Politik

"Rechtsextremes Netz gebildet" Anführer sollen aus Cottbus stammen

116525924.jpg

Die rechte Szene in Cottbus gilt als besonders gewaltbereit.

(Foto: picture alliance/dpa)

Tattoo-Studios, Kampfsportschulen und Hitler-Becher: Monatelang ermittelt die Polizei gegen rechte Netzwerke und schlägt dann mit einer Razzia zu. Die mutmaßlichen Führer einer rechtsextremen Vereinigung sollen im Raum Cottbus sitzen. Gegen 16 Personen besteht dringender Tatverdacht.

Nach den Razzien in vier ostdeutschen Bundesländern wegen der mutmaßlichen Bildung einer rechtsextremen Vereinigung haben die Ermittler einen dringenden Tatverdacht gegen 16 Menschen aus dem Raum Cottbus. Insgesamt 410 Polizisten durchsuchten am Vortag 33 Wohnungen und Gewerberäume, sagte Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke in Potsdam. Die deutschen Tatverdächtigen kommen aus dem Milieu von Hooligans, Kampfsportlern und Rechtsextremen.

Ziel der Gruppe seien "Straftaten zum Nachteil von Journalisten, politisch Andersdenkenden und Ausländern" gewesen, sagte Mörke. Konkret wurden fünf Journalisten als gefährdet betrachtet, mit denen die Ermittler zu deren Schutz Kontakt aufgenommen hätten. Bei den Ermittlungen habe sich auch gezeigt, dass sich innerhalb der Gruppierung offenbar eine sogenannte "schnelle Einsatztruppe" gebildet habe, die bei "Notfällen" unter anderem "mit Kanaken abrechnen" sollte. Alle Beschuldigten seien zuvor polizeilich bekannt gewesen.

1068a694510a1850ed3cdb40c8be8ca5.jpg

Razzien in vier ostdeutschen Bundesländern: Die Polizei schlägt nach monatelangen Ermittlungen zu.

(Foto: dpa)

Die mutmaßliche Führungsriege der Gruppe bestehe aus fünf Deutschen zwischen 28 und 35 Jahren aus dem Raum Cottbus. Insgesamt würden 20 Menschen zwischen 22 und 45 Jahren aus dem Raum Cottbus und dem Spree-Neiße-Landkreis verdächtigt, erläuterte Landesinnenminister Karl-Heinz Schröter. Auch an den gewalttätigen Ausschreitungen in Chemnitz im vergangenen Jahr seien Mitglieder der Gruppierung beteiligt gewesen, sagte der sozialdemokratische Minister.

Konkret werden den Verdächtigen 50 Taten vorgeworfen, darunter Körperverletzung und Verstöße gegen das Waffengesetz. Der Verdacht wegen weiterer 39 Taten soll mithilfe der beschlagnahmten Gegenstände erhärtet werden. Die Ermittlungen hatten mehr als ein Jahr gedauert.

Ermittler: Neue Form der organisierten Kriminalität

Bei Durchsuchungen, die vor allem in Brandenburg stattfanden, beschlagnahmte die Polizei auch Material der Identitären Bewegung, Schlagringe und andere Waffen. Einige Gegenstände hatten einen nationalsozialistischen Bezug, wie etwa ein Becher mit einem Hakenkreuz.

Die Ermittler hätten bereits die Daten mehrerer Handys ausgewertet, erläuterte der leitende Oberstaatsanwalt in Cottbus, Bernhard Brocher. Darauf befanden sich demnach mehr als 500.000 Chatnachrichten, fast zehntausend Videos und 45.000 Bilder.

Die Szene in Cottbus gilt als besonders gewaltbereit. Laut "Tagesspiegel" macht den Ermittlern besonders die Geschäftstüchtigkeit der rechten Kreise Sorgen. Die Rechtsextremisten hätten ihre eigenen wirtschaftlichen Grundlagen geschaffen - mit florierenden Sicherheitsfirmen, Tattoostudios, Kleidungsmarken und dem Vertrieb rechtsextremistischer Musik, schreibt die Zeitung mit Verweis auf die Polizei Brandenburg. Ermittler sprechen demnach von einer "neuen Qualität der organisierten Kriminalität". Die Sicherheitsbehörden sähen die Gefahr, dass sich in Cottbus ein Milieu verfestigt.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa