Politik

Der Kriegstag im Überblick Angst vor Atomkatastrophe nach erneutem AKW-Beschuss - Kiew will 52.000 Kinder evakuieren

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Eine Mutter besteigt mit ihrem Baby einen Evakuierungszug im Donbass.

(Foto: IMAGO/ZUMA Wire)

Europas größtes Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine gerät erneut unter Beschuss. Kiew und Moskau beschuldigen sich gegenseitig, die Sorge vor einer nuklearen Katastrophe wächst und die USA fordern eine entmilitarisierte Zone. Derweil will die ukrainische Regierung 220.000 Menschen aus dem Donbass evakuieren und Bundeskanzler Olaf Scholz prangert russische Kriegsverbrechen an. Für die Ukraine ist es der 169. Tag ihrer Abwehr der russischen Invasion.

Saporischschja erneut unter Beschuss

Im Ukraine-Krieg wächst angesichts anhaltender Angriffe auf das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja die Sorge vor einer nuklearen Katastrophe. Moskau und Kiew machten einander für neue Angriffe in der Nähe des AKW verantwortlich. Vor einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur Lage bei Saporischschja warnte UN-Generalsekretär António Guterres vor einem "möglichen Desaster" mit "katastrophalen Folgen". Bei den erneuten Raketenangriffen wurden dem staatlichen ukrainischen Energiekonzern Energoatom zufolge mehrere Strahlungssensoren in der Nähe von einem der sechs Reaktoren beschädigt. "Die Situation verschärft sich, in der Nähe befindet sich radioaktives Material", erklärte Energoatom im Online-Dienst Telegram. Zudem hätten die Angriffe eine Abwasserpumpstation beschädigt, in deren Nähe steige dichter Rauch auf.

USA fordern entmilitarisierte Zone

Die USA unterstützen Forderungen nach einer entmilitarisierten Zone rings um das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine. In der Nähe des AKW kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen russischen und ukrainischen Streitkräften. Das Gelände des AKW wurde bereits mehrfach getroffen, wofür beide Seiten einander verantwortlich machen. "Kämpfe in der Nähe eines Kernkraftwerks sind gefährlich und unverantwortlich", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. "Wir fordern Russland weiterhin auf, alle Militäreinsätze in oder in der Nähe ukrainischer Kernkraftwerke einzustellen und die volle Kontrolle an die Ukraine zurückzugeben. Und wir unterstützen die ukrainischen Forderungen nach einer entmilitarisierten Zone um das Kernkraftwerk herum."

Scholz prangert Kriegsverbrechen an

Bundeskanzler Olaf Scholz prangerte russische Kriegsverbrechen in der Ukraine an. Viele dieser Taten habe er "mit großem Entsetzen" zur Kenntnis genommen, sagte Scholz und betont mit Blick auf Wladimir Putin: "Der russische Präsident trägt die Verantwortung für diesen Krieg." Die Frage, ob sich Putin deshalb persönlich verantworten werden müsse, beantwortete Scholz allerdings nicht.

Kiew will 52.000 Kinder aus Donbass evakuieren

Die ukrainische Regierung will noch vor Wintereinbruch zwei Drittel der Einwohner in den von ihr beherrschten Gebieten im Donbass evakuieren. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk erklärte, rund 220.000 Menschen, darunter 52.000 Kinder, sollten aus den Kampfgebieten gebracht werden. Die Regierung fürchtet, dass die Menschen unter anderem wegen der Schäden an der Infrastruktur nicht werden heizen können. Im Donbass im Osten der Ukraine wird besonders heftig gekämpft.

1,5 Milliarden Euro für militärische Hilfe

Bei der Geberkonferenz in Kopenhagen zur Finanzierung militärischer Hilfen für die Ukraine sind nach Angaben des dänischen Verteidigungsministers Morten Bodskov über anderthalb Milliarden Euro zusammengekommen. An der Konferenz hatten sich 26 Länder beteiligt. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace erklärte, die russische Armee erreiche in vielen Bereichen ihre Ziele nicht. Es sei unwahrscheinlich, dass es ihr je gelingen werde, das ganze Land zu erobern.

Lettland bezichtigt Russland des Völkermordes

Das lettische Parlament brandmarkt Russland wegen des Kriegs in der Ukraine offiziell als "staatlichen Terrorismus-Sponsor". Lettland stufe Russlands Vorgehen in der Ukraine als gezielten Völkermord am ukrainischen Volk ein, hieß es in einer Entschließung des Parlaments. Westliche Nationen werden darin aufgefordert, ihre militärische, finanzielle, humanitäre und diplomatische Unterstützung für die Ukraine zu verstärken und Initiativen zu unterstützen, die Russlands Vorgehen verurteilen. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba erklärte, er sei dankbar für die Resolution des lettischen Parlaments. Russland wies die Einstufung dagegen entschieden zurück.

Scholz bietet Polen erneut Waffen-Ringtausch an

Kanzler Scholz bot Polen eine rasche Einigung im Streit um einen Ringtausch von Waffen an, mit dem polnische Lieferungen an die Ukraine durch Ersatz aus Deutschland ausgeglichen werden sollen. Mit Tschechien sei ein solcher Tausch bereits finalisiert worden, mit anderen sei man kurz davor, sagte der SPD-Politiker vor der Bundespressekonferenz. "Auch für Polen gilt die Bereitschaft, dass wir das gerne machen. Und Vereinbarungen, wie wir sie mit Tschechien gemacht haben, mit der Slowakei anstreben, mit Griechenland machen, sind mit Polen auch möglich", betonte er. Ein solcher Ringtausch von Waffen ist mit Polen bislang nicht zustande gekommen. Die polnische Regierung hatte sich mit dem bisherigen Berliner Angebot von 20 Panzern vom Typ Leopard 2 mit Lieferung ab 2023 nicht zufrieden gezeigt.

Großbritannien liefert Mehrfachraketenwerfer

Großbritannien kündigte die Lieferung weiterer Mehrfachraketenwerfer an die Ukraine an, deren Geschosse eine Reichweite von bis zu 80 Kilometer haben. Diese "jüngste Tranche militärischer Unterstützung" werde es der Ukraine ermöglichen, sich "weiterhin gegen die russische Aggression" und den "willkürlichen Einsatz von Langstreckenartillerie" zu verteidigen, sagte Verteidigungsminister Ben Wallace. "Unsere anhaltende Unterstützung sendet eine sehr klare Botschaft: Großbritannien und die internationale Gemeinschaft sind weiter gegen diesen illegalen Krieg und werden Seite an Seite stehen und der Ukraine defensive militärische Hilfe leisten, um ihr zu helfen, sich gegen Putins Invasion zu verteidigen."

Russland akzeptiert Schweiz nicht mehr als neutralen Vermittler

Russland akzeptiert die Schweiz als neutralen Vermittler im Krieg mit der Ukraine nicht mehr. Die Schweiz sei kein neutraler Staat mehr, da sie sich den Sanktionen gegen Russland angeschlossen habe, sagte ein Vertreter des russischen Außenministeriums. Die Schweiz könne daher weder die ukrainischen Interessen in Russland, noch Moskaus Interessen in der Ukraine vertreten.

Russische Journalistin Owsjannikowa unter Hausarrest

Die durch ihren Live-Protest gegen den russischen Militäreinsatz in der Ukraine bekannt gewordene Fernsehjournalistin Marina Owsjannikowa wurde unter Hausarrest gestellt. Dieser gelte bis zum 9. Oktober, teilte ein Gericht in Moskau mit. Der 44-jährigen Owsjannikowa, die am Mittwoch festgenommen worden war, drohen wegen Diskreditierung der Armee bis zu zehn Jahre Haft. Seit Ende Juli wurde die zweifache Mutter bereits zwei Mal wegen "Diskreditierung" der Armee zu Geldstrafen verurteilt. Die Urteile bezogen sich insbesondere auf Veröffentlichungen in Onlinenetzwerken, in denen die Journalistin die Militäroffensive in der Ukraine kritisierte.

Weitere wichtige Texte zum Ukraine-Krieg:

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, dbe/rts

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