Politik

Bundeswehr-Einsatz vor dem Ende AKK: Verlassen Afghanistan zusammen mit USA

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Kramp-Karrenbauer zu Besuch bei der Truppe in Afghanistan im Februar.

(Foto: picture alliance/dpa/Bundeswehr)

US-Präsident Biden kündigt einen vollständigen Abzug der US-Armee aus Afghanistan bis zum 11. September an. Der Beschluss beschäftigt am Mittwoch auch die NATO. Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer erwartet ein gemeinsames Ende des Einsatzes.

Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan dürfte in diesem Herbst zu Ende gehen. Nachdem US-Präsident Joe Biden einen vollständigen Truppenabzug bis zum 11. September angekündigt hat, will sich am Nachmittag auch das Verteidigungsbündnis NATO mit dem weiteren Einsatz befassen. "Wir werden heute Nachmittag ein Sondertreffen in Brüssel der NATO dazu haben, Verteidigungs- und Außenminister", sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Mittwochmorgen in der ARD. Auf die Frage, ob die Bundeswehr das Land zusammen mit den USA verlassen werde, erklärte die CDU-Politikerin: "Wir haben immer gesagt: Wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus", sagte AKK. "Wir stehen für einen geordneten Abzug und deswegen gehe ich davon aus, dass wir das heute so beschließen."

Biden will spätestens bis zum 11. September alle US-Truppen aus Afghanistan vollständig abziehen - rund viereinhalb Monate später als von seinem Vorgänger Donald Trump angestrebt. Ein US-Regierungsvertreter nannte am Dienstag den 20. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 als Schlusspunkt des Abzugs. Trump hatte den radikalislamischen Taliban einen Truppenabzug bereits zum 1. Mai in Aussicht gestellt.

Der Regierungsmitarbeiter sagte nun, ein geordneter Abzug der in Afghanistan verbliebenen US-Soldaten werde noch vor dem 1. Mai eingeleitet. Vor dem 11. September solle der Abzug abgeschlossen sein. Das Vorgehen werde mit den NATO-Partnern "koordiniert". Es gebe "keine Bedingungen" für den Abzug, sagte der Regierungsvertreter weiter. Einen Abzug an Voraussetzungen zu knüpfen, wie es in der Vergangenheit getan worden sei, würde letztlich dazu führen, dass die USA "für immer" in Afghanistan bleiben würden. Die Trump-Regierung hatte im Februar 2020 in Doha ein Abkommen mit den Taliban geschlossen, um den längsten Krieg der US-Geschichte zu beenden.

Auch Briten wollen abziehen

Die Taliban haben jedoch neue Attacken auf die westlichen Truppen angedroht, sollte das Abzugsdatum 1. Mai nicht eingehalten werden. Viele Beobachter fürchten neues Chaos in Afghanistan nach einem Abzug der westlichen Truppen. Die Friedensgespräche zwischen der Regierung in Kabul und den Taliban haben bisher nicht zum Erfolg geführt.

Die USA waren nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert. Zwischenzeitlich waren rund 100.000 US-Soldaten am Hindukusch im Einsatz. Derzeit sind es nach offiziellen Angaben noch rund 2500 US-Soldaten. Die Bundeswehr beteiligt sich mit etwa 1100 Soldatinnen und Soldaten am NATO-geführten Einsatz in dem Bürgerkriegsland.

Neben den USA plant auch Großbritannien einem Medienbericht zufolge einen Abzug seiner Truppen aus Afghanistan bis zum 11. September. Nahezu alle etwa 750 britischen Soldaten sollen aus dem Land zurück nach Hause beordert werden, meldete die "Times" am Dienstag. Ohne Unterstützung der USA würden sie sich in Afghanistan schwertun, da sie auf amerikanische Stützpunkte und Infrastruktur angewiesen seien. Ähnlich verhält es sich auch mit der Bundeswehr, die nur noch zu Ausbildungs- und Beobachtungszwecken im Land ist.

AKK warnt vor Kreml-Provokation

Die NATO hat kurzfristig für Mittwoch ein außerordentliches Ministertreffen einberufen. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg empfängt nach Angaben des Militärbündnisses zunächst US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und US-Außenminister Antony Blinken. Zudem wurde eine Videokonferenz der Außen- und Verteidigungsminister aller NATO-Länder angesetzt. Die Beratungen werden sich voraussichtlich vor allem um die angespannte Lage in der Ostukraine und die massiven Truppenbewegungen Russlands in der Grenzregion zur Ukraine drehen.

Kramp-Karrenbauer kritisierte, dass Russland nicht die etablierten Kanäle zur Anmeldung von Militärmanövern genutzt habe, um ungewollte Eskalationen zu vermeiden. "Das schafft kein Vertrauen", sagte Kramp-Karrenbauer. Die Ministerin dankte der ukrainischen Regierung, dass sie auf den Aufmarsch russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine "besonnen" reagiert habe. "Mein Eindruck ist, dass die russische Seite alles versucht, um Reaktionen zu provozieren."

Quelle: ntv.de, shu/AFP/rts

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