Politik

Geiseldrama auf den Philippinen Abu Sayyaf ermordet entführten Kanadier

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Aufnahmen der entführten Kanadier.

(Foto: AP AP)

Ende September entführen Abu-Sayyaf-Terroristen auf den Philippinen mehrere Kanadier. Sie fordern Lösegeld in Millionenhöhe. Die Regierung versucht die Gefangenen zu befreien – doch nun haben die Entführer wieder einen ermordet.

Die Terrororganisation Abu Sayyaf hat nach eigenen Angaben einen zweiten entführten Kanadier auf den Philippinen ermordet. Die Zeitung "Daily Inquirer" zitiert auf ihrem Online-Portal einen Sprecher von Abu Sayyaf mit entsprechenden Angaben. Ein Ultimatum zur Lösegeldzahlung sei verstrichen. Es gebe deutliche Hinweise, dass der im vergangenen September gemeinsam mit einem Landsmann verschleppte Kanadier von seinen Entführern getötet worden sei, sagte auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau.

Das Militär bestätigte den Tod des 50-Jährigen bislang nicht. Der Mann war im September 2015 mit drei anderen aus einem Jachthafen vor Davao im Süden der Philippinen entführt worden. In Videobotschaften forderten die Geiselnehmer hohe Lösegelder und drohten damit, ihre Opfer zu töten. Ende April hatten die Extremisten bereits einen mit ihm entführten Kanadier ermordet. In ihrer Gewalt sind noch ein Norweger und eine Philippinerin. Im jüngsten Fall hatten die Geiselnehmer erklärt, der Mann werde getötet, wenn bis Montag nicht umgerechnet 5,8 Millionen Euro Lösegeld gezahlt werde.

Die Regierung hatte erst vergangene Woche eine neue Offensive gestartet, um die Geiseln zu befreien. Truppen waren auf der Insel Jolo im Einsatz, wo sie das Geiselversteck vermuteten. Bis Montag gab es keine Hinweise, dass sie den Terroristen auf der Spur waren. Vergangene Woche ließ Abu Sayyaf vier Malaysier frei, die sie beim Überfall auf ein Schleppboot im April in ihre Gewalt gebracht hatte. Nach unbestätigten Berichten floss Lösegeld.

Terroristen machen Kasse mit Entführungen

Die Abu-Sayyaf-Miliz ist für einige der schwersten Terrorangriffe auf den Philippinen verantwortlich. Sie entführt seit Jahren Ausländer, um Lösegeld zu erpressen. Im Sommer 2014 schworen ihre Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue.

Die Miliz wurde in den 90er-Jahren mit Geld von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden gegründet. Die Gruppe wurde durch die Entführung vieler Ausländer bekannt, nach Behördenangaben hält sie derzeit noch mehr als 20 Ausländer in ihrer Gewalt, darunter neben malaysischen und indonesischen Seeleuten einen niederländischen Ornithologe.

Im Frühjahr 2000 machte die Extremistengruppe mit der Verschleppung von elf westlichen Ausländern Schlagzeilen, darunter die Göttinger Familie Wallert. Wie die Gruppe freikam, wurde nie öffentlich geklärt. Im Oktober 2014 ließ Abu Sayyaf zwei Deutsche nach einem halben Jahr in Geiselhaft frei. Die Islamisten erklärten, sie hätten mehr als fünf Millionen Dollar Lösegeld für das Paar erhalten.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP