Politik

Gesprächsangebot von ZMD-Chef AfD-Frau gibt Mazyek einen Korb

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AfD-Vorstandsmitglied Alice Weidel findet nicht gerade diplomatische Worte für ihre Absage.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Muslimvertreter sucht Aiman Mazyek das Gespräch mit der AfD-Spitze. Doch ein geplantes Treffen könnte jetzt platzen. Der Grund: AfD-Vorstandsmitglied Alice Weidel möchte nicht mit Mazyek reden - und bezeichnet dessen Einladung als "scheinheilig".

AfD-Vorstandsmitglied Alice Weidel hat ihre Teilnahme an einem für kommenden Montag geplanten Treffen mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, abgesagt. Der Grund: Für eine vernünftige Diskussion über den Islam in Deutschland sei Mazyek "nicht der richtige Gesprächspartner".

"Frau Weidel hält einige Aussagen von Herrn Mazyek für nicht tragbar", bestätigte ein Parteisprecher auf n-tv.de Nachfrage - dazu gehört offenbar auch der jüngste NSDAP-Vergleich des Zentralratsvorsitzenden. Parteichefin Frauke Petry sei bereits am Montag informiert worden. In einem Brief, aus dem die "Bild"-Zeitung zitiert, wird Weidel deutlicher. Mazyeks Einladung sei schlichtweg "scheinheilig" gewesen.

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Aiman Mazyek.

(Foto: picture alliance / dpa)

Konkret stört sich Weidel an Texten, die auf der Website "islam.de" veröffentlicht worden sind. Dort könne man "die eklatante Benachteiligung der Frau im Falle einer Trauung und Scheidung Schwarz auf Weiß nachlesen." "Und nicht nur das", schreibt Weidel weiter. "Bezüge zur deutschen Rechtsprechung und grundsätzlichen Gleichheit vor dem Gesetz sucht man vergebens." Mazyek hatte das Internetportal vor 20 Jahren gegründet - bis 2010 war er Chefredakteur.

Die Tatsache, dass der 47-Jährige mittlerweile seit sechs Jahren nicht mehr für die Inhalte der Website verantwortlich ist, hält Weidel offenbar nicht davon ab, ihm eine frauenfeindliche Ideologie zu unterstellen. Und auch die Distanz des Zentralrats zur Scharia - dem in Europa umstrittenen islamischen Recht - stellt die AfD-Politikerin infrage. "Bis heute hat sich dieser Verein nicht von den Steinzeit-Praktiken der Scharia distanziert", behauptet Weidel.

Mazyek - der "Talkshow-Dauergast"

Anstatt etwas gegen die Radikalisierung in den Moscheen zu unternehmen, schalte sich Mazyek "als Talkshow-Dauergast" in fast jede Debatte ein. Dabei könne er keineswegs für alle Muslime in Deutschland sprechen - denn: Der Zentralrat vertritt tatsächlich mit rund 15.000 Mitgliedern nur einen kleinen Teil der über vier Millionen deutschen Muslime. Statt also mit der AfD zu sprechen, rät Weidel, solle sich Mazyek besser "um die echten Probleme von Parallelgesellschaften und von Muslimen, die er in Deutschland zu vertreten vorgibt, kümmern".

Mazyek hatte AfD-Chefin Frauke Petry Ende April zur ZMD-Vorstandssitzung eingeladen - und gefragt: "Wir wollen wissen: Warum hassen Sie uns Muslime?" Ob das Treffen nun überhaupt noch stattfindet, ist offen. Nach Angaben des Parteisprechers gab es bisher keine Reaktion von Mazyek auf den Weidel-Brief. Frauke Petry und Vorstandsmitglied Albrecht Glaser würden aber weiterhin an dem Treffen festhalten wollen.

Von Storch pocht aufs Grundgesetz

Von dem Gespräch verspricht sich übrigens auch Parteivize Beatrix von Storch ein klares Bekenntnis Mazyeks zum Grundgesetz. "Voraussetzung für Gespräche ist die dauerhafte und vor allem uneingeschränkte Anerkennung des Grundgesetzes und aller Grundrechte", sagte von Storch. Mazyek sehe das Grundgesetz bisher nur als "vorübergehend einzuhaltenden Vertrag" an, behauptete sie und forderte eine Distanzierung des Zentralverbands von der sogenannten Kairoer Erklärung, die alle Menschenrechte unter den Vorbehalt der Scharia stelle.

"Wenn es Mazyek ehrlich meint mit einer grundgesetzkonformen Auslegung des Islam, dann muss er sich auch von der Kairoer Erklärung distanzieren", sagte von Storch. Die AfD hatte Anfang Mai ein Parteiprogramm verabschiedet, in dem es heißt, "der Islam gehört nicht zu Deutschland".

Quelle: ntv.de, jug/dpa