Fragwürde Pappfiguren in PotsdamAfD holt Bismarck, Hindenburg und Wilhelm II. ins Parlament

Kaiser, Reichskanzler und "Hitlers Steigbügelhalter": Die Brandenburger AfD schickt historische Pappfiguren ins Rennen um Aufmerksamkeit. Fraktionschef Berndt warnt davor, die Personen zu "dämonisieren".
Die AfD-Landtagsfraktion in Brandenburg greift für öffentliche Veranstaltungen bis in die Geschichte des Deutschen Reiches zurück: Pappfiguren in Lebensgröße zeigen neben den AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla auch Reichskanzler Otto von Bismarck, Reichspräsident Otto von Hindenburg und Kaiser Wilhelm II. Sie kommen zum Beispiel zum Einsatz bei Veranstaltungen wie der Langen Nacht des Parlaments am vergangenen Freitag.
Paul von Hindenburg (1847-1934) untergrub im Ersten Weltkrieg als Chef der Obersten Heeresleitung ab 1916 schleichend die Autorität des Kaisers. Die These von einem "Dolchstoß" in den Rücken des Heeres machte Hindenburg ein Jahr nach Kriegsende vor einem Untersuchungsausschuss publik. 1925 wurde er erstmals zum Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt. Vielen gilt er heute vor allem als "Steigbügelhalter Hitlers", den er zum Reichskanzler machte und damit die Diktatur erst ermöglichte. Am "Tag von Potsdam" 1933 reichte Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler in Potsdam die Hand.
Das Wirken von Bismarck (1815-1898) wird sehr unterschiedlich beurteilt. Er trieb die Gründung des Deutschen Reiches voran und führte Sozialversicherungen ein, ging aber gegen die katholische Kirche und mit Verboten gegen die Sozialdemokratie vor. Und Wilhelm II. (1859-1941) war der letzte deutsche Kaiser, seine Bedeutung wird kontrovers beurteilt. Er trug zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs bei.
AfD-Fraktionschef Hans-Christoph Berndt warnte davor, die Personen der Geschichte zu "dämonisieren". "Hindenburg war halt der einzige frei gewählte Präsident des Deutschen Reiches", sagte Berndt, als er zu Hindenburg gefragt wurde. Er sei "schon jemand, der zur Stabilisierung in den 20er Jahren sehr beigetragen hat". Über Wilhelm II. sagte Berndt: "Er hat wie wir alle seine Fehler gehabt, aber er war auch nicht der Teufel."
Die "Pappkameraden" seien mit Augenzwinkern aufgestellt worden, um sich mit ihnen fotografieren zu lassen. "Es soll jetzt keine Heldenverehrung sein." Der Verfassungsschutz Brandenburg stuft die AfD im Land als gesichert rechtsextremistisch ein. Dagegen geht die Partei juristisch vor.