Politik

Razzia in Berliner Salafistenszene Beamte beschlagnahmen Beweismaterial

44573a132a75de651aa5790aa3454713.jpg

Vermummte Polizisten stürmen eine Moschee in Berlin Tempelhof und mehrere Wohnungen.

(Foto: dpa)

Die Polizei stürmt Wohnungen und eine Moschee in Tempelhof und beschlagnahmt Computer und Unterlagen. Die radikalen Islamisten weisen jedoch alle Vorwürfe von sich. Die Polizei glaubt auch nicht, dass die Männer Deutschland im Visier hatten.

Mindestens sechs Monate hat die Berliner Polizei ermittelt, am frühen Dienstagmorgen gab es eine Großrazzia gegen mutmaßliche Unterstützer von Islamisten. Dabei durchsuchten 400 Einsatzkräfte die Ibrahim Al Khalil-Moschee im Stadtteil Tempelhof und sieben Wohnungen - abgesichert von vermummten Beamten mit Maschinenpistolen. Dabei wurden nach Polizeiangaben Computer und Unterlagen beschlagnahmt, um Beweise wie Schulungsmaterial sicherzustellen. Die Moschee gilt laut Verfassungsschutzbericht 2014 als Hochburg von Salafisten.

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein 51-jähriger Imam aus Marokko. Er wird verdächtigt, junge Muslime zum islamistischen Kampf gegen das Regime in Syrien aufgefordert zu haben. Ein zweiter Verdächtiger, ein 19-jähriger Mazedonier, soll schon in Syrien sein und mit den dschihadistischen Gruppen kämpfen. Der Imam, der befragt, aber nicht festgenommen wurde, wies die Vorwürfe im Gebetsraum der Moschee als "völlig absurd" zurück und nannte das Vorgehen der Polizei "sehr verwunderlich". Er empfinde sich als Teil von Deutschland und würde niemals zu Gewalt aufrufen, sagte er.

Keine Anschläge in Deutschland geplant

Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Vorbereitung sowie der Anstiftung zur Vorbereitung von schweren staatsgefährdenden Gewalttaten. Laut Polizei liegen jedoch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Beschuldigten Anschläge in Deutschland geplant haben. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte zu der Razzia: "Es darf und wird keine Toleranz geben für diejenigen, die in Moscheen zu Hass und Gewalt anstacheln."

Einen Zusammenhang mit dem Fall des in der vorigen Woche erschossenen Islamisten soll es nicht geben. Der 41-jährige Iraker war 2008 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation verurteilt worden. Am vergangenen Donnerstag hatte der möglicherweise verwirrte Mann eine Polizistin mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt.

Quelle: ntv.de, nsc/kpi/dpa