Politik

Kurden fliehen aus Kirkuk Angst vor neuem Bürgerkrieg im Irak

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Vergangene Woche hatte die irakische Regierung einen Militäreinsatz gegen die Kurden noch ausgeschlossen.

(Foto: REUTERS)

Als Reaktion auf das kurdische Unabhängigkeitsreferendum rücken irakische Truppen in die Provinz Kirkuk ein. Die kurdischen Peschmerga-Einheiten sprechen von einer "Kriegserklärung", ziehen sich aber zurück. Tausende Menschen ergreifen die Flucht.

Im Irak wächst die Sorge vor einem Bürgerkrieg: Einheiten der irakischen Armee seien in die strategisch wichtige Stadt Kirkuk im Norden des Landes eingerückt, hieß es aus lokalen Sicherheitskreisen. Dort brachten sie das Gebäude der Provinzregierung sowie den Militärflughafen unter ihre Kontrolle. Irakische Kräfte eroberten auch das nahe gelegene Ölfeld Baba Gurgur, das bislang von Kurden kontrolliert wurde.

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Irakische Soldaten holten die kurdische Flagge bei Kirkuk ein. Stattdessen weht die irakische Flagge im Wind.

(Foto: REUTERS)

Kurdische Peschmerga-Einheiten leisteten kaum Widerstand. Ihr Kommando erklärte allerdings, der Angriff komme einer "Kriegserklärung" gleich und stehe unter iranischem Kommando. Die Peschmerga würden Kurdistan verteidigen.

Der Anti-IS-Koalition zufolge, die von den USA angeführt wird, kam es bei dem Vormarsch der irakischen Truppen auch zu Schusswechseln. Dabei soll es sich aber um ein Missverständnis gehandelt haben.

Tausende Menschen ergriffen als Reaktion auf die Offensive der irakischen Armee die Flucht. Vor allem kurdische Einwohner seien dabei, Kirkuk zu verlassen, berichtete die lokale Migrationsbehörde. Auf den Ausfallstraßen hätten sich lange Staus gebildet. Die Menschen versuchen demnach, in die kurdischen Städte Erbil und Sulaimanija zu gelangen.  

Drei gegen Kurdistan

Mit der Aktion reagiert der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi auf das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum der Kurden. Diese hatten sich im September mit überwältigender Mehrheit für die Abspaltung vom Irak ausgesprochen. Bagdad hatte das Referendum als verfassungswidrig abgelehnt und will keine Gespräche über eine Abspaltung führen.

Die großen Nachbarn Türkei und Iran unterstützen die Haltung der irakischen Regierung. Ankara und Teheran fürchten, ihre eigenen kurdischen Minderheiten könnten sich die irakischen Kurden zum Vorbild nehmen und ebenfalls aufbegehren. Um den Druck auf die kurdische Führung zu erhöhen, hatten die drei Regierungen bereits den Luftraum der Kurdengebiete geschlossen und mit weiteren Sanktionen gedroht. So könnte die Türkei den kurdischen Öl-Export stoppen.

Al-Abadi hatte einen Militäreinsatz in den Kurdengebieten vergangene Woche noch ausgeschlossen. Der Regierungschef steht allerdings unter Druck der mächtigen schiitischen Milizen im Land und des Iran, der diese finanziert. Die Milizen gehören zu den schärfsten Gegnern eine Abspaltung der Kurden.

Linke fordert Bundeswehr-Abzug

Das in Washington ansässige Institute for the Study of War fürchtet, der Einsatz der irakischen Einheiten in Kirkuk könnte zu einem offenen Krieg führen. Die Provinz ist in dem Konflikt besonders umstrittenen, da die Region nach dem südirakischen Basra die ölreichste des Landes ist. Sowohl die Kurden als auch die Zentralregierung erheben Anspruch darauf. Peschmerga-Kämpfer hatten Kirkuk vor mehr als drei Jahren unter ihre Kontrolle gebracht, nachdem die irakische Armee vor dem Islamischen Staat (IS) geflohen war.

Sevim Dagdelen von der Linken forderte angesichts der drohenden Eskalation, dass die Bundeswehr die Region "unverzüglich und komplett" verlassen müsse. Die Bundesregierung müsse Konsequenzen ziehen aus dem kurdischen Unabhängigkeitsreferendum sowie aus dem militärischen Vormarsch der regulären Armee in Kirkuk, erklärt die Sprecherin der Linksfraktion für Internationale Beziehungen. Das im Januar 2018 endende Mandat dürfe nicht verlängert werden.

Die Bundeswehr bildet seit 2014 kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf gegen den IS aus. Die Bundesregierung hatte Ende September angekündigt zu prüfen, ob die derzeit knapp 140 deutschen Soldaten im Nordirak trotz des Unabhängigkeitsreferendums in der Kurdenregion auch im nächsten Jahr dort bleiben können.

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Quelle: n-tv.de, chr/dpa

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