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Auch für andere Städte denkbar Berliner SPD sieht Mietendeckel als Vorbild

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Der Mietendeckel in Berlin ist auf fünf Jahre befristet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit Februar sind in Berlin die Mieten für rund 1,5 Millionen Wohnungen eingefroren. Die SPD in der Bundeshauptstadt wertet den beschlossenen Mietendeckel als Erfolg. Nach Ansicht der Sozialdemokraten könnte das Modell auch in anderen Metropolen des Landes zur Anwendung kommen.

Der Fraktionschef der Berliner SPD, Raed Saleh, sieht im umstrittenen Mietendeckel-Gesetz der Metropole ein Vorbild auch für andere Städte. "Ich bin überzeugt, dass die Diskussion kommen wird", sagte Saleh. "Der Druck in anderen Städten ist so groß, dass das automatisch diskutiert wird, im Übrigen auch innerhalb der Union."

Nach dem bisher bundesweit einmaligen Gesetz sind seit dem 23. Februar die Mieten für rund 1,5 Millionen Wohnungen auf dem Stand von Juni 2019 eingefroren. Sie dürfen ab 2022 höchstens um 1,3 Prozent jährlich steigen. Wird eine Wohnung wieder vermietet, muss sich der Vermieter an Obergrenzen und an die zuletzt verlangte Miete halten. Der Mietendeckel ist auf fünf Jahre befristet. Am Montag tritt die zweite Stufe des Gesetzes in Kraft. Dann müssen überhöhte Bestandsmieten gesenkt werden. Das gilt, wenn eine Miete mehr als 20 Prozent über den festgelegten Obergrenzen liegt. Betroffen sind laut Senat rund 340.000 Wohnungen.

Saleh erwartet Regelung auf Bundesebene

Nach Salehs Einschätzung wird das Thema Mietenregulierung nach der Bundestagswahl im Herbst 2021 auch bundespolitisch eine Rolle spielen: "Ich gehe fest davon aus, dass die nächste Bundesregierung neue gesetzliche Regelungen im Bund entwickeln muss, weil der Markt es nicht mehr alleine regeln kann", sagte er. Gerade in einer sozialen Marktwirtschaft müsse der Staat auch Einfluss nehmen. "Das haben wir in Berlin getan." Er sei überzeugt davon, dass der Bund eine bundesgesetzliche Regelung finden werde.

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Das Mietendeckel-Gesetz hat es nach Salehs Einschätzung vielen Berlinerinnen und Berlinern leichter gemacht, bisher durch die Corona-Krise zu kommen. Der SPD-Politiker wies auf die schwierige Situation für etliche Branchen wie die Gastronomie und die Abstriche bei Lohn und Gehalt durch Kurzarbeit hin. Ohne Beschlüsse wie die für die Deckelung der Mieten und für die Gebührenfreiheit im Bildungsbereich wäre es noch schwieriger gewesen, durch diese Phase zu kommen, so der SPD-Politiker.

"Und ich bin auch überzeugt, am Ende ist der Mietendeckel ein Konjunkturprogramm", sagte Saleh. "Die Menschen investieren das Geld wieder in der Stadt." Wenn man wisse, dass man bei der Miete etwas einspare und sicher sein könne, dass sie nicht wieder permanent steige, gebe man das Geld auch aus.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa