Politik

Virologe Streeck bei Markus Lanz "Aufhebung der Maskenpflicht kein Maskenverbot"

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"Masken sind ein wirksames Mittel", sagt Streeck.

(Foto: imago images/teutopress)

Am Wochenende fallen fast alle Corona-Schutzmaßnahmen – zumindest in den meisten Bundesländern. Diese können Regeln wie die Maskenpflicht jetzt nur noch für Hotspots verhängen. Mit dem neuen Gesetz scheint kaum jemand so richtig glücklich, auch Virologe Streeck sieht Nachbesserungsbedarf.

Der Krieg in der Ukraine hat die Corona-Krise als das beherrschende Thema in den Talkshows abgelöst. Die Pandemie ist derweil nicht verschwunden, und sie gerät jetzt auch wieder in den Blickpunkt. Denn trotz einer Sieben-Tage-Inzidenz von gut 1700 fallen am Wochenende die meisten Schutzmaßnahmen weg. Für Hotspots können die Bundesländer aber noch weitere Beschränkungen verhängen. Dazu gehören eine erweiterte Maskenpflicht und Zugangsregeln für besondere Einrichtungen. Dafür müssen die Landesparlamente dort eine kritische Lage feststellen.

Die Hamburger Bürgerschaft dürfte am heutigen Mittwoch die ganze Stadt zum Hotspot erklären, zunächst für vier Wochen. Damit gilt dort unter anderem in Innenräumen wie im Einzelhandel die Maskenpflicht weiter. Mecklenburg-Vorpommern ist diesen Schritt schon gegangen. In Thüringen steht die Entscheidung am Donnerstag an. Dort dürfte sich die Landtagsmehrheit gegen die Beibehaltung von erweiterten Corona-Schutzmaßnahmen entscheiden. Auch in allen anderen Bundesländern fallen die meisten Maßnahmen.

"Corona-Lage nicht aus den Augen verlieren"

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher von der SPD warnt bei Markus Lanz im ZDF davor, die aktuelle Corona-Lage aus den Augen zu verlieren. "Das scheint mir ein bisschen der Fall zu sein", sagt er. In den Krankenhäusern der Hansestadt sei die Lage aktuell alles andere als entspannt. Hamburg wolle deswegen die Maskenpflicht für die nächsten vier Wochen beibehalten, falls die Bürgerschaft das beschließt. Tschentscher nennt die Maskenpflicht "eine sehr, sehr wirksame und von der Eingriffstiefe von den Beschränkungen her sehr milde Maßnahme".

Mit dem vom Bundestag beschlossenen neuen Infektionsschutzgesetz ist Tschentscher nicht sehr einverstanden. "Es hätte besser ausfallen können", sagt er bei Lanz. Es sei nun etwas umständlich, die Basisschutzmaßnahmen fortzuführen.

"Gesetz ist Übergangsregelung"

Auch Virologe Hendrik Streeck kritisiert das Gesetz, weist aber darauf hin, dass es nur eine Übergangsregelung sei. Im Moment finde eine Evaluierung des Infektionsschutzgesetzes statt. Dabei werde auch überprüft, wie man ein solches Gesetz für künftige Pandemien aufstellen könne und welche Maßnahmen wirklich sinnvoll seien.

Streeck findet unter anderem die Begrenzung des Genesenenstatus auf drei Monate falsch und möchte, dass die Dauer europaweit angeglichen werden soll. Außerdem müsse genau definiert werden, wann eine Überlastung des Gesundheitssystems vorläge, bei der verschärfte Schutzmaßnahmen greifen müssten. "Das ist doch enorm wichtig: Wenn wir sagen, es droht eine Überlastung, müssen wir auch sagen, wo unsere Grenzwerte sind", sagt er.

Im Sommer rechnet Streeck mit einer Entspannung der Corona-Lage. Diese Zeit müsse genutzt werden, damit sich Politiker von kurzfristigem Handeln trennen. "Wir müssen langfristig schauen, welche Maßnahmen haben eigentlich Wirkung gezeigt. Das sind vor allem Impfungen und Masken. Und wir müssen vieles andere über Bord werfen, das sich eingebürgert hat, damit wir auch in den nächsten Jahren mit diesem Virus umgehen können. Es wird ja nicht weggehen", fordert Streeck für die Zukunft.

Jetzt gilt für Streeck erst einmal: "Masken sind ein wirksames Mittel." Sie dienten dazu, Infektionen zu vermeiden. Es sei an Bürgern und Politikern zu entscheiden, ob es auch in Zukunft eine Maskenpflicht geben müsse oder ob die Eigenverantwortung greift. Streeck selber will auch weiter Maske tragen, "wenn ich das Gefühl habe, es könnte ein hohes Infektionsrisiko geben". Denn: "Natürlich ist eine Aufhebung der Maskenpflicht kein Übergang in ein Maskenverbot!"

Quelle: ntv.de

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