Politik

Mögliche Gefährdung für QuellenBritische Geheimdienste wegen Hanning-Fall in Sorge

07.10.2026, 11:13 Uhr
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August Hanning war bis 2005 Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND). (Foto: picture alliance / dpa)

Westliche Geheimdienste sind geschockt, nachdem Ex-BND-Chef Hanning wegen Spionageverdachts festgenommen wurde. Sie leiten Sicherheitsmaßnahmen ein. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums wirkt gelassen.

Britische Geheimdienste untersuchen, ob ihre geheimen Informationen oder Agenten durch den früheren Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, gefährdet wurden. Dem "Telegraph" zufolge fürchten britische und US-amerikanische Geheimdienste, dass ihre Agenten oder Informanten durch die ausgetauschten Informationen identifiziert werden könnten.

Der britische Auslandsnachrichtendienst MI6 und der britische Abhördienst GCHQ sowie mehrere US-Dienste führen der Zeitung zufolge derzeit eine systematische interne Überprüfung aller sensiblen Informationen durch, die während des betreffenden Zeitraums mit europäischen Verbündeten ausgetauscht wurden. Das Hauptaugenmerk soll auf dem Schutz von Quellen liegen, die durch die Informationsweitergabe von Hanning gefährdet worden sein könnten.

Der Skandal habe die westlichen Geheimdienste schockiert, schreibt die Zeitung weiter. Quellen sprächen von einem großen Coup für eine ausländische Macht und von einem potenziell schwerwiegenden Schaden für das westliche Geheimdienstbündnis. Und auch das Vertrauen von Großbritannien in den BND wird infrage gestellt.

Hanning kommt noch vor Haftrichter

Der 80-jährige Hanning wird beschuldigt, nach seiner Amtszeit illegal über seinen damaligen Büroleiter etwa 2000 geheime Dokumente beschafft und damit unter anderem für Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse erstellt zu haben. Einige der hochrangigen Informationen, mit denen die beiden Männer arbeiteten, stammten laut deutschen Sicherheitskreisen von ausländischen Partnerdiensten.

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann, sagte NDR-Info, dass nun Signale an befreundete Geheimdienste erforderlich seien. Der Verdacht gegen Hanning habe "eingeschlagen", doch die deutschen Dienste hätten "international ein sehr hohes Renommee", so der CDU-Politiker.  Er glaube, "das kriegt man auch wieder in die Spur, wenn wir die richtigen Signale setzen".

Der BND selbst erklärte, "frühzeitig und unverzüglich" umfangreiche interne Ermittlungen eingeleitet zu haben, die den Verdacht erhärteten. "Für den BND und mich gibt es bei der internen Sicherheit keine Kompromisse. Keines meiner Ziele, keine meiner Prioritäten wird durch diesen Vorgang infrage gestellt", sagte der jetzige BND-Präsident Martin Jäger.

Hanning war am Dienstag festgenommen worden und soll am heutigen Mittwoch einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor. Sein ehemaliger Büroleiter soll als mutmaßlicher Komplize Beihilfe geleistet haben. Auch er wurde am Dienstag festgenommen. Hanning war von 1998 bis 2005 BND-Präsident. Danach arbeitete er bis 2009 als Staatssekretär im Bundesinnenministerium.

Quelle: ntv.de, csi/rts/dpa

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