Politik

Super-Dienstag bei US-Vorwahlen Biden attackiert Sanders, Bloomberg lauert

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Neue Energie und Geld wegen South Carolina: Joe Biden.

(Foto: AP)

Weiter nach links oder doch lieber gemäßigt? Die US-Demokraten entscheiden am heutigen Super-Dienstag in 14 Bundesstaaten über den Kandidaten, der Präsident Trump vertreiben soll. Den voraussichtlichen Duellanten Joe Biden und Bernie Sanders könnte noch Milliardär Michael Bloomberg in die Parade fahren.

Was ist der Super-Dienstag?

Bei den US-Demokraten wählen 14 Bundesstaaten ihren Favoriten für die Kandidatur gegen Präsident Donald Trump. An keinem anderen Tag vor dem Nominierungsparteitag im Juli steht für die Demokraten so viel auf dem Spiel. Mehr als ein Drittel der Delegiertenstimmen werden am Super-Dienstag festgelegt und damit die Bühne für den kompletten verbleibenden Vorwahlkampf gestaltet. Gibt es einen Linksruck mit Sanders? Oder entscheidet sich die Mehrheit der Parteianhänger doch für den gemäßigten Biden? Vielleicht wirbelt ja Milliardär Bloomberg alles durcheinander? Er ist die große Unbekannte, da er zum ersten Mal antritt und in landesweiten Umfragen auf Rang drei hinter Sanders und Biden liegt.

Wer hat neue Hoffnung geschöpft?

Joe Biden. Geschöpft ist allerdings untertrieben, er wurde damit praktisch überschüttet: In South Carolina entschieden sich fast die Hälfte aller Demokraten für den Vize von Ex-Präsident Barack Obama. Sanders kam auf 19,9 Prozent. Die Wähler im südöstlichen Bundesstaat sind mehrheitlich Afroamerikaner, die Biden deutlich vorzogen: 61 Prozent unterstützten ihn, nur 17 Prozent Sanders. Der Super-Dienstag wird zeigen, ob Biden diese Zustimmungsraten unter Afroamerikanern halten kann - und ob Sanders ähnliches unter hispanischen Wählern erreichen kann, die ihn bislang favorisieren. US-Amerikaner mit asiatischen Wurzeln, Afroamerikaner und Latinos machen ein Drittel der Wahlberechtigen in den USA aus.

Wer hat die besten Chancen auf die Kandidatur?

Biden und Sanders. Biden hatte den Sieg in South Carolina bitter nötig, sonst hätte er seine Bewerbung wohl zurückziehen können. Nur die beiden Kontrahenten sprangen über die 15-Prozent-Hürde und teilten sich die Delegiertenstimmen deshalb auf. Wenn dies auch am Super-Dienstag geschieht, ist das Rennen für die anderen endgültig vorbei. Schon jetzt sind deren Chancen sehr gering, mehrere schmissen deshalb hin. Sanders' Umfragewerte in den Super-Dienstag-Bundesstaaten sind besser als Bidens. Unter anderen wählen Kalifornien, wo ein riesiger Batzen Stimmen auf dem Spiel steht, und Texas. In beiden Bundesstaaten sind Latinos die größte Wählergruppe.

Weshalb machen aussichtslose Kandidaten trotzdem weiter?

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Es könnte parteiinterne Taktik sein. Sanders ist kein Mitglied der Demokraten, sondern unabhängig. Viele etablierte Köpfe in der Partei ziehen einen gemäßigten Kandidaten wie Biden vor. Bislang hilft ein breites Bewerberfeld eher Sanders, weil er nur mit Elizabeth Warren eine Konkurrentin unter linken, jungen Wählern hat. Am Super Tuesday wählt auch deren Heimatstaat Massachussetts. Bidens Unterstützer hätten sie gebeten im Rennen zu bleiben, um Sanders wichtige Stimmen zu stehlen, berichtet die "Washington Post".

Warum ist das wichtig?

Jeder Delegierte zählt, da das Rennen so knapp ist. Derzeit besteht eine Chance von 59 Prozent, dass im Juli niemand die absolute Mehrheit hat, um Kandidat zu werden, prognostiziert das US-Medium "FiveThirtyEight". Sanders Chancen für eine Mehrheit liegen demnach bei 27 Prozent, Bidens bei 14 Prozent. Bloomberg kommt auf 0,5 Prozent. Ohne absolute Mehrheit kommt es zu einer Kampfabstimmung mit Delegierten, die von der Partei bestimmt wurden. Die favorisiert derzeit einen gemäßigten Kandidaten; nicht den führenden Sanders.

Wie können die Wähler überzeugt werden?

Glaubwürdigkeit und Geld für Werbung. Glaubwürdig ist Biden für viele, aber finanziell hinkt er hinterher. Seinem Wahlkampfteam flossen im gesamten Februar 18 Millionen Dollar zu, allein dringend nötige fünf Millionen am Wahltag in South Carolina. Bei Sanders waren es 4,5 Millionen Dollar und im gesamten Monat 46,5 Millionen Dollar. Der Senator aus Vermont wird dafür Anzeigen und TV-Werbung in neun Vorwahlen nach dem Super-Dienstag kaufen, hat sein Wahlkampfteam angekündigt. Elizabeth Warren erhielt im Februar 29 Millionen Dollar, eine bemerkenswerte Summe dafür, dass sie bislang überall schlechter als erwartet abgeschnitten hat.

Wer ist sonst noch dabei?

Tulsi Gabbard, die aber kein Faktor ist, weil sie kaum Stimmen erhält. Der Milliardär Tom Steyer ist ausgestiegen, weil er in South Carolina nicht den erhofften Erfolg einfuhr. Auch der Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg ist nicht mehr dabei, obwohl er zum Auftakt in Iowa gewonnen und in landesweiten Umfragen zuletzt bei elf Prozent gelegen hatte. Seine Anhänger dürften vor allem zu Biden überlaufen. Ähnliches gilt für Amy Klobuchar, die am Montag aufgab und zur Unterstützung Bidens aufrief. Dies könnte ihm etwa Delegiertenstimmen in Klobuchars Heimatstaat Minnesota bescheren.

Ist Bidens Hoffnung also berechtigt?

Er bleibt im Rennen. In einer Serie von Interviews nach South Carolina attackierte Biden den führenden Sanders und stellte sich als Macher dar. Sein größtes Problem ist laut Analysten jedoch Bloomberg, weil die beiden direkt um Stimmen konkurrieren. Dem Milliardär kann weder das Geld ausgehen, noch muss er Interessen von Spendern beachten. Er finanziert seinen Wahlkampf selbst. Ebenfalls spricht die Statistik gegen Biden. Bislang galt in den vergangenen 40 Jahren bis auf eine Ausnahme: Nur wer Iowa oder New Hampshire gewinnt, wird am Ende auch Kandidat. (Iowa gewann hauchdünn Pete Buttigieg vor Sanders, der in New Hampshire siegte.) Die Ausnahme heißt Bill Clinton, der wie Biden in South Carolina siegte.

Quelle: ntv.de