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Belastende Spuren im NSU-Prozess Blutige Jogginghose liefert neuen Beweis

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(Foto: dpa)

Im NSU-Prozess sagt ein Kriminalbiologe über DNA-Spuren aus, die in der zerstörten Fluchtwohnung des Terrortrios gefunden wurden. Beweismaterial ist unter anderem eine Jogginghose, auf der eindeutig das Blut der ermordeten Polizistin Kiesewetter haftet.

Zwei Tage lang hat ein Kriminalbiologe als Sachverständiger im NSU-Prozess ausgesagt. Er hatte DNA-Spuren untersucht, die in dem zerstörten Fluchthaus der mutmaßlichen Rechtsterroristen sichergestellt worden waren.

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Unter anderem wird der NSU das Nagelbombenattentat von Köln 2004 zur Last gelegt.

(Foto: dpa)

Unter anderem ging es um einen Blutfleck auf einer Jogginghose des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos. Der Sachverständige ist sich sicher, dass der Fleck von der ermordeten Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter ist. Die Messung zeige, dass Kiesewetter unter theoretisch 31 Billiarden Menschen die einzige mit dieser DNA ist, sagte der Biologe.

Polizisten hatten die Hose nach der Explosion der Fluchtwohnung des NSU im November 2011 im Brandschutt gefunden. Sie war nach Erkenntnis der Ermittler in einem Zimmer zusammen mit anderen Kleidungsstücken aufbewahrt worden, die die mutmaßlichen Terroristen Mundlos und Uwe Böhnhardt bei Banküberfällen trugen. Kiesewetter war das zehnte und letzte Mordopfer des NSU. Sie war im April 2007 in Heilbronn erschossen worden. Die Bundesanwaltschaft wirft dem "Nationalsozialistischen Untergrund" außerdem die Serie der rassistisch motivierten neun "Ceska-Morde" vor.

Ermittler finden auch Genmaterial einer Frau

Außerdem hatten die Ermittler in dem zerstörten Haus Genmaterial einer unbekannten Frau entdeckt. Bei den Spuren handelt es sich um 39 Zigarettenkippen, die im Keller des Fluchthauses gefunden worden waren. Den Kellerraum hatte das Trio nach Erkenntnis der Ermittler mit einer Stahltür gesichert, die die mutmaßlichen Rechtsterroristen selber eingebaut haben sollen. Die Qualität der DNA auf den Zigarettenresten sei gut, sagte der Sachverständige. "Da haben wir ein vollständiges Muster." Es gebe aber keine Vergleichs-DNA einer konkreten Person, der die Genspuren auf den Zigarettenresten zugeordnet werden könnten.

Der Kriminalbiologe berichtete auch, dass er an zahlreichen Waffen die DNA von Mundlos und Böhnhardt nachweisen konnte. An anderen Gegenständen habe sich Erbsubstanz befunden, die zu dem wegen Beihilfe angeklagten André E., seiner damaligen Frau und eines seiner Kinder passe. André E. könne als "Spurenverursacher" aber nicht eindeutig bestimmt werden, weil er einen Zwillingsbruder hat. Bei eineiigen Zwillingen seien die DNA-Sequenzen identisch.

Hauptangeklagte im NSU-Prozess ist Beate Zschäpe. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft bei den zehn Morden des "Nationalsozialistischen Untergrunds" vor. Nach dem Auffliegen des Trios soll Zschäpe laut Anklage die Fluchtwohnung angezündet und zerstört haben, um Spuren zu verwischen. Ihre beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen sich zuvor nach einem missglückten Banküberfall in Eisenach das Leben genommen haben.

Quelle: ntv.de, kpi/dpa