losgeschickt.

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa/AFP

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