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Konflikt im Mittelmeer Angst vor Eskalation im Gas-Streit steigt

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Kriegsschiffe nehmen an einer griechisch-amerikanischen Militärübung südlich der Insel Kreta teil.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Streit um Gasvorkommen im Mittelmeer zwischen Griechenland und der Türkei steigt die Angst vor einer militärischen Auseinandersetzung. Bundeskanzlerin Merkel zeigt sich "besorgt". Außenminister Maas fordert ein Ende der Militärmanöver. Nun mischt sich auch US-Präsident Trump ein.

Alle Vermittlungsversuche sind bisher gescheitert: Der Gas-Streit zwischen Griechenland und der Türkei spitzt sich weiter zu. Bundesaußenminister Heiko Maas hat Griechenland und die Türkei nun aufgefordert, ihre Militärmanöver im östlichen Mittelmeer zu beenden. Dies sei die Voraussetzung für direkte Gespräche über die Gebietsansprüche der beiden Nato-Partner im Mittelmeer, sagte der SPD-Politiker zum Auftakt eines EU-Außenministertreffens in Berlin. "Sicherlich werden sich die Parteien nicht an den Tisch setzen, wenn sich Kriegsschiffe im östlichen Mittelmeer gegenüberstehen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich sehr besorgt über den Konflikt im Mittelmeer geäußert. Es seien Spannungen, "die uns sehr beunruhigen, weil sie auch zwischen Nato-Partnern stattfinden", sagte die CDU-Politikerin vor einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Berlin. Deutschland setze sich für Deeskalation ein und sie wolle mit Stoltenberg über den richtigen Weg in diese Richtung reden.

Dieser äußerte ebenfalls Sorgen und begrüßte die deutschen Vermittlungsversuche. Er selbst sei ebenfalls in ständigem Kontakt mit Griechenland und der Türkei. "Meine Botschaft ist, dass die Situation im Geist der Solidarität zwischen Verbündeten und auf der Grundlage internationalen Rechts gelöst werden muss", sagte er. Deeskalation und Dialog seien im Interesse aller Beteiligten.

Trump telefoniert mit beiden Parteien

Auch US-Präsident Donald Trump hat sich nun in den Streit eingemischt und mit dem griechischen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis über die angespannte Lage gesprochen. Das teilte das Büro des griechischen Regierungschefs mit. Mitsotakis habe Trump bei dem Telefonat darauf aufmerksam gemacht, dass die Aktionen der Türkei im östlichen Mittelmeer den Frieden, die Stabilität in der Region und den Zusammenhalt der Nato gefährdeten. Griechenland sei dazu bereit, zur Entspannung beizutragen - dies aber unter der Voraussetzung, dass die Türkei sofort ihre provokativen Aktionen einstelle, hieß es in der Mitteilung.

Trump telefonierte anschließend auch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, wie die Kommunikationsbehörde in Ankara mitteilte. Erdogan habe in dem Gespräch deutlich gemacht, dass die Türkei nicht die Seite sei, die für Instabilität sorge. Sein Land habe bereits mit konkreten Schritten bewiesen, dass es zum Dialog bereit sei.

Streit gilt als extrem gefährlich

Der Streit hatte sich an türkischen Erdgaserkundungen vor griechischen Inseln im östlichen Mittelmeer entzündet. Das Forschungsschiff "Oruc Reis" sucht dort begleitet von Kriegsschiffen nach Gas. Ankara argumentiert, dass das Gebiet zum Festlandsockel der Türkei gehöre. Der Türkei sind aber die griechischen Inseln Rhodos und Kastelorizo vorgelagert, weshalb das EU-Mitglied Griechenland das Seegebiet für sich beansprucht. Einen ähnlichen Konflikt gibt es um die Insel Zypern, vor deren Küste schon reiche Erdgasvorkommen entdeckt wurden.

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Deutschland versucht seit Wochen in dem Konflikt zu vermitteln - bisher ohne sichtbaren Erfolg. Anfang der Woche war Außenminister Heiko Maas nach Griechenland und in die Türkei gereist, konnte aber keine Entspannung erreichen. Am Tag darauf hielten beide Seiten Militärmanöver in der Region ab. Merkel hat mehrfach mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis telefoniert.

Der Streit gilt als extrem gefährlich. Selbst eine militärische Auseinandersetzung zwischen den beiden Nato-Bündnispartnern scheint möglich. Es kam bereits zu einem Zusammenstoß zwischen einem türkischen und einem griechischen Kriegsschiff. Am Rande des EU-Verteidigungsministertreffens in Berlin hieß es, dass es bereits am Freitag ein weiteres Telefonat zwischen Merkel und Erdogan geben könne. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst aber nicht. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell will bei einem EU-Außenministertreffen am Donnerstag und Freitag in Berlin Optionen für weitere Sanktionen gegen die Türkei präsentieren. Eine Entscheidung darüber wird aber erst beim nächsten Treffen der Minister im September erwartet.

Quelle: ntv.de, bea/dpa