Politik

Politologe erklärt Parteierfolg AfD etabliert sich trotz Dauerzoff

c00019b1eca63ef0a7f675e36ffd7528.jpg

Die Streitigkeiten zwischen Meuthen und Petry konnten der AfD offenbar nichts anhaben.

(Foto: dpa)

Seit Monaten sagen Experten das Ende der AfD voraus. Doch auch die jüngsten Streitigkeiten von Petry und Meuthen können der Partei nichts anhaben. Ein Politologe erklärt: Die AfD profitiert nicht von seinen Politikern, sondern von der Stimmung im Land.

Der Dauerstreit zwischen Spitzenpolitikern der AfD wird nach Einschätzung des Politologen Wolfgang Schroeder nicht zu einem baldigen Ende der Partei führen. "Die zum Teil unglaublich heftigen Personalquerelen der AfD haben nicht zu einem starken Rückgang der Unterstützung für diese Partei geführt", sagte der in Kassel lehrende Politikwissenschaftler.

Viele AfD-Wähler entschieden sich ohnehin nur für die AfD, um ihren Protest auszudrücken - da seien Personalien nebensächlich. "Anders als bei den anderen Parteien sind bei der AfD die handelnden Personen nicht so wichtig", stellte Schroeder fest. Bedeutender sei die "Stimmung".

Für die im Bundestag vertretenen Parteien sei es nicht leicht, sich gegen die AfD zur Wehr zu setzen, "da die Ursachen für einige der aktuellen Probleme und Konflikte außerhalb von Deutschland liegen", erklärte Schroeder. In der Bevölkerung sei derzeit "eine veritable Unzufriedenheit mit dem Erscheinungsbild der Politik und mit den Ergebnissen der Politik" spürbar.

AfD sitzt in 8 von 16 Landtagen

Die AfD ist bereits in 8 von 16 Landtagen vertreten, laut Umfragen wird sie im September auch in die Landesparlamente von Mecklenburg-Vorpommern und Berlin einziehen. Streit gab es zuletzt unter anderem zwischen Petry und dem zweiten AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen sowie in den Landesverbänden von Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg.

Nach Einschätzung von Schroeder prägen vor allem Petry und der stellvertretende Parteivorsitzende Alexander Gauland das Image der AfD. Gauland könne zugespitzt formulieren und mit seiner langjährigen Erfahrung in der CDU "den Eindruck erwecken, dass er weiß, wo es langgeht", sagte Schroeder, der Mitglied der SPD-Grundwertekommission ist. In den Landtagen, in denen sie bereits vertreten sei, falle die AfD insgesamt aber eher auf "durch mangelnde Professionalität und Rüpelhaftigkeit, oder man hört gar nichts von ihr". Die AfD sei das bislang "aussichtsreichste Projekt" im rechten Spektrum, erklärte Schroeders Kollege Oliver D'Antonio.

Für "neoliberale Projekte" wie die AfD-Abspaltung Alfa sieht der Politikwissenschaftler der Universität Kassel dagegen kaum Chancen. Die AfD profitiere vom Zeitgeist und davon, dass die CDU einige ihrer alten Positionen geräumt habe, sagte D'Antonio. Vor allem die relativ liberale Familienpolitik unter Ministerin Ursula von der Leyen habe viele rechtskonservativ eingestellte Wähler "verstört".

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa