Politik
Ein Graffiti der serbischen und russischen Flagge im Kosovo spricht aus, was auch viele Serben denken: "Kosovo ist Serbien - Krim ist Russland".
Ein Graffiti der serbischen und russischen Flagge im Kosovo spricht aus, was auch viele Serben denken: "Kosovo ist Serbien - Krim ist Russland".(Foto: picture alliance / Thomas Brey/d)
Mittwoch, 16. Mai 2018

Stimmungsmache gegen EU-Beitritt: Boulevardblatt wiegelt Serben auf

Von den Balkanstaaten gehört Serbien zu den Favoriten auf einen EU-Beitritt. Doch Begeisterung für diesen Schritt kommt in Belgrad schon seit einiger Zeit kaum noch auf. Vor dem EU-Balkan-Gipfel skizziert ein Sprachrohr der Regierung ein Horrorszenario.

Die serbische Boulevardzeitung "Informer" hat unmittelbar vor dem EU-Balkan-Gipfel in Sofia ein Horrorszenario im Falle eines serbischen EU-Beitritts aufgezeichnet. Die EU habe der Regierung sieben Bedingungen für die weitere Annäherung geschickt, wodurch Serbien "alles verliert", schrieb das Blatt, das als Sprachrohr der serbischen Staatsspitze gilt. Demnach muss Belgrad unter anderem die Unabhängigkeit seiner früheren Provinz Kosovo anerkennen, die sich vor zehn Jahren abgespalten hatte, und die besonders engen Beziehung zu den Landsleuten im benachbarten Bosnien-Herzegowina kappen.

Weiterhin behauptet das Blatt, von Serbien werde der Beitritt zur Nato verlangt, obwohl das Land traditionell zu den engsten Verbündeten Russlands gehört. Außerdem solle das kleine Land im Gegenzug für einen EU-Beitritt Sanktionen gegen Russland wegen dessen Ukraine-Politik verhängen.

Diese sechs Balkanstaaten gelten als Kandidaten für einen EU-Beitritt.
Diese sechs Balkanstaaten gelten als Kandidaten für einen EU-Beitritt.(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Zu den EU-Forderungen gehört laut "Informer" auch eine nachgiebige Linie der serbischen Regierung im Grenzstreit mit dem Nachbarn und EU-Mitglied Kroatien. "Man erwartet von uns, dass wir alles aufgeben und wir im Gegenzug nichts bekommen", zitiert die Zeitung eine nicht näher bestimmte heimische Quelle: "Wenn es nicht so ernst wäre, wäre es lächerlich".

Kosovo verursacht Verhandlungsstopp

Auf einer Konferenz mit den Balkanstaaten im bulgarischen Sofia wollen die Staats- und Regierungschefs der EU am Donnerstag den aktuellen Stand der Beziehungen überprüfen und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit diskutieren. Von den ehemaligen jugoslawischen Staaten gehören mit Slowenien und Kroatien zwei bereits zur EU. Albanien, Mazedonien, Montenegro und Serbien sind offizielle Beitrittskandidaten, das Kosovo und Bosnien-Herzegowina potenzielle.

Die EU-Kommission hatte Serbien als einen der beiden Favoriten ursprünglich einen Beitritt für das Jahr 2025 in Aussicht gestellt. Doch von den 35 sogenannten Verhandlungskapiteln, in denen die EU-Standards festgehalten sind, sind bisher nur zwei geschlossen. Neue Verhandlungen sind seit zwei Jahren ausgesetzt, weil Belgrad die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennen will. Seitdem machen wichtige Zeitungen unter Einfluss oder Kontrolle der serbischen Regierung Stimmung gegen die EU.

Quelle: n-tv.de